Wasserball
SC Neustadt in Zweiter und Dritter Liga am Ball und zu Ehrung eingeladen
Die Planungen der Wasserball-Abteilung des SC Neustadt sahen im Frühsommer noch eine langsame Reduzierung des Pensums von Chef-Jugendtrainer Peter Jacqué vor. Doch momentan ist der 78-jährige ehemalige Leiter des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums mehr denn je gefordert. Wieso Cotrainer Peter Jacqué leidet und zum Stillschweigen verpflichtet ist.
Zum Auswärtsspiel des SCN in der Zweiten Wasserball-Bundesliga am Samstag um 18 Uhr bei Tabellenführer Uerdingen ist Peter Jacqué allerdings im Kurzurlaub. Daher ist er auch zum Heimspiel des SCN II am Sonntag, 14 Uhr, im Stadionbad im Derby der Dritten Liga Süd gegen Vorwärts Ludwigshafen I nicht dabei. Statt eines neuen Trainers für die U18 fand der SCN einen neuen Cheftrainer für die Erste Mannschaft. Mit dem ehemaligen Bundestrainer Milos Sekulic steht jetzt ein gewiefter Coach am Beckenrand des SCN. Ihm zur Seite wurde Peter Jacqué als Cotrainer gestellt. Und dabei leidet er still. „Als Cotrainer darf ich nicht aufstehen, keine Emotionen zeigen, nicht laut rufen. Nur der Haupttrainer darf stehen und bis zur Begrenzung am gelben Hütchen gehen und Anweisungen geben. Ich bin zum Stillschweigen verpflichtet. So sind die offiziellen Regeln“, verrät er. Jacqué gibt zu, das sei schwierig für ihn. Er sei jemand, der richtig „hoch fährt“ und viele Aktionen emotional empfinde.
Jacqué schreibt mit
So sitzt er also brav auf seinem Stuhl und führt aus, was dem Chefcoach bei der Spielanalyse hilft. Jacqué schreibt alle Aktionen mit und notiert dabei die jeweilige Spielminute. So kann Sekulic bei seiner Analyse des Spielvideos die Aktionen besser zuordnen. Jacqué erklärt auch, wieso es in der Zweiten Bundesliga zu häufigen Hinausstellungen kommt. „Es wird konsequent gepfiffen, wenn der Center-Angreifer in Ballbesitz ist, noch vom Center-Verteidiger körperlich bedrängt wird. Vor dem Ballbesitz darf der Verteidiger schieben und kämpfen, um die Position zu sichern, damit der Angreifer nicht an den Ball kommt. Ist der Angreifer aber am Ball, dann kommt es schnell zum Wasserverweis, wenn zu hart verteidigt wird“, verdeutlicht es Jacqué. Darauf ziele das Training ab: Die Spieler müssten beweglicher, schneller sein und schon den Spielaufbau des Gegners verhindern. Durch die klare Regelauslegung der Unparteiischen käme es so auch zu weniger emotionalen Situationen der Beteiligten.
Sekulic einst in Uerdingen
Das Spiel gegen Uerdingen hat laut Jacqué aber eine besondere Brisanz. So habe Sekulic schon in Uerdingen einen Trainerposten inne gehabt und kenne den Gegner recht gut. Einige Spieler des SCN machten ebenfalls eine gute Erfahrung mit den Westdeutschen. Jacqué: „Es war 2021, als wir mit der U18 im Stadionbad Vizemeister wurden und das Jugendteam von Duisburg im Finalturnier um die deutsche Meisterschaft auf Rang zwei verwiesen. So treffen unsere Spieler Xaver Schädler, Lukas und Tim Schwarzkopf und Keeper Hendrik Hummel auf die ehemaligen Jugendspieler, die damals mit Zweitspielrecht in der Jugend für Duisburg gespielt haben.“ Jacqué weiß daher auch, dass besonders die Uerdinger Angreifer des Jahrgangs 2003, Patrick Freisem und Maximilian Rompf, für die SCN-Abwehr gefährlich werden.
Entlastet ist Jacqué immerhin als Trainer der U18. Das Team wurde in dieser Saison nicht für die Bundesliga gemeldet. Dies war eine Entscheidung der jungen Spieler und der Vereinsführung.
SCN II gegen Ludwigshafen
Seine Emotionen kann Jacqué aber weiterhin voll ausleben, denn er ist für die Zweite Mannschaft des SCN verantwortlich, die jetzt in der Dritten Liga Süd antritt. Ausgerechnet am Sonntag um 14 Uhr ist Jacqué allerdings auch nicht dabei. Dann trifft der SCN II auf Vorwärts Ludwigshafen.
Für Jacqué ein sehr pikantes Derby. „Vorwärts ist eine gestandene Mannschaft aus der ehemaligen Zweiten Liga Süd, mit der wir immer sehr emotionale Duelle hatten. Jetzt sind in unserer Zweiten Mannschaft die jungen Nachrücker aus der Juniorenmannschaft am Start. Für sie ist es ein großer Sprung in ein höheres Level“, betont er.
Nachwuchs und fünf erfahrene Spieler
Die Auftaktpartie in der Dritten Liga am vergangenen Samstag gegen Frankfurt hatte der SCN im Stadionbad knapp mit 12:11 (4:1, 1:4, 5:6, 2:0) gewonnen. Die jungen Nachwuchsspieler werden mit fünf Spielern aus der Zweitliga-Mannschaft ergänzt. Die Regeln des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) verlangen, dass ein Verein neun „Stammspieler“ für die Bundesliga meldet, fünf weitere Spieler dürfen jeweils dazu aufgestellt werden. Diese fünf Spieler sind dann auch in der Zweiten Mannschaft spielberechtigt. So waren am Samstag nach der Partie gegen Würzburg Tim und Lukas Schwarzkopf, Matteo Ananias, Lizer Perez sowie Maksim Bahchevanov noch einmal im Wasser.
Jacqué war mit dem knappen Sieg etwas unzufrieden. „Die Jungs haben Frankfurt unterschätzt. Sie wussten, Vorwärts Ludwigshafen hatte die Hessen eine Woche zuvor mit 22:7 nach Hause geschickt. Sie waren etwas leer im Kopf nach der Begegnung gegen Würzburg, ihr Fokus lag auf dem Spiel zuvor. Jetzt müssen sich vor allem auch die Nachrücker mehr einbringen“, fordert er.
Preuß am Beckenrand
Am Beckenrand am Sonntag steht dann Thorsten Preuß. Der ehemalige Trainer der Ersten Mannschaft coacht während der Abwesenheit von Jacqué den SCN II. Jacqué hofft, dass die fünf Spieler, die tags zuvor gegen Uerdingen im Einsatz waren, am Sonntag gut regeneriert sind.
Jacqué, ganz „elder Statesman“, wie die charmante Bezeichnung für verdiente, in Ehren ergraute Politiker, neudeutsch gerne gebraucht wird, war am vergangenen Freitag übrigens offizieller Vertreter des SCN bei der Verleihung der Sportplakette in Mainz. Elf Vereine aus Rheinland-Pfalz wurden von Sportminister Michael Ebling ausgezeichnet. Die Sportplakette des Bundespräsidenten ist die höchste staatliche Auszeichnung für Sportvereine und -verbände. Damit werden besondere Verdienste um die Pflege und Entwicklung des Sports gewürdigt und aus Anlass des mindestens 100-jährigen Bestehens eines Sportvereines verliehen.
Zur Ehrung in Monsheim eingeladen
Und Jacqué, als Landesbeauftragter Leistungssport Wasserball, wurde mitgeteilt, dass der SCN eine Delegation am 19. Dezember nach Monsheim zur Ehrung der rheinland-pfälzischen Sportler des Jahres entsenden solle. Wie berichtet, waren die Wasserballer des SCN mit vier weiteren Mannschaften, darunter die Fußballer des Bundesligisten Mainz 05, für die Publikumswahl nominiert worden.
SCN-Pressesprecher Lars Ananias: „Wir haben über unsere verschiedenen Sozial-Media-Kanäle unsere Mitglieder und Fans auf die Wahl aufmerksam gemacht. Die Reaktionen darauf waren „cool, aber gegen Mainz wird es schwierig“. Und Ananias fragt sich, wie wohl die Auswahl-Kriterien lauten. „Die anderen nominierten Teams waren alles Amateurmannschaften. Wie sollen diese gegen ein Profiteam bestehen können?“
Dass jetzt eine Delegation zur Ehrung eingeladen ist, lässt aber keine Rückschlüsse auf die Platzierung zu. Jacqué: „Vermutlich sind alle Nominierten eingeladen worden.“