Interview RHEINPFALZ Plus Artikel SC Neustadt: Michael Heinz über die Chancen im Viertelfinale und Trainer Milos Sekulic

SCN-Vorsitzender Michael Heinz ist, wenn’s sein muss, bei Wasserball-Heimspielen im Stadionbad auch mal als DJ im Einsatz.
SCN-Vorsitzender Michael Heinz ist, wenn’s sein muss, bei Wasserball-Heimspielen im Stadionbad auch mal als DJ im Einsatz.

Als Aufsteiger in die 2. Wasserball-Bundesliga hat der SC Neustadt die Vorrunde hervorragend absolviert. Jetzt folgen K.-o-Spiele gegen Plauen. Was Michael Heinz dazu sagt.

Herr Heinz, Aufsteiger SCN hat sich gegen etablierte ehemalige B-Bundesliga-Teams mit einigen bemerkenswerten Siegen in Liga zwei durchgesetzt. Welches Ergebnis davon hatte Sie am meisten überrascht?
Es war kein individuelles Spiel, was mich überrascht hat, vielmehr die Fähigkeit der Mannschaft, auch einen Rückstand oder eine Schwächephase aufzuholen beziehungsweise zu überstehen und am Ende die Nase vorne zu haben. Das ist uns in der Vergangenheit oft nicht gelungen. Wir sind oft in Führung gewesen, hatten dann eine Durststrecke – die Mannschaft konnte das Spiel oft nicht mehr umkehren. Das ist in dieser Saison anders, ist der Ruhe unseres Trainers geschuldet.

Dabei war der Saisonauftakt mit der Heimniederlage gegen Esslingen zunächst nicht ermunternd. Esslingen hatte eine bis dahin im Stadionbad noch nie gesehene Abwehrvariante gezeigt, als zusätzlich zum Keeper links und rechts des Pfostens zwei Abwehrspieler positioniert wurden. Als Sie aktiver Spieler waren, hatten Sie so etwas auch schon erlebt?
Das war das erste Spiel der Saison, und wir waren noch nicht aufeinander eingestellt. Wenn dann ein Gegner noch mit einer bisher noch nicht dagewesenen taktischen Variante auftaucht, ist es umso schwerer, in Tritt zu kommen. So etwas hatte ich bis dato noch nicht gesehen. Esslingen war damit anfangs recht erfolgreich. Mittlerweile haben sie diese Taktik jedoch wieder weitestgehend aufgehoben, da sich alle Mannschaften darauf eingestellt haben.

Jetzt geht es Ende April im Viertelfinale gegen Plauen. Der SCN siegte im Heimspiel mit 19:18 nach Fünfmeterschießen und in Plauen 20:18. Was ist Ihre Prognose?
Im Grunde gehen wir als Favorit in die Spiele, auch wenn die Ergebnisse der Runde nicht eindeutig waren. Wir dürfen jedoch Plauen nicht auf die leichte Schulter nehmen. Das Plauener Schwimmbad ist ein Hexenkessel mit den mit Abstand meisten Zuschauern der Liga. Wir müssen dort erst einmal gewinnen und dann zu Hause den Sack zumachen. Dann hätten wir in einem Spielmodus, bei dem die Punkte der Hinrunde im Grunde keine Rolle spielen, zumindest nichts mehr mit dem Abstieg zu tun.

Wer Sie als Wasserball-Manager kennt, weiß, Sie strecken frühzeitig Ihre Fühler nach Verstärkungen aus. Auch wenn die Saison noch eine Weile läuft, einige Neuzugänge hatten sich wunderbar ins Team eingefügt. Welche Signale gehen von diesen Spielern aus? Bleiben diese an Bord?
Ich denke, dass der Großteil an Bord bleiben wird. Entsprechende Gespräche werden wir vor Abschluss der laufenden Saison oder kurz danach führen. Gleichzeitig hoffen wir auf eine Rückkehr von Xaver Schädler und auf den einen oder anderen Neuzugang.

Das SCN-Männerteam besteht aus Routiniers, starken Zugängen und sich weiter entwickelnden eigenen Nachwuchsspielern. Dabei muss immer auch auf entsprechende Spielanteile bei den jüngeren Spielern geachtet werden. Sind diese mit der gegenwärtigen Konstellation zufrieden?
Als Spieler willst du immer spielen, das ist auch gut so. Gleichzeitig muss man verstehen, dass immer nur sieben Spieler gleichzeitig im Wasser sein können. Jeder einzelne, auch die Spieler, die nicht oft zum Einsatz kommen, sind für uns der Schlüssel zum Erfolg. Sie helfen uns, das hohe Wettkampfniveau im Training aufrecht zu erhalten, sichern den Kader im Fall von Verletzungen ab, werden als taktische Joker eingesetzt, fördern den Zusammenhalt, indem sie das Team von der Bank aus unterstützen.

Wie sieht es eigentlich mit der Jugend aus? Oder fokussiert sich im Moment alles auf die Erste und Zweite Herrenmannschaft?
In der Jugend backen wir im Moment in der Tat ein wenig kleinere Brötchen. Das heißt jedoch nicht, dass keine enormen Anstrengungen unternommen werden, auch hier wieder unter den Top-acht-Mannschaften in Deutschland zu sein. Es gibt verschiedene Ideen, wie wir einerseits unsere U16- und U18-Mannschaften mit anderen Vereinen polen. Andererseits werden wir in diesem Sommer große Anstrengungen unternehmen, unsere Jugend mit jungen Jahrgängen aufzufüllen. Der SCN plant in Kooperation mit dem Hambacher Schwimmbad, der DLRG und dem Jugendamt Neustadt ein Ganztagsferienprogramm in den letzten drei Sommerferienwochen für Kinder zwischen sechs und zehn Jahren.

Trainer Milos Sekulic überzeugt mit seiner Ruhe und Übersicht am Beckenrand. Können Sie mit ihm auch die nächste Saison planen?
Milos war für uns ein Glücksfall und ist im Grunde zu gut für die Zweite Liga. Er macht ein sehr professionelles Training und hat jeden Spieler individuell und die Mannschaft insgesamt weiterentwickelt. Wir werden alles versuchen, ihn über diese Saison hinaus und längerfristig an uns zu binden. Das bedeutet jedoch, dass er bei uns kein Ehrenamt inne haben würde, sondern von dieser Arbeit seinen Lebensunterhalt bestreiten muss. Da kommen wir als kleines gallischen Dorf des deutschen Wasserballs schnell an unsere Grenzen. Doch arbeiten wir intensiv daran. Seitens Milos habe ich jedenfalls den Eindruck, dass er sich bei uns aufgrund der familiären Atmosphäre wohl fühlt und nicht abgeneigt wäre, hier zu bleiben.

Interview: Heike Klein

Termine

Der SCN tritt im Viertelfinale am 18. April, 19 Uhr, beim SVV Plauen an, am 25. April, 18 Uhr, folgt im Stadionbad das Rückspiel.

x