Wasserball
SC Neustadt: Verein meldet U18-Team aus der Bundesliga ab
Hektik und überraschende Entscheidungen gab es bei der Wasserball-Abteilung des SC Neustadt in der vergangenen Woche. Kurzfristig wurden am letzten möglichen Meldetag für die neue Saison die Pläne für die U18 und die zweite Männer-Mannschaft über den Haufen geworfen. Die Folge ist ein schmerzhafter Einschnitt bei den Junioren.
Ursprünglich wollte der SCN für die zweite Mannschaft eine Spielgemeinschaft mit dem saarländischen Verein Friedrichsthal eingehen. Die Junioren unter 20 Jahren wären trotzdem mit einem Zweitspielrecht für den SCN auch in der zweiten Bundesliga der Männer einsetzbar gewesen, obwohl sie unter dem Namen Friedrichsthal in der dritten Liga Süd gespielt hätten. Und die U18-Mannschaft hätte, wie in den Jahren zuvor, in der U18-Bundesliga antreten sollen.
Spieler ziehen nicht mit
Das war der Plan. Doch die SCN-Spieler zogen nicht mit, zu wenige standen für diese Spielgemeinschaft in der dritten Liga zur Verfügung, wie SCN-Manager Michael Heinz auf Nachfrage mitteilt.
Gleichzeitig zeigte sich auch in der U18-Mannschaft eine mangelnde Bereitschaft, sich die Mühen und das harte Training aufzuerlegen, um in der Bundesliga der Junioren wettbewerbsfähig zu sein. Heinz: „Das lauwarme Auftreten der U18 hat sich dann auch bei deren Krisensitzung bestätigt.“ Bei einer Abstimmung der jungen Spieler votierte die Mehrzahl gegen die Bundesliga.
Trainer sucht Gründe
Peter Jacqué, Cheftrainer der Junioren, befindet sich zwar aktuell in Urlaub, nahm aber an den Videokonferenzen teil. Der 78-Jährige, für den mittelfristig Entlastung gesucht werden sollte, zeigte sich vom Aus der Junioren-Bundesliga sehr betroffen. Er sagte: „Was macht das jetzt mit mir? Sieben erfolgreiche Jahre gehen zu Ende. Enttäuschung ist da. Ich empfinde eine gewisse Leere. Ich habe immer versucht, die Liga zu halten und Zeit und Energie investiert.“
Gleichzeitig musste Jacqué aber in den vergangenen Monaten feststellen, dass der bisherige Geist der Vorgängerteams nicht mehr in dem aktuellen Jahrgang vorhanden war. Es haben Spieler gefehlt, die das Team motivieren, mitreißen. Auch von Seiten der Eltern habe teilweise die Einstellung gefehlt, damit die Jugendlichen die angebotenen sieben Trainingseinheiten wahrnehmen konnten, klagt Jacqué. Er zählt auf: „Wir haben den Jugendlichen die Dauerkarte bezahlt. Ich habe die Jungs gebeten, wenn sie ein reguläres Training versäumen, was ja durchaus wegen der Schule vorkommen kann, dass sie dann an einem anderen Tag eine Stunde schwimmen. Doch da kam nie eine Rückmeldung, dass sie das getan hätten.“
Gutes Abschneiden
Er weiß auch, dass der Leistungssport, so wie er vom SCN angeboten wird, für die Reife und Entwicklung der Jugendlichen eine entscheidende Rolle spielt. „Es wird in den Familien eine Chance versäumt. Leistungssport bietet Disziplin, Verzicht, Ziel gerichtet etwas zu machen. Diese Bereitschaft ist geschwunden. Der Geist hat sich verändert, das war schon in den jüngsten Trainings-Camps zu merken. Und ohne Vorbilder, die das Team mitreißen, geht es auch nicht.“ Am meisten macht ihm zu schaffen, dass er den aktuellen Kader nicht mehr erreicht hat. Er fragt sich: „Warum habe ich es nicht geschafft, die Potenziale weiter zu entwickeln.“
Dabei war er in den vergangenen Jahren deutschlandweit mit der SCN-U18 unter den besten Teams vertreten. So erreichte das Team unter seiner Leitung 2021 die Vizemeisterschaft, 2023 Rang vier, 2025 Platz acht, 2024 Rang zehn. Der SCN war im Nachwuchsbereich den etablierten Wasserball-Vereinen der Metropolen ein stets unangenehmer, bissiger Gegner.
Kapitän blickt zurück
Kapitän Flynn Laux kann die Entscheidung des Vereins nachvollziehen. „Bei unserer ersten Teamsitzung vor ein paar Wochen sagten noch alle Spieler, sie seien motiviert. Doch dann hat man am Trainingsbesuch gemerkt, dass viele es langsamer angehen ließen. Und bei einer zweiten Sitzung sprachen einige davon, weniger Motivation zu haben. Gerade in den letzten Wochen war es eine schlechte Trainingsbeteiligung. Der Fokus hat gefehlt“, erklärt er. Der 17-jährige Schüler der zwölften Klasse ist enttäuscht, weil sein letztes Jahr in der Jugend jetzt nicht mehr zu einem Vergleich mit starken Altersgenossen wird. Aber er sagt: „Bei einigen Jungs hatte ich das Gefühl, ihnen sei ein Stein vom Herzen gefallen, als uns gesagte wurde, dass wir keine Bundesliga spielen.“
Für ihn selbst ist die Alternative, in der dritten Männerliga zu spielen, eine gute Lösung, auch wenn es gegen erwachsene Spieler wieder anders sein wird. Laux sieht auch die Zeitersparnis für die Spieler. „Keine langen Reisen mehr, auch nicht über das Wochenende, weniger Trainingseinheiten“, fasst er zusammen. Aber ihm ist ebenfalls aufgefallen, dass es in der aktuellen U18 ein Wandel im Mannschaftsgedanken gegeben habe. Er sagt: „Ich glaube, vor uns herrschte noch mehr Gemeinschaftssinn.“
Die Mannschaft wird künftig in der U18-Baden-Württemberg-Liga spielen, teilt Peter Jacqué mit.
