Neustadt Schrumpfkur für Tenneco

Willkommen oder doch eher auf Wiedersehen? Bei Tenneco gibt es einen Aderlass.
Willkommen oder doch eher auf Wiedersehen? Bei Tenneco gibt es einen Aderlass.

Der Automobilzulieferer Tenneco in Edenkoben baut 210 Stellen ab, 40 weniger als Anfang Juni angekündigt . Das ist den Mitarbeitern am Donnerstag um 14 Uhr in einer Mitarbeiterversammlung mitgeteilt worden. Vorausgegangen war eine Vereinbarung zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat, die bereits am 22. August abgeschlossen worden sei. Der Betriebsratsvorsitzende Bernhard Cuidon aus Queichheim war wegen Urlaubs nicht zu erreichen. Nach Informationen der RHEINPFALZ hat sich der Betriebsrat allerdings von der Geschäftsleitung davon überzeugen lassen, dass der Stellenabbau unvermeidlich sei. Vor diesem Hintergrund ist die Rettung von 40 Stellen aus Sicht des Betriebsrats ein Erfolg. Nach Unternehmensangaben sollen die Stellen zeitlich gestaffelt bis zum 30. Juni 2020 abgebaut werden. Aufgrund sozialverträglicher Maßnahmen wie Frühverrentungen und Ablöseverträgen habe man die Anzahl der betriebsbedingten Kündigungen auf 75 reduzieren können. Betroffen sei ausschließlich der Bereich Fertigung, nicht aber Entwicklung, Vertrieb und Projektmanagement. Der Betriebsrat war offenbar davon ausgegangen, dass auch andere Bereiche betroffen seien. Er geht davon aus, dass Altersklassen gebildet werden, damit die Altersstruktur unverändert bleibt. Wie schon im Juni nennt das Unternehmen hauptsächlich steigende Produktionskosten durch ein sinkendes Auftrags- und Produktionsvolumen als Grund für die Schrumpfkur. Tenneco stellt für die Weiterbildung betroffener Mitarbeiter Geld zur Verfügung, um sie für freie Positionen im Unternehmen zu qualifizieren. Nach unbestätigten Informationen der RHEINPFALZ soll es um rund 170.000 Euro gehen. Außerdem soll ein hoher sechsstelliger Betrag für eine Verbesserung der Berufsausbildung zur Verfügung gestellt werden. An Abfindungen ist nach unbestätigten Angaben ein Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr vorgesehen. Mitarbeiter mit Kindern sollen zudem Zuschläge erhalten. Harald Lange, Zweiter Bevollmächtigter bei der IG Metall in Neustadt und Betriebsbeauftragter für Tenneco, bedauert die Entwicklung. Seine Gewerkschaft habe sich nicht durchsetzen können mit der Forderung nach Beschäftigungssicherung. Die IG Metall hatte angeregt, die Technologieberatungsstelle des Landes einzubinden. Im Betriebsrat stellt die Christliche Gewerkschaft (CGM) die Mehrheit. Nach Langes Angaben wirft sie der IG Metall vor, eine Betriebsvereinbarung über längere Arbeitszeiten durch Klagen torpediert zu haben, was aus Sicht der CGM die Krise erst ausgelöst habe. Tenneco entwickelt und produziert Abgassysteme und Fahrwerkskomponenten für Autos und Nutzfahrzeuge.

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