Neustadt Schlichtes sprachliches Missverständnis

Alla tschüss – für Pfälzer eine gängige Abschiedsformel, herzuleiten vom französischen „allez“. So habe ich das in zahlreichen pfälzischen Sprachführern gelesen. Vorweg: Ich möchte hier nicht der Rubrik von Michael Konrad in der RHEINPFALZ am SONNTAG Konkurrenz machen. Aber eben jener gängige Abschiedsgruß hat einen Arbeitnehmer unlängst in arge Bedrängnis gebracht. Er beendete damit das Telefonat mit einer Service-Hotline und war dann doch sehr überrascht, dass er einige Zeit später zunächst zu seinem Vorgesetzten und dann vor eine Disziplinarkommission zitiert wurde, die ihm die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens ankündigte. „Allah – Tschüss“, so hatte der Mitarbeiter der Service-Hotline, in seinem Büro irgendwo in Europa, nämlich verstanden und das Ganze betriebsintern zur Anzeige gebracht. Jetzt könnte man das einfach nur für einen schlechten Scherz halten und mit einem Lächeln abtun, zumal es für den Mitarbeiter keine Konsequenzen hatte. Mir zeigt es aber doch, wie sensibel und betroffen, vielleicht auch dünnhäutig, Menschen reagieren, wenn ein schlichtes sprachliches Missverständnis dafür sorgt, dass sie sich oder das, an was sie glauben, angegriffen sehen. Religiöser Extremismus auf der einen und eine Politik des „Ich zuerst“, der Ausgrenzung von Menschen anderen Glaubens auf der anderen Seite hinterlassen mehr und mehr ihre Spuren. Kein Wunder, dass vertrauens- und respektvoller Umgang miteinander schwieriger werden. Kein Wunder, dass Dünnhäutigkeit und Argwohn im täglichen Kontakt zunehmen. Die Bibel berichtet uns in der Apostelgeschichte, dass Menschen aus den unterschiedlichsten Gegenden plötzlich zu verstehen waren, als würden sie in der Muttersprache reden. Grund für dieses gegenseitige Verstehen über alle Sprachgrenzen hinweg war der Heilige Geist. Es wäre doch schön, wenn wir ihn auch heute in so mancher Begegnung spüren und vor allem zulassen würden. Es wäre doch erfrischend, wenn in Telefonaten wie dem geschilderten der Heilige Geist kräftig zu wehen begänne. Und es wäre doch hilfreich, wenn man nach der Aufklärung des vermeintlich betriebsschädigenden Verhaltens dem Mitarbeiter der Servicehotline den pfälzischen Abschiedsgruß „alla tschüss“ erklären würde. Vielleicht könnten dann alle herzlich lachen. Der Autor Gerd Rieger teilt sich die Gemeindediakonstelle in Hambach mit seiner Frau, beide sind auch für die Familienarbeit im protestantischen Dekanat Neustadt zuständig.