Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Schluss nach 40 Jahren: Saalbau-„Oberputze“ geht in den Ruhestand

Barbara Franz auf der Bühne: Das ist ihr Lieblingsplatz im Saalbau.
Barbara Franz auf der Bühne: Das ist ihr Lieblingsplatz im Saalbau.

40 Jahre lang war Barbara Franz Putzfrau im Saalbau. Zum Abschied spricht sie über Schmutzfinken, Putzstrategien und ihr Verhältnis zur guten Stube Neustadts.

Endspurt für Barbara Franz: 40 Jahre lang hat sie – im wahrsten Sinne des Wortes – für Ordnung im Saalbau gesorgt. Zunächst vier Jahre lang als Aushilfe und seit 1990 als festangestellte Reinigungskraft bei der Tourist, Kongreß und Saalbau (TKS) GmbH, die für den Saalbau zuständig ist. Nun ist Endspurt angesagt. Von ihren Kollegen hat sich Franz am Montag schon mit einer kleinen Feier verabschiedet. Ihren letzten Dienst hat die 65-Jährige nach dem Ballettabend am 30. Dezember an Silvester. „Danach beginnt ein neuer Abschnitt“, sagt Franz und meint ihren Ruhestand. Sie wirkt deshalb nicht euphorisch, dazu hat sie ihren Job zu sehr gemocht und hatte zu gerne mit allen ihren Kollegen zu tun. Aber sie freue sich nach der langen Zeit trotzdem, mehr Zeit für ihren Mann, ihre Familie, die Hunde und die Hobbys zu haben.

Barbara Franz erzählt ihre Geschichte stolz und selbstbewusst. Sie habe es nie als Makel empfunden, Putzfrau zu sein. Sie muss grinsen und erinnert sich an den ersten Elternabend ihres Sohns im Gymnasium. Als die Formalitäten besprochen waren, sollten sich die Eltern kurz vorstellen. „Aus welchem Grund auch immer hat jeder auch gesagt, was er beruflich macht. Ich bin dann aufgestanden und habe gesagt, dass ich die ,Oberputze vom Saalbau’ bin.“ Die Anekdote sagt viel über Barbara Franz.

Schon als Kind im Saalbau

Zur Welt kam sie in Papenburg im Emsland. Weil der Vater in der Pfalz eine neue Arbeitsstelle fand, kam die Familie mit ihren sechs Mädchen nach Neustadt. Anfangs wohnte man in einem Reihenhaus in Winzingen, heute ist Franz Hambacherin. Die Eltern hatten auch lange eine Gaststätte in Hambach – die Römerklause. Als Jugendliche träumte sie eigentlich von einer beruflichen Laufbahn bei der Kripo. Doch es kam anders: Ihr Vater starb früh, daher half Barbara Franz ihrer Mutter zwei Jahre lang im Lokal. Sie heiratete früh und wurde Mutter. Mit 26 wollte Barbara Franz wieder arbeiten und ist im Saalbau gelandet. „Das habe ich nie bereut.“

Denn zum Veranstaltungszentrum der Stadt hatte sie ohnehin eine enge Beziehung: „Als Kind hatte ich eine Dauerkarte.“ Sie genoss Theateraufführungen und Konzerte. Und fand die festliche Umgebung toll. Dieser Rahmen habe sie all die Jahre motiviert: Es sei wichtig, dass sich Gäste wohlfühlten und alles sauber vorfinden. Diese Einstellung habe sie in der Gastronomie gelernt. Im elterlichen Lokal sei es ja auch darum gegangen, den Gästen eine schöne Zeit zu bescheren. So versteht sie ihren Job auch im Saalbau. Volker Schmidt, der Saalbau-Leiter bei der TKS, nennt Barbara Franz anerkennend die „gute Seele“. Sie habe immer Ruhe bewahrt, anderen gut zugeredet, wenn es hektisch wurde. „So etwas ist alles andere als selbstverständlich. Auf sie konnte ich mich all die Jahre absolut verlassen.“

Das Wohnzimmer Neustadts

Und das zu ganz unterschiedlichen Uhrzeiten und bei allen möglichen Belastungen. Über Winter brummt das Geschäft im Saalbau. Da finden fast täglich größere Veranstaltungen hier statt. Für das dreiköpfige Reinigungsteam um Barbara Franz heißt das: frühmorgens Besprechung mit dem Hausmeister. Dann wird der Saal leergeräumt, alles gereinigt (von der Bühne, über die Zuschauerreihen bis hin zum Eingang und den Toiletten) und wieder neu eingeräumt. Vieles sei nur mit Routine zu machen. Man brauche eine genaue Vorstellung, wie man ein so großes Haus reinigen kann. Und man müsse gut aufpassen. „Den hochwertigen Parkettboden im Saalbau muss man mit Bedacht reinigen, sonst ist er kaputt“, warnt Franz. Der Job halte auch fit, denn ein paar Hundert Quadratmeter zu wischen, sei „eine pure Energieleistung“. Aber sie habe diese Aufgaben immer gerne erledigt. „Ich möchte, dass die Kunden zufrieden sind, und es soll für jeden gut aussehen, denn wir leben ja von den Kunden“, sagt Franz.

Über die Jahre hat sie zudem eine Routine bekommen und wusste, was nach Veranstaltungen an Arbeit auf sie zukommen wird. „Ein Herrenweinabend ist da schon schlimmer als klassisches Ballett“, sagt Schmidt augenzwinkernd. Franz ergänzt grinsend, dass sie anhand des Schmutzes sogar sagen konnte, welche Partei den Saalbau gebucht hatte. Mehr verrät sie dazu aber nicht. Anstrengend seien immer Regen- oder Schneetage, weil dann der Eingangsbereich voller Schmutz ist. Und Veranstaltungen wie Prunksitzungen oder der Neujahrsempfang der Stadt seien ebenfalls eine besondere Herausforderung. Dann gebe es viel Bewegung im Saal und viel zu knabbern. Entsprechend sehe hinterher der Boden aus. Ein sauberes Foyer war ihr immer wichtig: „Denn hier betreten die Besucher ja das Wohnzimmer Neustadts.“

Eine Saalbau-Dynastie

In der Regel hat sie von Veranstaltungen aber wenig mitbekommen. Sie zählte zum Team, das gewissermaßen im Verborgenen alles vorbereitet hat. Ihre Lieblingsecke: die Bühne. Dort erlebte sie auch einen kuriosen Moment. Kurz vor der Aufführung sollte sie noch einmal alles auf der Bühne reinigen. „Und plötzlich ging der Vorhang auf, und alle Leute haben mir applaudiert. Das war lustig.“

Hinter der Familie von Barbara Franz steckt gewissermaßen eine Saalbau-Dynastie. Denn ihre Mutter arbeitete dort ebenso in der Garderobe wie ihre Schwester und ihre Tochter. Ihr Sohn hatte ebenfalls schon Saalbau-Jobs. Die Verbindung zur guten Stube der Stadt wird bleiben, da ist sich Barbara Franz sicher: „Wenn es schöne Veranstaltungen gibt, komme ich auf alle Fälle auch künftig privat hierher. Und wenn mal große Not herrscht, bin ich auch als Helferin da. Den Saalbau lasse ich nicht aus den Augen.“

x