Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Schauspielgruppe zeigt Molierés „Der Geizige“

Die Inszenierung liegt in den Händen von Isolde Opielka (vorne), die schon seit 1990 zur Neustadter Laienspieltruppe gehört.
Die Inszenierung liegt in den Händen von Isolde Opielka (vorne), die schon seit 1990 zur Neustadter Laienspieltruppe gehört.

Molières Komödie „Der Geizige“ ist ein Dauerbrenner auf europäischen Bühnen und wird jetzt als Sommerstück der Neustadter Schauspielgruppe aufgeführt.

Kein Wunder, dass die Neustadter Schauspielgruppe (NSG) den süffisanten Stoff schon zum zweiten Mal auf die Bühne bringt und den grotesken Geizigen genau 50 Jahre nach seinem „Debut“ vor der Villa Böhm mit frischer Note und altem Geist wiederbelebt. Die Inszenierung 2026 liegt in den Händen von Isolde Opielka, die schon seit 1990 zur Neustadter Laienspieltruppe gehört und mir ihr bereits vor 15 Jahren einen Molière, nämlich den „Tollpatsch“ auf die Bühne gebracht hat. „Der romanische Kulturkreis“ sei eben ihr Revier. Schüler des Neustadter Leibniz-Gymnasiums wissen das, denn dort unterrichtet Opielka neben Französisch auch Darstellendes Spiel und Spanisch.

Ihre Interpretation des berühmten Klassikers dreht sich um den geldgierigen alten Harpagon (Siegfried Kralik) und seine Kinder Elise (Celina Haag) und Cléante (Nico Müller) samt deren – vom Vater missbilligten – Liebschaften Mariane (Magalie Winter) und Valère (Simon Siener). Wobei die Gedanken und Gefühle des schrulligen Alten eigentlich nur um die Kassette voller Golddukaten kreisen, die er im Keller vergraben hat. Für die Wahrung, besser noch Vermehrung seines Schatzes, scheut er vor nichts und niemandem zurück, was zu haarsträubenden Intrigen, urkomischen Verwechslungen und einer rasanten Handlungsdynamik führt, die Opielka durch moderne Aspekte und gepfefferte Situationskomik zusätzlich würzt.

Umweg führt zum Happy End

Und wegen ihres besonderes Faible für die weitsichtigen Bediensteten der engstirnigen Herrschaften, wird deren Aufgebot in dieser Bühnenfassung verfünffacht. „Wir haben für die zusätzlichen Rollen sogar eigene Texte entwickelt“, verrät die Regisseurin, die alle Schauspieler aktiv an der Drehbuchentwicklung partizipieren lässt und dafür sogar einen Workshop initiierte. Leiter war der befreundete Schauspieler Lennart Lube, der als Pfälzer Gewächs selbst schon mehrmals (etwa in Ulysses und Seele) auf der NSG-Freilichtbühne agierte und heute am renommierten Thomas-Bernhard-Institut am Mozarteum in Salzburg studiert. Vor allem der „überholte, extrem voraussehbare Schluss“ des Originals, wird in der Opielka-Fassung – die sich auf die Übersetzung von Herbert Wochinz aus dem Jahr 1961 stützt – mit „einem Clou“ konterkariert, bevor der eingebaute Umweg freilich auch hier zum Happy End führt.

Siegfried Kralik in der Hauptrolle

„Sehr bunt, sehr schrill, viel Wortwitz, Derbheit und Drive“ verspricht die Regisseurin dem Publikum, das so manchen „alten Hasen“ der NSG-Truppe wiedererkennen, aber auch neue Gesichter entdecken wird. Zum Beispiel Ela Lück, die sich nach einem langen Arbeitsleben in der Psychiatrie nun im Ruhestand ihren Kindheitstraum erfüllt und in der Rolle als Dienerin zum ersten Mal Bühnenluft schnuppert .„Es ist toll, macht viel Spaß und in der Gruppe fühlt es sich an wie in einer Familie,“ schwärmt die gebürtige Polin, die seit 30 Jahren in Neustadt lebt, von den Probearbeiten. Siegfried Kralik, Rechtsanwaltsgehilfe aus Ruchheim, der den Geizigen mimt, hat zwar schon Jahrzehnte Bühnenerfahrung bei der NSG, dem Hambacher Theater in der Kurve und der Alten Werkstatt Frankenthal, aber in eine Hauptrolle ist er noch selten geschlüpft. Vor der „tollen Kulisse der Villa Böhm“ nimmt er diese Herausforderung nun besonders gerne an.

Kooperation mit dem Badischen Staatstheater

Apropos Kulisse: das Bühnenbild (Heidrun Oeschger/ Maxim Koch), so erläutert Opielka, sei bei ihrer Inszenierung besonders wichtig, denn es unterstützt mit seinen mobilen Elementen das „Bäumchen-Wechsle-Dich-Spiel“ der handelnden Personen. Und wie bei jeder Commedia dell’Arte sorgen auch die Kostüme und Frisuren für elektrisierende Special Effects. Dankbar sind die Neustadter Amateurschauspieler deshalb für die unkomplizierte Kooperation mit dem Badischen Staatstheater Karlsruhe, aus dessen Fundus sie sich bedienen durften. Bei Maskenbildnerin Franziska Schauer konnte Timo Auer sogar „in die Lehre gehen,“ um dann eigenhändig die fulminanten Perücken für die Neustadter Charakterköpfe zu knüpfen.

Termine

Die Schauspielgruppe Neustadt zeigt „Der Geizige“ im Park der Villa Böhm. Premiere ist am Samstag, 13. Juni, 20 Uhr. Weitere Termine: 19., 20. , 27. und 28. Juni sowie 3., 4, 5., 10. und 11. Juli, jeweils um 20 Uhr.

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