Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Rettung aus der Luft: Feuerwehr setzt auf Hightech-Drohne

Trainieren mit der neuen Feuerwehrdrohne den Ernstfall (von links): die Piloten Timo Krämer, Dirk Eckel und Felipe Rößler mit de
Trainieren mit der neuen Feuerwehrdrohne den Ernstfall (von links): die Piloten Timo Krämer, Dirk Eckel und Felipe Rößler mit dem stellvertretenden Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Ralf Stuhlberg.

Bei Suchaktionen, Waldbränden oder Unfällen kommt in Neustadt nun auch Hilfe von oben: Die Feuerwehr setzt seit einiger Zeit eine eigene Drohne ein. Was kann die Technik?

Ein kurzer Piepton gibt das Signal: Die Drohne, die auf der rot-gelben Landematte im Hof der Hauptfeuerwache steht, erwacht zum Leben. Die Propeller zucken kurz und laufen dann mit einem kräftigen, vibrierenden Summen an. Keine Sekunde später löst sich das über sechs Kilo schwere Fluggerät vom Boden, steigt schnell auf und bleibt stabil in 20, 30 Metern Höhe in der Luft stehen.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Seit letztem Sommer ist die Facheinheit Information und Kommunikation (IuK) der Neustadter Feuerwehr im Besitz einer Drohne des Typs DJI Matrice 350 RTK. Ohne Propeller ist sie 81 Zentimeter lang, 67 Zentimeter breit und 43 Zentimeter hoch. Wetterfest hält sie Temperaturen zwischen minus 20 und plus 50 Grad Celsius aus. Mit zwei Akkus, die sich im Betrieb wechseln lassen, ohne die Drohne auszuschalten (Hot-Swap), kann sie je nach Nutzlast 30 bis 55 Minuten am Stück fliegen. Geht ihr der Saft aus, stürzt sie nicht etwa ab, sondern kehrt selbstständig zum Startpunkt zurück.

Piloten fliegen im Team

Ohne spezielle Genehmigung darf die Drohne maximal 120 Meter hoch und nur in direkter Sichtweite geflogen werden. Übungen finden normalerweise nicht über bewohntem Gebiet statt, sondern außerhalb im Industriegebiet oder in der Flur. „Es gab Anwohner, die sich beschwert haben, als wir die Drohne von der Wache aus gestartet haben“, erklärt Ralf Stuhlberg. Die kurze Demonstration der Technik für die RHEINPFALZ hat der stellvertretende Brand- und Katastrophenschutzinspekteur (BKI) vorab mit der Polizei abgeklärt. „Den Flugplatz in Lachen-Speyerdorf informieren wir ebenfalls, bevor wir losfliegen.“

Vor dem Start montieren Felipe Rößler (rechts) und Dirk Eckel Kamera und Scheinwerfer an der Drohne.
Vor dem Start montieren Felipe Rößler (rechts) und Dirk Eckel Kamera und Scheinwerfer an der Drohne.

Derzeit gibt es sechs Wehrleute, die mit der Feuerwehr-Drohne für den Ernstfall trainieren. Alle sind zuvor schon Hobby-Drohnen geflogen. „Das ist aber nur bedingt vergleichbar“, betont Pilot Felipe Rößler. „Das System ist komplexer, es gibt mehr Funktionen, und die Fernsteuerung ist deutlich sensibler.“ Die Drohnenpiloten sind immer zu zweit im Einsatz: Einer fliegt, der andere steuert die Kamera und gibt Anweisungen. „Die Drohne kann Gebiete automatisiert oder nach geplanten Routen abfliegen und erfasst dabei Koordinaten“, erklärt Rößler, und sein Copilot Dirk Eckel ergänzt: „Die Handhabung der Kamera ist das eine, die Interpretation der Bilder, also ob im Wärmebild zum Beispiel eine Person oder ein Tier abgebildet wird, das andere.“

Bis auf Zentimeter genau

Die Fernsteuerungen mit Touchscreens erlauben viele unterschiedliche Einstellungen und Ansichten. „Die Bilder können außerdem fast live in den Einsatzleitwagen übertragen werden“, erklärt Stuhlberg. Die hochauflösende Kamera, die beweglich an der Unterseite montiert wird, ist Hightech: mit 400-fachem optischem Zoom, einer Wärmebildkamera mit Infrarot und Nachtsicht. Dank Real-Time Kinematic (RTK) kann die Drohne bis auf Zentimeter genau fliegen oder ihre Position halten – ideal für Vermessungen, etwa von Waldbränden oder Unfallstellen. Zudem können über Laserscan (LiDAR) sehr genaue 3D-Karten erstellt oder Entfernungen gemessen werden.

Das, was die Drohnenpiloten auf dem Bildschirm ihrer Fernsteuerung sehen, kann beinahe live in den Einsatzleitwagen der Feuerweh
Das, was die Drohnenpiloten auf dem Bildschirm ihrer Fernsteuerung sehen, kann beinahe live in den Einsatzleitwagen der Feuerwehr übertragen werden.

Die Drohne ist in allen Richtungen mit Hindernissensoren ausgestattet und erreicht Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 23 Metern pro Sekunde. Dabei stabilisiert sie sich bei Windstößen selbst bis zu einer Windstärke von zwölf Metern pro Sekunde. „Mit den LED-Scheinwerfern können wir zum Beispiel gefundene Personen optisch von oben markieren oder eine Unfallstelle ausleuchten“, erklärt Timo Krämer.

„Kein Spielzeug“

30.000 Euro hat die Drohne inklusive Zubehör gekostet – eine Investition, die sich bereits ausgezahlt habe, sagt Stuhlberg. So wurde die neue Technik bereits bei einer Personensuche eingesetzt. „Dafür mussten wir in der Vergangenheit externe Einheiten verständigen, jetzt können wir eigenständig und kostengünstiger agieren.“ Auch zum Ausleuchten und als Unterstützung bei der Dokumentation nach Unfällen war die Drohne schon im Einsatz: bei einem schweren Unfall auf der L516 zwischen Mußbach und Deidesheim, nach einem missglückten Überholmanöver auf der B39 und bei einem tödlichen Unfall auf der A65.

Der stellvertretende Feuerwehrchef betont: „Die Drohne ist ein wertvolles Werkzeug für die Feuerwehr, kein Spielzeug.“

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