Neustadt „Riecht er nach Essig, ist er leider hinüber“
Die Filmbörse „Cinematrophica“, die das „3F Deutsches Museum für Foto-, Film- und Fernsehtechnik“ in diesem Jahr in der Stadthalle ausgerichtet hat, erwies sich als Volltreffer. Unzählige Filmchronisten aus dem gesamten Bundesgebiet waren erneut nach Deidesheim gekommen, um in die einstige Technik des analogen Filmes einzutauchen. Da war Filmgeschichte spürbar.
Händler wie Privatleute boten Filme aller Formate an, aber auch Kameras, Projektoren und unzählige „Kino-Memorabilias“. Auffällig war, dass die Männer weitestgehend unter sich blieben. Es wurden kaum weibliche Film- und Kinofans gesichtet. Für Guido Zadel, der aus der Nähe von Köln mit seinem kleinen Rucksack und seiner Sammlerliste gekommen war, ist Deidesheim stets ein Pflichttermin: „Es gibt leider nicht mehr so viele Filmbörsen“, erklärte der Rheinländer. Der 58-Jährige war auf der Suche nach alten Super-8-Filmen aus den 70er und 80er Jahren. Immer wieder nahm er Hüllen in der Hand, schaute nach, ob sich darin Originale befanden, die sich auch noch in einem guten Zustand präsentierten. Die Palette war breitgefächert. Dem Filmliebhaber, der seine Filme regelmäßig mit dem Projektor auf die Leinwand bannt, fiel beispielsweise „Amityville Horror“ von 1979 in die Hände. Ein Streifen um eins der bekanntesten Spukhäuser der Welt. Für 149 D-Mark wurde damals der Film im Handel vertrieben. „Da kann es passieren, dass Sammler manchmal mehr zahlen, als damals für den Film verlangt wurde“, erklärte der Filmchronist. Dann öffnete er die Hülle und zog den Film ein Stück von der Spule – zunächst ganz nah an der Nase: „Wenn man einen Essigstich auf der Spule riecht, dann ist der Film bereits beschädigt.“ Es ist der Albtraum jedes Super-8-Fans: Wenn beim Öffnen seiner Filmdose leichter Essig-Geruch entgegen strömt, schrillen die Alarmglocken. Der Grund: Viele ältere Aufnahmen wurden auf Acetatstreifen gebannt. Durch hohe Temperaturen oder Feuchtigkeit kommt es bei diesen Filmen zu chemischen Reaktionen: Die Acetylgruppen lösen sich von der Zellulosekette und reagieren mit dem Wasser zu Essigsäure. Das Filmmaterial schrumpelt bei diesem Vorgang zusammen – um bis zu zehn Prozent. Es wird spröde und beginnt nach Essig zu riechen. „Doch dieser Film ist einwandfrei“, sagte Zadel erleichtert und schaute sich den Streifen mit dem bloßen Auge genauer an. Hat der Film einen Farbstich? Bereits 3000 Filme nennt er sein Eigentrum. Er ist weiterhin auf der Suche. „Andere hören heute noch Schallplatten“, sagte Zadel. Es erinnert ihn auch an seine Jugend; an die Zeit, als Video und DVD noch kein Thema waren. Drei Filme hat er an diesem Morgen im dichten Gedränge erworben. „Deidesheim ist ein wichtiger Termin. Hier kann man noch vieles aus den früheren Jahren aufstöbern“, meinte Stephan Ulzhöfer. Der 62-Jährige aus Neuwied diskutierte mit einigen Kollegen am Stand von Udo Uhrig über alte Projektoren. „Das ist eine Technik, die wir nirgendwo sonst finden werden“, sagte Ulzhöfer voller Nostalgie. Für ihn war die „Cinematrophica“-Börse eine Reise in die Vergangenheit. „Das ist wie mit Schallplatten und Musikkassetten“, ergänzte Reiner Hörner (65). Die meisten waren auf der Suche nach Filmen. „Die Braut des Satans“ mit Nastassja Kinski in der Hauptrolle bot ein Händler für 30 Euro an. Aber auch unvergessene Titel wie „Freibeuter der Meere“ mit Terence Hill und Bud Spencer, „Eis am Stiel“ und „Ewig junger Valentin“ waren auf der bestens besuchten Deidesheimer Börse zu finden. Auch für Guido Zadel hat sich der weite Weg wieder einmal gelohnt. Er konnte seine Sammlung tatsächlich um einige weitere Super-8-Filme erweitern.