Wasserball RHEINPFALZ Plus Artikel SC Neustadt fegt Fulda aus dem Stadionbad

Maksim Bahchevanov vor dem Fuldaer Hamza Mohamed.
Maksim Bahchevanov vor dem Fuldaer Hamza Mohamed.

Brudertreffen im Stadionbad. Konstantin Wolgin im Tor von Fulda verhindert drei Fünfmetertore. Einmal scheitert Michail Wolgin. Der SC Neustadt ist haushoch überlegen.

Mit 21:3 (6:2, 2:0, 7:0, 6:1) fegte Wasserball-Zweitligist SC Neustadt am Samstag die Gäste aus Fulda aus dem Stadionbad. Doch das Ergebnis hätte noch wesentlich höher ausfallen müssen. Dank Fuldas Keeper Konstantin Wolgin, der drei Fünfmeter und weitere Chancen des SCN mit starken Reaktionen verhinderte, hielt sich die Schmach für die Hessen noch in Grenzen.

Wolgin? Da war doch was? Kenner des SC Neustadt horchen auf. Spielt nicht ein Wolgin beim SCN? Ja, Michail Wolgin, der 19-jährige Bruder des Torhüters aus Fulda, spielt seit dieser Saison in Neustadt. Bereits vorher war Michail Wolgin im Junioren-Team des SCN im Einsatz.

Trainer überlässt Spieler Entscheidung

Michail kennt natürlich die Mannschaft aus Fulda und seinen Bruder, wenn er zu Hause ist, trainiert er dort mit. Trainer Thorsten Preuß ließ dem Jüngeren der beiden die Option offen, ob er gegen seinen Bruder im gegnerischen Tor antreten möchte. Preuß: „Ich wollte Michail keinen Druck machen.“ Michail erklärte nach der Partie: „Ich habe ja nicht direkt gegen meinen Bruder gespielt, sondern einfach gegen eine andere Mannschaft.“

Nun, Michail, der normalerweise ein Garant für viele Treffer ist, kam diesmal nicht so richtig vors gegnerische Tor. Erst, als der SCN einen Strafwurf zugesprochen bekam, trat er an. Und traf gegen seinen Bruder zum 14:2. Doch einen weiteren Fünfmeter konnte Michail nicht an seinem Bruder vorbei bringen. „Irgendwie habe ich nicht so entschieden und konzentriert geschossen, der Spielstand war irgendwie schon zu deutlich, da stand es schon 15:2“, verriet der 19-Jährige. Konstantin, sein 21-jähriger Bruder, ist ein wortkarger Held. Er sei zufrieden mit sich, versuche immer sein Bestes zu geben, ließ er sich entlocken.

Zäher Beginn

Doch jetzt ein Blick auf den SCN. Die Offensivleistung, vor allem in der ersten Spielhälfte, war nicht nur wegen des starken Keepers von Fulda mager. Es fehlte an Konzentration, Schnelligkeit und genauen Abschlüssen. So vergab Kapitän Held die erste Chance per Fünfmeter, bevor er sein Team dann doch eine Minute später in Führung brachte. Stark dagegen war die Verteidigung des SCN. Nach dem 2:2-Ausgleich der Hessen ließ der SCN 25 Minuten lang keinen Treffer mehr zu. SCN-Torwart Kristof Meszaros war mehrmals zur Stelle, viele Schüsse wurden auch von der Abwehr geblockt. Der zweite Tormann des SCN, Joona Vagts, pausierte, weil er am Sonntag für das Spiel der zweiten Mannschaft in der Regionalliga gebraucht wurde.

24. Saisontor von Timo van der Bosch

Glänzend aufgelegt war Ex-Nationalspieler Timo van der Bosch. Er zog oft in die Mitte, wurde perfekt von den Außenspielern bedient und erzielte neun Tore, darunter einige sehenswerte Direktannahmen, die er mit der Hand ins Gehäuse drückte. Er schraubte seine Torbilanz auf 24 Treffer in fünf Spielen und steht an der Spitze der Torjägertabelle, gefolgt von Artur Kamlov mit 20 Toren. Matthias Held und Michail Wolgin lauern auf Rang fünf mit 13 Treffern.

Wegen der deutlichen Überlegenheit bot Preuß auch den Bankspielern viel Einsatzzeit. Das ging zwar teilweise zu Lasten des Spielflusses, dennoch fielen auch dann noch Treffer für den SCN. Preuß tat alles vom Beckenrand aus, um das Spiel schneller zu machen. Immer wieder rief er „Ab, ab, passen, schwimm weiter.“ Denn sein Team war beim Umschalten von Abwehr in Angriff noch zu verschlafen. Das würde sich gegen stärkere Gegner, die man sich ja bei einem Aufstieg in die Bundesliga auch erträumt, entscheidend rächen.

Spiel nach vorn kann noch besser werden

Es fehlt dem Team noch an der Bereitschaft, beim Konter sich als Anspielstation anzubieten und noch mit mehr Energie nach vorne zu ziehen. Preuß: „Ich habe natürlich vom Beckenrand den Überblick. Ich wünsche mir, dass sie dahin gehen, wo es weh tut. Ich habe ja eine gute Bank und kann auswechseln.“ Doch gerade weil die Abwehr und Keeper Meszaros oft den Ball erobern, muss der SCN beim Spiel nach vorne konsequenter, energischer und schneller sein. Sonst werden auch die nächsten Spiele gegen die stärkeren Zweitliga-Gegner wie Weiden, Nürnberg und Vorwärts Ludwigshafen zu einem Lotteriespiel um die Tabellenführung.

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