Neustadt Rund ums Tabuwort

Stolzer Museumsdirektor: Frank Wieland.
Stolzer Museumsdirektor: Frank Wieland.

«Bad Dürkheim.»Nein, peinlich sind Frank Wieland, dem Direktor des Pfalzmuseums für Naturkunde, Titel und Thema seiner neuen Sonderausstellung nicht. Auch wenn „Alles Scheiße“ ebenso derb wie anrüchig klingt, beschreibt der Zoologe die Hintergründe der Schau mit der für einen Naturwissenschaftler charakteristischen Unaufgeregtheit: „Wir wissen schon, dass es ein Tabuwort ist. Andererseits ist es auch ein Thema, das uns tagtäglich beschäftigt, auch wenn es vielen Leuten nicht bewusst ist.“ Auf die Idee hat die Macher eine Besucherin des Geoskop-Umweltmuseums auf der Burg Lichtenberg bei Kusel gebracht, einer Außenstelle des Naturkundemuseums. Die Frau habe sich nämlich daran gestoßen, dass auf einer Steinplatte außer Haien und Fischen auch der versteinerte Kot der Tiere zu sehen gewesen sei, erzählt Wieland. Dabei lieferten die Ausscheidungen längst gestorbener Tiere den Paläontologen wichtige Hinweise auf deren Lebenswelt vor Millionen von Jahren. Das veranschaulichen Wieland und Museumspädagogin Birte Schönborn ausgerechnet am Beispiel von versteinertem Fischkot, der in der Grube Messel bei Darmstadt entdeckt worden und in der Ausstellung zu sehen ist: In diesem fanden die Forscher die Mundwerkzeuge von Büschelmücken – bis dahin war noch gar nicht bekannt, dass die Insekten vor 47 Millionen in dieser Region gelebt hatten. Es sind Geschichten wie diese, die die Macher dazu bewogen haben, dem Thema Kot eine ganze Ausstellung zu widmen. „Wir hätten auch locker eine Fläche von 1000 Quadratmeter mit dem Thema füllen können, leider haben wir aber nur 220 zur Verfügung“, erzählt Wieland. Etwa 50.000 Euro hat die Schau gekostet, schätzt die Museumspädagogin Schönborn. Die entscheidende Phase der Vorbereitung habe etwa ein halbes Jahr gedauert. Jetzt verkündete Museumsdirektor Wieland: „Bis auf das Putzen der Fensterscheiben sind wir fertig.“ Empfangen wird der Besucher mit den Themenkomplexen Verdauung und Verdauungssysteme beim Menschen und bei verschiedenen Tierarten. „Viele Leute denken, dass Kot der Teil unserer Nahrung ist, den wir nicht verdauen. Aber das stimmt nicht“, sagt Schönborn. Er bestehe vielmehr zu 75 Prozent aus Wasser. Der Rest entfalle zu gleichen Anteilen auf Ballaststoffe, Darmwandzellen und Mikroorganismen. Mithilfe unterschiedlich langer Seile können die Besucher der Ausstellung etwa die Darmlänge von Wolf und Schäferhund vergleichen. Ergebnis: Der Darm eines Wolfs ist länger als der seines domestizierten Verwandten. Forscher führen das auf die unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten der beiden zurück. Bei Katzen sei es allerdings genau umgekehrt, berichtet Schönborn: Der Verdauungstrakt der Haus- ist länger als der der Wildkatze. Überhaupt liegt das Spannende der Schau im Detail: Der Besucher kann einen Blick auf die Magensteine von Hühnern werfen, die die Tiere eigens aufpicken, um die Verdauung zu fördern. In den beiden Themenblöcken zur Nutzung von Kot durch Pflanze, Tier und Mensch erfährt der Besucher auch skurrile Fakten: etwa, dass einer der teuersten Kaffees der Welt, der Katzenkaffee, aus den Ausscheidungen indonesischer Schleichkatzen gemacht wird. Oder dass Störche im Sommer ihre Beine mit ihrem Kot nicht nur vor der Sonnenstrahlen schützen, sondern diese auch kühlen. Auch in Medizin und Forschung spielt die Analyse der Exkremente eine Rolle. Etwa wenn es darum geht, Krankheiten zu diagnostizieren oder die Population scheuer Tierarten wie Wolf oder Luchs zu erfassen. Öffnungszeiten —Die Schau ist bis 23. Juni 2019 zu den Öffnungszeiten des Pfalzmuseums zu sehen.

Aus Elefantenkot werden viele verschiedene Produkte aus Papier hergestellt – wie dieser Mini-Dickhäuter aus Sri Lanka.
Aus Elefantenkot werden viele verschiedene Produkte aus Papier hergestellt – wie dieser Mini-Dickhäuter aus Sri Lanka.
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