Kirrweiler Schloss soll virtuell wieder auferstehen
Ein Schloss in Kirrweiler? Wer die Lokalgeschichte der Gemeinde nicht kennt, mag verwundert sein. Aber doch: Es gab einst eine Schlossanlage – die Wasserburg – in Kirrweiler. Davon zu sehen ist freilich nichts mehr. Das Wasserschloss Marienburg ist in den Kriegen nach der Französischen Revolution komplett zerstört worden. Doch nun soll es wieder auferstehen – virtuell, wie der Heimat- und Kulturverein mitteilt.
Der Verein habe Anfang April die Firma Argo Edutainment Solutions GmbH mit der digitalen Rekonstruktion der historischen Schlossanlage beauftragt. Möglich werde das ambitionierte Projekt durch eine 80-prozentige Förderung, die im Rahmen des Leader-Programms „Vom Rhein zum Wein“ bewilligt worden sei.
„Mit der virtuellen Rekonstruktion wird ein lang gehegter Traum wahr“, heißt es weiter in der Mitteilung des Vereins. Bereits 2021 habe Kirrweiler als Modellkommune des Landesprojekts „Digitale Erfassung und Präsentation von Kulturlandschaften in Rheinland-Pfalz“ erste Erfolge auf dem Gebiet der virtuellen Rekonstruktion erzielt. Damals wurden elf historische Relikte aus der fürstbischöflichen Zeit digital aufbereitet – darunter auch das Wasserschloss. „Nun wird das Schloss in zwei detailgetreuen 3D-Modellen rekonstruiert: Eine Version zeigt die ursprünglich geschlossene Wehrmauer, die andere die spätere Anlage mit geöffnetem Innenhof und Brücke.“
Routenplaner beinhaltet
Die 3D-Modelle werden laut Heimat- und Kulturverein in eine interaktive App integriert, die mit Augmented-Reality-Technologie (AR) ausgestattet ist. Diese ermögliche es, das Schloss auf dem eigenen Smartphone oder Tablet hautnah zu erleben. Die App wird zudem einen Routenplaner beinhalten, der Besucher auf eine multimediale Entdeckungsreise durch die Geschichte Kirrweilers führe.
Die Fertigstellung des Projekts ist für Mitte 2026 geplant – zur Feier des 825-jährigen Bestehens von Kirrweiler. Die virtuelle Rekonstruktion bilde dabei einen zentralen Beitrag des Heimat- und Kulturvereins zu den Feierlichkeiten. Geplant seien besondere Führungen, bei denen das digitale Schlossambiente erlebbar gemacht werde. Eine weitere Besonderheit im kommenden Jahr werde die Johannistafel sein, die in historischer Kulisse in der Schlossstraße stattfinden soll.
Das Wasserschloss Marienburg fungierte den Angaben der Internet-Plattform Kuladig (Kultur.Landschaft.Digital) zufolge lange Zeit als Wohnsitz der bischöflich-speyerischen Ministerialen. Im 18. Jahrhundert wurde es zum Schloss ausgebaut, Pläne davon sind noch vorhanden. Zum Ausbau gehörten auch Nebengebäude, darunter der Edelhof. Sein Ende begann 1792, als französische Truppen die Vorderpfalz durchzogen und das Schloss plünderten.
Mobiliar weggeschafft
„Das Mobiliar und sonstige bewegliche Habe wurde gerade noch rechtzeitig vom damaligen Amtskeller aus Kirrweiler weg über den Rhein geschafft“, weiß Christine Dawson-Erasmy, die Schriftführerin des Heimat- und Kulturvereins. Im ausgeräumten Schloss habe erst ein Regiment der französischen Revolutionsarmee gehaust, dann habe das Gebäude zur Beschaffung von Baumaterial gedient. Was übrig blieb, sei abgebrochen und versteigert worden. „Geblieben von der Feudalherrlichkeit sind nur einige Nebengebäude der Fürstbischöflichen Residenz wie der Edelhof und das „Schlössel“, die ehemalige Zehnt- und Frondienststelle.
„Mit der digitalen Wiederbelebung der Marienburg wird ein bedeutendes Stück Kirrweilerer Geschichte greifbar gemacht“, betont Dawson-Erasmy .