Wasserball RHEINPFALZ Plus Artikel SC Neustadt: Generalprobe vor Pokal-Achtelfinale missglückt

Trotz Doppelbewachung kommt Timo van der Bosch (Mitte) zum Wurf. Neunmal überlistet er den Nürnberger Keeper Matthias Reichel (r
Trotz Doppelbewachung kommt Timo van der Bosch (Mitte) zum Wurf. Neunmal überlistet er den Nürnberger Keeper Matthias Reichel (rechts).

Eine Woche vor dem Pokal-Achtelfinale gegen Erstligist Plauen zeigt Zweitligist SC Neustadt eine schlechte Leistung im Meisterschaftsspiel gegen Nürnberg. Die Neustadter konzentrieren sich im Angriff zu sehr auf einen Spieler.

Nur auf dem Papier sieht der Heimsieg des Wasserball-Zweitligisten gegen Post SV Nürnberg mit 13:8 (4:2, 2:2, 2:3, 5:2) gut aus. Mit einer bislang schlechtesten Leistung der Saison untermauert der SCN seine Spitzenposition in der Liga, doch das Spiel darf durchaus als schlechte Generalprobe für das Pokal-Achtelfinale gelten. Am Samstag um 18 Uhr wartet nämlich mit dem SVV Plauen, Tabellenzweiter der Bundesliga-B-Gruppe, ein schwerer Brocken im Stadionbad auf die Neustadter. Und wenn der SCN so auftritt wie gegen Nürnberg, dann wird der Gast aus Ostdeutschland unverdaulich sein.

Im Spiel gegen die Franken hakte es nämlich im Angriff. Zwar fehlte mit dem erkrankten Xaver Schädler ein durchsetzungsfähiger Spieler im SCN-Team, den Treffsicherheit auszeichnet. Doch was den Rest der Mannschaft angeht, waren Abschlüsse von den Außenpositionen oder aus der zweiten Reihe Fehlanzeige. Das Angriffsspiel des SCN konzentrierte sich auf Timo van der Bosch, der trotz Doppeldeckung im Sturmzentrum immer wieder von seinen Mitspielern gesucht wurde. Dabei misslangen etliche Anspiele an den 30-jährigen ehemaligen Nationalspieler, so dass er sich zu Recht bei seinen Außenspielern beschwerte. Dass er letztlich mit acht Treffern die Franken quasi im Alleingang besiegte, ist einfach zu wenig.

Überzahl einmal genutzt

Nur einmal gelang es dem SCN bei neun Überzahlspielen, nach 20 Sekunden Zeitstrafe für die Gäste ein Tor gegen Nürnberg zu erzielen. „Ein Mann mehr“ im Wasserball bedeutet im Normalfall fast einen sicheren Treffer für die Angreifer. Doch den Neustadtern fehlte es an Mut und Kraft, um auch einmal überraschende Aktionen zu starten. Das Spiel war zu statisch, der Ball lief durch die Reihen in Überzahl, doch der Abschluss fehlte. Die SCN-Konter gingen regelmäßig ins Leere. Die Angreifer schwammen nicht konsequent nach vorne, so hatte sich die gegnerische Abwehr schnell formiert.

Timo van der Bosch nach dem Spiel: „Wir haben ein schlechtes Spiel gemacht. Dabei haben wir gegen Würzburg im Pokal und gegen Cannstatt doch gezeigt, dass wir anders spielen können. Es geht nicht, dass sich alles auf mich konzentriert. Ich erwarte mehr Eigeninitiative und mehr Spielwitz von den anderen.“ Immerhin steht van der Bosch jetzt mit 36 Toren an der Spitze der Torjägertabelle, Matthias Held folgt mit 21 Treffern auf Rang drei. Er verwandelte diesmal zwei Fünfmeter sicher. Außer van der Bosch waren die beiden Torhüter Joona Vagts und Hendrik Hummel in Normalform. Vagts bestritt nach rund zwei Monaten Pause wieder ein Spiel und hatte trotz Trainingsrückstands einige starke Momente. „Ja, ich denke, es lief wieder ganz gut“, war auch sein eigener Eindruck. Im letzten Viertel kam Hummel ins Gehäuse, um weitere Spielpraxis zu sammeln. Er parierte sogar einen Fünfmeter, musste dann allerdings doch den Ball aus dem Netz holen, weil der Nachschuss im Tor landete.

Anstrengende Pressdeckung

SCN-Kenner wie Peter Jacqué oder Lars Ananias bestätigten den Eindruck, dass es diesmal eine schlechte Leistung des SCN war. Trainer Thorsten Preuß wollte sein Team nicht zu sehr kritisieren. „Viele Spieler waren ermüdet, sie wollten oft ausgewechselt werden. Ich konnte daher auch nicht von ihnen verlangen, dass sie mehr in die gegnerische Angriffszone einschwimmen sollen. Ein Grund war auch die anstrengende Pressdeckung, also die enge Verteidigung der Nürnberger.“ So sah der Coach „ein Krampfspiel“. Aber er habe nie den Eindruck gehabt, dass die Partie verloren gehen könnte. Allerdings sei in der Tat das Spiel zu sehr auf Timo van der Bosch abgestimmt gewesen. Dazu seien einige schlechte Anspiele auf ihn gekommen, die Pässe seien zu hoch gespielt worden. Nach der Partie klagten sowohl Matthias Held als auch van der Bosch über leichte Beschwerden in den Oberschenkeln, die sie als Zerrungen bezeichneten.

Für Trainer Preuß müssten neben weiteren Schussübungen und taktischen Varianten in dieser Woche auch einige Streicheleinheiten für das Selbstbewusstsein auf dem Plan stehen. Ein konsequentes Nach-vorne-Schwimmen und der Mut zu überraschenden Aktionen und Schüssen sollte dabei betont werden. Wichtig wird im Hinblick auf das Pokalspiel auch sein, ob Xaver Schädler wieder an Bord ist und Held sowie van der Bosch ihrer Verletzungen auskurieren. Dann steht der Hoffnung auf einen spannenden Pokalknüller nichts im Wege – ganz nach dem Motte „nach einer misslungenen Generalprobe folgt eine gelungene Premiere“.

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