Neustadt Schlecht gelaunt durch die Welt

Autofastende Mülltrenner? Die gehören für Andreas Rebers zum absoluten Feindbild – genau wie noch viele andere Zeitgenossen und
Autofastende Mülltrenner? Die gehören für Andreas Rebers zum absoluten Feindbild – genau wie noch viele andere Zeitgenossen und Phänomene unserer Zeit.

«Neustadt.» Wenn ein Auftritt von Andreas Rebers auf dem Spielplan des Kleinkunstvereins „Reblaus“ steht, ist die Katakombe voll: So war es 2008, 2011 und auch am Donnerstagabend wieder. Mit „Amen“ präsentierte er den letzten Teil seiner „Trilogie des Glaubens“, und wer ihn schon früher erlebt hat oder von einem seiner Fernsehauftritte her kennt, weiß, dass da kein ideologischer Feenstaub verteilt wird.

Vielmehr gibt der gebürtige Niedersachse ganz gehörig den misanthropen Grantler. So knöpfte sich der 60-Jährige denn auch erwartungsgemäß wieder die Fraktion der autofastenden Mülltrenner vor, die fahrradfahrend die Welt verändern wollen. „Natürlich habe ich ein Fahrrad, aber ich benutze es nicht, weil ich ein Auto habe“, lautet sein Statement angesichts der Grünen-Wählerin im Nachbarhaus: Jene alleinerziehende „Frau Hammer“, die schon in seinen früheren Programmen für all das stand, was Misanthropen auf die Palme bringt. Wer tickt wie Rebers, der kauft sich dagegen ein zweites Fahrrad, schnallt es aufs Autodach und parkt dann Radwege zu. Oder fährt mal eben den Dieseltank leer, weil Frau Hammer einen Baum gepflanzt hat. Denn „Wer Fahrrad fährt, ist selber Schuld“, sagt er über die „Demonstrationsfahrten von A...krampen“, die es bekanntlich ja nicht nur in Rebers’ Wahlheimatstadt München gibt ... Da helfe nur ein revolutionärer Akt – zum Beispiel das Öffnen der Autotür, wenn im Rückspiegel ein Drahtesel naht. Ganz Ausgefuchste kauften sich hingegen gleich einen leisen Tesla und machen das schon während der Fahrt. Er wollte „was mit Hass machen“, sagt Rebers über seine Entscheidung, Lehrer zu werden, bevor er erst auf die Volksmusik-, dann auf die Kabarett-Bühne wechselte, um „übergriffige Nächstenliebe“ zu geißeln. Die äußere sich unter anderem dann, wenn die „pädagogische Geisterbahn“ auf den Spielplatz kommt und dort ein anderes Kind vorfindet: „Ich arme Dich um“, heißt es dann. Doch dann ein harter Schnitt: „Wie geht es weiter an der Führerfront?“, fragt Rebers angesichts der weltweiten Hitler-Ähnlichkeitswettbewerbe, die derzeit vorwiegend in Teheran und Ankara über die Bühne gehen (und bei denen Nordkorea regelmäßig ausscheidet): Gegen „Erdolf“ aus der Türkei hätten Alexander Gauland oder Frauke Petry wenig Chancen. Björn „Bernd“ Höcke hingegen bemühe sich schon, doch das Geld für Bemühungen könne man sich bekanntlich sparen – endeten diese doch meist in der Unerträglichkeit, so wie bei den CDU-Akteuren Jens Spahn oder Annegret Kramp-Karrenbauer. „Wir brauchen mehr Stimmung im Land“, fordert Rebers dann wieder und erhebt Forderungen wie die nach einer lesbischen, blinden Rollstuhlfahrerin als Moderatorin der „Tagesschau“ und für Kongresse gegen Legasthenie (die mangels schriftlicher Einladung ohnehin nie zustandekommen). Und hätte sich Eva nach der Ernährungsberatung nicht für einen „Veggie Day“ entschieden, sondern, wie von Adam angeregt, Rippchen zu Abend gegessen, wäre dem Menschen die Vertreibung aus dem Paradies erspart geblieben, meint Rebers über das „Weib, das mit den Füßen scharrt“ – obwohl Parkett verlegt ist: „Die glückliche Ehe ist nicht im Sinne der Schöpfung“, schließt er. Träte die CSU bei den Wahlen im Osten an, müssten Ronny, Riko und Chantal nicht AfD, die Alternative von Deutschland, wählen, meint Rebers, und er habe „keinen mit Schleife gesehen“, zu Katrin Göring-Eckarts Äußerung zur Einwanderung, man bekomme da „Menschen geschenkt“. Minarette seien die Bajonette im Fleisch der Ungläubigen, sagt Rebers zu Erdogans Auftritt bei der Einweihung der Moschee in Köln, um die Frage aufzuwerfen, warum das bunte Deutschland nicht auch dort sein dürres Fäustlein in die Luft gereckt hat: Denn die Gesine Schwan’sche Generalentschuldigung, es handle sich um Menschen, die einst benachteiligt wurden, mag er nicht gelten lassen – seine eigene Mutter sei schließlich auch eine Frau gewesen. Nun könnte man das alles als reaktionäres Geschwafel abtun, aber eins ist sicher: Es macht Spaß. Und irgendwie ist ja auch was dran. Ein bisschen.

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