Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Serie Gesellenstück: Als Weintechnologe ein Stück Pfalzkultur

 Sonja Walter und Eric Schimbeno beim Anstechen eines Holzfasses. Der Weißburgunder darin wird auf den Weg in die Flasche vorber
Sonja Walter und Eric Schimbeno beim Anstechen eines Holzfasses. Der Weißburgunder darin wird auf den Weg in die Flasche vorbereitet.

Der Ausbildungsberuf Weintechnologe ist kaum bekannt. Für Gesellen sind die Berufschancen groß. Warum Absolventen Teil der Pfalzkultur werden.

Bis sich Sonja Walter für den Beruf der Weintechnologin entschieden hat, war es ein langer Weg, doch ihre Bewerbung reichte sie kurzfristig ein. Heute ist die 32-Jährige im dritten Ausbildungsjahr und wird im kommenden Frühling ihre Gesellenprüfung ablegen. Viele Jahre arbeitete sie als Betriebsleiterin in der Gastronomie. Schon eine Weile hatte Sonja Walter den Gedanken, ihre berufliche Zukunft zu verändern. „Ich hatte Lust auf anderes und suchte die Herausforderung. Es steckt viel mehr in mir, als ich bislang zeigen konnte“, sagt sie. Das Thema Wein gefiel ihr gut. „Ich kannte den Ausbildungsberuf der Weintechnologie gar nicht und musste mich zunächst mit der inhaltlichen Vielfalt auseinandersetzen.“

Als Sonja Walter vor zwei Jahren im September in der Winzergenossenschaft Weinbiet in Mußbach als Azubi begann, startete sie in der stressigsten Jahreszeit: im Herbst. Viel Zeit blieb den Kollegen nicht, die „Neue“ anzulernen und Fragen zu beantworten. Doch Sonja Walter kannte hektische Situationen aus der Gastronomie. „Wenn es brennt, stellt man keine Fragen“, wusste sie aus Erfahrung. Die Auszubildende packte an und half, so gut sie konnte. Das kam bei den Kollegen gut an, auch weil die junge Frau viel Arbeit gewöhnt war.

Eigenes Projekt von der Traube zum Wein

Der Beruf der Weintechnologin gibt ihr einen völlig anderen Rhythmus vor, als sie es von der Gastronomie gewohnt war. Ihr gefallen die geregelten Arbeitszeiten, die ihr Leben planbarer und ruhiger werden ließen. „Ja, der Herbst ist stressig. Aber die Dauer ist absehbar. Und: Es macht auch Spaß.“ Nun beginnt das Prüfungsjahr, auf das sich die 32-Jährige schon jetzt konzentriert. Ehrgeizig und zielstrebig sei sie, mehr als ihr junges Ich es gewesen sei, bekräftigt Sonja Walter. „Ich weiß heute, wie viel der Berufsabschluss bedeutet und werde auf eine sehr gute Note hinarbeiten.“ Aber nervös sei sie nicht, denn der Betrieb bereite sie gut vor.

Als Projekt hat ihr Geschäftsführer Bastian Klohr aufgetragen, in diesem Jahr von einer überschaubaren Menge Früchte eine eigene Linie von der Traube bis zum Wein in der Flasche inklusive eines Etiketts herzustellen. Eine gute Übung und gleichzeitig eine Anerkennung für ihre Leistungen als Azubi. Die Ausbildung wird mit einer schriftlichen Prüfung, die sich mit der Kellerwirtschaft befasst, und einer dreiteiligen praktischen Prüfung über Sensorik, Kellertechnik und Labor abgeschlossen.

Berufsbezeichnung lautete einst „Weinküfer“

Anschließend stehen Sonja Walter mehrere Optionen offen: Studium, Meisterschule oder Weintechnik. Sie legt sich noch nicht fest, doch die Weiterbildung ist beschlossene Sache – am liebsten in der Winzergenossenschaft. Denn dort seien das Betriebsklima sehr angenehm und die Weine großartig. Die 32-Jährige schätzt ihre Zukunftschancen in ihrem Beruf als sehr vielversprechend ein, denn die Konkurrenz um Arbeitsplätze ist gering. In ihrer Klasse lernen nur fünf Auszubildende die Weintechnologie, der nächste Jahrgang ist lediglich mit zwei Azubis besetzt.

Ihr Kollege Eric Schimbeno ist zweiter Kellermeister in der Winzergenossenschaft Weinbiet. Er hat seine Gesellenprüfung 2008 abgelegt, damals war der Beruf noch als Weinküfer bekannt. Die Umbenennung fand 2013 statt. „Der Weintechnologe als Ausbildungsberuf ist relativ unbekannt. Wahrscheinlich ziehen ihn die jungen Leute gar nicht in Betracht. Das ist schade, denn er ist vielseitig und interessant“, sagt Schimbeno. In seiner Lehrzeit waren die Klassen noch mit 20 Azubis besetzt. Seine Prüfung erlebte er als aufregend, denn schließlich „ging es um etwas“.

Dank für Arbeit: „unbezahlbares Gefühl“

Viele seien heute vom Stress in der Herbstzeit abgeschreckt, schätzt der Kellermeister. Wein sei ein Naturprodukt, eine verderbliche Ware, die eine sofortige Reaktion erfordere. „Wenn die Trauben reif sind und wir warten zu lange, dann ist schnell der Zeitpunkt vorüber, um einen guten Wein herstellen zu können“, sagt er.

Warum er den Beruf wählte, sei schnell erklärt. Schimbeno bezeichnet sich selbst als sehr heimatverbunden und der Wein gehöre nun einmal zur Heimat. Er wollte Teil der Weinkultur sein. „Wenn wir im Herbst mit der Arbeit fertig sind und kommen auf unser Federweißenfest, dann begrüßen uns die Menschen, die unseren Wein trinken. Viele bedanken sich sogar bei uns für unsere Arbeit. Das ist ein unbezahlbares Gefühl und lässt schnell die viele Arbeit vergessen“, erzählt der Kellermeister. Den Weg von der Traube zur Flasche zu begleiten und zu gestalten, führe zu einem höheren Genuss und Mehrwert. „Einen Mehrwert, den wir mit den Kunden gerne teilen.“

Alle Weine vegan, viele alkoholfrei

Schimbenos Werdegang ist beispielhaft für die Chancen in seinem Beruf. Nach dem ersten Gesellenjahr besuchte er die Meisterschule in Weinsberg bei Heilbronn. Anschließend konnte er ein Auslandspraktikum in Australien absolvieren und ließ sich von der Winzergenossenschaft für ein Dreivierteljahr freistellen. „Das passte gut, denn die Lese in Australien findet zu einer für uns ruhigen Zeit statt“, erzählt Schimbeno. Dort kam er mit einer anderen Methode der Weinherstellung in Kontakt, lernte den Einfluss der konstanten Wetterbedingungen kennen und musste sich nicht nur sprachlich durchsetzen. Nach dem Praktikum arbeitete er zunächst als Geselle in Mußbach, weil keine Meisterstelle frei war. 2014 übernahm er als Teamleiter vier Jahre lang Verantwortung in einer großen Kellerei im rheinhessischen Bornheim. Doch dann holte die Winzergenossenschaft Weinbiet den damals 29-Jährigen als zweiten Kellermeister wieder in ihre Reihen. „Ich wollte zurück. Die Pfalz hat an mir gezogen.“

Heute ist es Schimbenos Ziel, den Betrieb auf der hohen Qualitätsstufe zu halten und die Weine weiterzuentwickeln. „Jeder Jahrgang ist naturbedingt anders. Darauf müssen wir reagieren. Aber auch der Geschmack der Kunden ändert sich, was ebenfalls in unserer Arbeit berücksichtigt werden muss“, sagt er. Der Betrieb sei komplett auf vegane Weine umgestellt worden. Außerdem seien alkoholfreie Weine mehr gefragt. Doch die Qualität ist und bleibt sein Anspruch.

Die Serie

Landauf, landab wird über Fachkräftemangel geklagt – insbesondere in Handwerksberufen. In dieser Serie treffen wir Menschen, die gerne im Handwerk arbeiten und zeigen, was sie da so machen.

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