Neustadt Sehnsucht und Herzeleid

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Neustadt-Mussbach. Sehr gut besucht war am Sonntag der Liederabend mit dem Neustadter Tenor Thomas Jakobs in der Parkvilla des Mußbacher Herrenhofs. Der Sänger erfreute das Publikum zusammen mit dem aus Idar-Oberstein stammenden Pianisten Christian Strauß mit romantischen Kunstliedern zum Thema „Frühling - Liebe - Sehnsucht“ von Schumann, Strauss und Wagner und erhielt dafür begeisterten Beifall.

Werke für Soloklavier rundeten das Programm ab – und trugen dazu bei, das in den Liebesliedern geschilderte Leiden, Sehnen und Entbehren ein wenig abzufedern. So konnten die Besucher nicht nur an großen Gefühle in Worten und Gesangstimme lauschen, sondern sich auch über eine sehr abwechslungsreiche Auswahl von Klavierliteratur freuen, die Christian Strauß virtuos und scheinbar ganz mühelos zu Gehör brachte. Er versah das Publikum zudem mit Hintergrundinformationen und ließ es gleich mit einer musikalischen und technischen Glanzleistung aufhorchen: „La Ricordanza“ (Thema und fünf Variationen op. 3) von Carl Czerny, um dessen Etüden kaum ein Klavierschüler herumkommt, der aber auch selbst ein hervorragender Pianist und Schüler Ludwig van Beethovens war. Strauß intonierte den Beginn so heiter, dass den Zuhörern sofort der Frühling in den Sinn kam. Doch bald schon schlug die Stimmung um, verkehrte sich ins sehnsuchtsvoll Verträumte, spielte dazwischen mit hellen schnellen Läufen. Wie kleine Naturgeister setzten Wirbel von aufstrebenden Tönen Akzente, noch einmal klang das verträumt stimmende Thema auf, eine kaum merkliche Pause ließ noch einmal Atem holen, und dann tanzten die Finger des Pianisten so schnell über die Tasten, dass die Augen kaum folgen konnten. Ebenso mitreißend interpretierte Christian Strauß nach der Pause Ludwig van Beethovens Klaviersonate Nr. 13 Es-Dur op 27 Nr. 1, „quasi una fantasia“, mit ihren ineinander übergehenden Sätzen, ließ im zweiten Satz die rechte Hand federleicht über die Tasten gleiten, während die linke gegenläufig mächtige Akkorde setzt. Fasziniert beobachtete das Publikum die Hände, die ein Eigenleben zu führen schienen, bis sie die Sonate mit kräftigen Akkorden beendeten. Dass er auch ein sensibler Begleiter ist, zeigt sich an den Liedern, die Thomas Jakobs vortrug. Im Mittelpunkt stand mit Robert Schumanns „Dichterliebe“ op. 48 nach Texten von Heinrich Heine der wohl bedeutendste romantische Liederzyklus, und damit eine besondere Herausforderung für jeden Sänger. 16 kurze Lieder gilt es zu interpretieren, und alle sind in der Stimmung und Tonsetzung verschieden, wenn ihnen auch eine eher depressive Stimmung zugrunde liegt. Schumann hat sie zwar im Jahr seiner Heirat mit Clara Wieck geschrieben, doch dieser Ehe gingen heftige Querelen mit dem Schwiegervater voraus – und damit viel Seelenqual, die man im Werk nachklingen hört. Thomas Jakobs inszenierte die widersprüchlichen Stimmungen vom Erwachen der Liebe „Im wunderschönen Monat Mai“ mit allen Zweifeln bis zu dem Punkt, an dem mit der Hochzeit „Die alten bösen Lieder“ mit all ihren Sorgen begraben werden. Es gelang ihm dabei vortrefflich, auch den in diesem Lied mitschwingenden Heineschen Sarkasmus wiederzugeben. Thomas Jakobs ließ das Publikum mitlieben und mitleiden, ließ es das Wechselbad der Höhen und Tiefen der „Dichterliebe“ quasi mit erfahren. Dank seiner ausdrucksstarken Stimme und Interpretation brauchte er dafür keine großen Gesten. Zeit dazu, die gesungenen Worte einsinken zu lassen, schenkte die Klavierbegleitung, die nach den einzelnen Liedern sehr einfühlsam die Emotionen noch einmal nachhallen ließ. Verzehrende Sehnsucht, Liebesleid statt -freud beklagte der Sänger facettenreich auch in drei von Richard Wagners „Wesendonck-Liedern“. Fröhlicher dagegen, zärtlich und wie aus einem Traum erwachend, klangen da zwei Lieder von Richard Strauss, darunter das eindringliche und von tiefer Liebe und Freude getragene „Morgen“, das der Komponist seiner Frau zur Hochzeit schenkte. Das Publikum war mehr als angetan vom Konzert. „Klasse“, ist die einhellige Meinung, „beeindruckend“ und „einfach wunderschön“.

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