Neustadt Sanfter Umgang mit dem Grün

Das Gelände am Sportplatz wurde behutsam auf Vordermann gebracht.
Das Gelände am Sportplatz wurde behutsam auf Vordermann gebracht.

Sie wolle einmal etwas Positives melden, sagt Edith Hengge-Dörr aus Deidesheim. So viel sei zuletzt geschrieben worden über Rodungen und Pflegeaktionen, die weit übers Ziel hinausgingen. In Deidesheim seien beim Ausputzen des Geländes um den Sportplatz dagegen alle Beteiligten sehr behutsam vorgegangen. Und sie seien gesprächsbereit gewesen. Ein Baum, an dem die Erzieherin sehr hängt, durfte sogar seine komplette Krone behalten. „Man liest ja immer nur, wenn bei solchen Aktionen etwas nicht klappt. Wenn mal wieder zu viel abgeholzt wurde oder ein ungeplanter Kahlschlag erfolgt ist“, sagt Edith Hengge-Dörr. Deshalb freue sie sich umso mehr, wie in ihrem Fall vorgegangen wurde. Von ihrem Garten aus blickt sie auf den Sportplatz. „Da wurde vor Kurzem gesäubert, wurden Hecken entfernt, Bäume gefällt und gestutzt. Da wurde tagelang mit schweren Maschinen gearbeitet“, sagt sie. Auch die Bäume auf dem Grünstreifen, der zwischen ihrem Garten und dem Sportplatz liegt, habe bearbeitet werden sollen. Sie und ihr Mann hätten ihn von der Stadt gepachtet. Bei der letzten Reinigungsaktion, die schon einige Jahre zurückliegt, sei auch eine ganz alte Kopfweide radikal gestutzt worden, erinnert sie sich. Der Bussard, der darin gebrütet habe, sei daraufhin auf einen Baum im angrenzenden Naturschutzgebiet umgezogen. Auch die Holztauben, die darin ihr Nest gehabt hätten, hätten sich eine neue Heimat gesucht. Nun sollte wieder ein alter Baum gestutzt werden – wieder eine Kopfweide, an deren hohem Wuchs Hengge-Dörr sehr gelegen ist, weil sie auch Schatten spende. Es sei vorgesehen gewesen, den Baum auf eine Höhe von vier bis fünf Metern einzukürzen: „Die sogenannte Erntemaschine stand schon startklar.“ Mit dem großen Gerät aber konnten die damit Beauftragten wegen des problematischen Geländes nicht an die Krone kommen. Deshalb hätten sie überlegt, den Baum in Brusthöhe ganz abzuschneiden. Da sei vor Schreck ihr Blutdruck gestiegen, so die Erzieherin. Doch sie habe sich ein Herz gefasst und mit den Mitarbeitern der beauftragten Firma gesprochen. Auch der Feldschütz und der Stadtgärtner seien dabei gewesen. Ebenso habe sie bei der Stadt angerufen. Der Baum sei noch einmal gründlich begutachtet worden, dann habe sie die Bestätigung erhalten: „Er ist gesund.“ Und er durfte so stehen bleiben, wie er ist. Zumindest fast, denn unten wurde er gründlich ausgeputzt. Das Totholz blieb auf ihren Wunsch vor Ort, um Insekten und anderen kleinen Tieren als Unterschlupf zu dienen. Hengge-Dörr ist froh, wenn sie über das Stück Land sieht. Unter dem großen Baum weiden ihre zwölf Schafe: Skudden, Heidschnucken und Ouessants, französische Zwergschafe. Sie liefern nicht nur den Menschen Wolle, sondern auch den Vögeln Nistmaterial. In einem der gefällten Bäume hat Hengge-Dörr ein älteres Vogelnest gefunden. Zu welchem Vogel es gehört haben mag, kann sie nicht sagen. Für Kohlmeisen und das Rotkehlchen, die in ihrem Garten heimisch seien, sei es eindeutig zu groß. Vom Umfang her entspreche es eher einem kleineren Dessertteller. Auf jeden Fall sei es ein wunderbares Beispiel für die Kooperation in der Natur. „Ein ganz gescheites Vögelchen“, freut sie sich, habe sich für sein Nest unter anderem an Schafwolle und den Haaren ihrer beiden Border Collies bedient. Was auffällt: Es hat nur die dunklen Tierhaare herausgepickt. Was die Landschaftspflege rund um den Sportplatz angeht: Auch da könnte Hengge-Dörr sich eine Kooperation vorstellen. Dem Sportverein habe sie schon angeboten, ihre Schafe zur Rodung des Geländes einzusetzen.

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