St. Martin RHEINPFALZ Plus Artikel Renommierte Klassikband schlägt in der Südpfalz Wurzeln

Das rockige Klassik-Quintett „Spark“ hat sein inoffizielles Hauptquartier in St. Martin, seit Pianist Christian Fritz sich hier
Das rockige Klassik-Quintett »Spark« hat sein inoffizielles Hauptquartier in St. Martin, seit Pianist Christian Fritz sich hier niedergelassen hat.

Mit gleich mehreren Kompositionen bedenkt die prominente Klassik-Band „Spark“ die Chor-Ensembles der „Jungen Kantorei“ an der St. Martiner Pfarrkirche: Nächsten Sonntag kommen sie zur Uraufführung. Und die außergewöhnliche Kooperation bedeutet für eines der fünf „Spark“-Mitglieder sogar eine Art „Familienzusammenführung“.

„Spark“ heißt auf Englisch „Funke“. Und der zündet, wo immer das Ensemble, das sich im Untertitel schlicht „die klassische Band“ nennt, die Bühne rockt: bei Festivals und Konzerten in den einschlägig hochklassigen Konzertarenen. Und demnächst auch in der katholischen Kirche von St. Martin. Davon gleich mehr.

Denn das Kammermusikensemble, das sich auf kreatives Crossover zwischen Klassik, Minimal Music, Avantgarde, Film- und Popularmusik spezialisiert hat, wird nicht allein mal eben so auf einen kurzen Sprung vorbeischauen in der Südpfalz-Gemeinde, sondern hat dort seit einem Jahr sozusagen sein Hauptquartier aufgeschlagen. Und das kam so: Im hermetischen ersten Pandemiejahr 2020 war’s, da suchte das rockige Klassik-Quintett, das 2007 von den Blockflötisten Andrea Ritter und Daniel Koschitzki gegründet worden war, die sich seit ihrem gemeinsamen Studium in Karlsruhe kannten, einen geeigneten Probenraum zur Vorbereitung für eine CD-Produktion. „Irgendwo im Rhein-Neckar-Gebiet“ lautete die Vorgabe. „Das sprach sich einfach ein bisschen rum in der Chorszene“, erinnert sich Ute Hormuth, die Leiterin der „Jungen Kantorei“ aus St. Martin. Und sie offerierte den suchenden Musikern umgehend das örtliche Gemeindehaus. So machte man sich bekannt. Und Christian Fritz, seit 2018 der Pianist bei „Spark“, revanchierte sich prompt, indem er während der Corona-Phase die Online-Gottesdienste musikalisch begleitete. So sei man ins Gespräch gekommen, die Chemie stimmte auf Anhieb.

Die Großeltern wohnen immer noch in Neustadt Ohnehin liebäugelte Fritz da bereits mit einer Übersiedelung in die Pfalz. Denn die familiären Wurzel des Künstlers liegen in der Region, und er schwärmt im Gespräch begeistert von seinem neuen Logis in St. Martin, das mittlerweile zum dauernden Probendomizil der Gruppe avanciert ist, verkehrstechnisch günstig auch für die in Karlsruhe lebenden Mitglieder des Ensembles. „Ich kannte das herrliche Rebland zu Füßen des Haardtgebirges ja aus Kindertagen, den Ferienzeiten bei den Großeltern, die bis heute in Neustadt wohnen“, erzählt Christian Fritz. Mittlerweile seien sogar auch seine Eltern wieder von Köln in die Pfalz gezogen. „Wir haben hier quasi Familienzusammenführung gefeiert.“ Sein Wohnzimmer sei ein fantastischer Probenraum, und die Hektik des bisherigen Umfelds in Frankfurt vermisse er kein bisschen.

Seit 15 Jahren ist das fünfköpfige Ensemble mit seinem ungewöhnlichen Konzept unterwegs – die Besetzung heute besteht aus Andrea Ritter (Blockflöte), Daniel Koschitzki (Blockflöte, Melodica), Stefan Balazsovics, Violine/Viola), Victor Plumettaz (Violoncello) und Christian Fritz (Klavier). „Wir haben alle ein klassisches Instrumentalstudium absolviert, wollten aber einfach nicht auf das Segment der Alten Musik festgelegt werden“, erklärt Andrea Ritter. „Das Alte, Vertraute, den wunderbaren Schatz der reichen musikalischen Tradition in unsere aktuelle Lebenswirklichkeit zu holen, etwas anzubieten jenseits des gängigen Umgangs mit Klassik, aber auch nicht im Stil der oft hermetischen Neuen Musik, wie sie etwa in Donaueschingen oder beim Eklat-Festival in Stuttgart dominiert, das war der Ausgangsimpuls“, ergänzt Christoph Fritz, der zwar erst vor fünf Jahren angedockt hat, aber jetzt auch organisatorisch die Fäden in der Hand hält. „Wir verfolgen eine Ästhetik, die die alten Schätze pflegt, sie im besten Sinne mit kammermusikalischem Gespür behandelt, sie aber gleichzeitig mit dem Zugriff einer Rockband oder dem Sound einer guten Filmmusik in die Gehörgänge der jungen Generation befördert.“

Der Karriere-Start

war zunächst schwierigDer Start fiel zunächst aber nicht so aus, als habe alle Welt darauf gewartet. Da mussten zu Beginn für die Startup-CD „vielleicht 50 Labels“ angeschrieben werden: nichts als Absagen. Als dann doch eine Firma anfragte, schaffte „Spark“ auf Anhieb den Durchbruch: Gleich der Erstling von 2011 wurde mit einem Echo-Klassik ausgezeichnet. Von da an gaben sich Konzertveranstalter wie beauftragende Komponisten die Klinke in die Hand. Heute ist das Ensemble mit fünf bis zehn Konzerten pro Monat weltweit unterwegs, spielt solo oder in Kooperation mit renommierten Orchestern auf allen einschlägigen Podien, Auftragswerke ebenso wie Eigenproduktionen.

Und irgendwann wagte Uta Hormuth den Vorstoß und fragte einfach mal vorsichtig wegen einer Kooperation mit ihren Ensembles an. Nicht zum ersten Mal bindet ja die rührige Kirchenmusikerin aus der touristisch so gefragten Weinbaugemeinde erfolgreich professionelle Kräfte von außen in die Arbeit mit ihren Chor-Ensembles ein. Und schafft so einen Kreativraum, der sowohl Laienakteure wie Bühnenstars in fruchtbaren musikalischen Dialog bringt. Am kommenden Sonntag beim Konzert in der katholischen Pfarrkirche von St. Martin wird es gleich mehrere Uraufführungen geben, werden Kinder-, Jugend- und Ad-hoc-Chöre gemeinsam mit „Spark“ Musik zwischen Tradition und Trends präsentieren. „Mir war schon klar, in welche Liga ich da vorpreschte“, sagt Hormuth

Gleichwohl: „Spark“ zierte sich nicht lange. So entstand das Projekt „Lebenslinien“, bei dem Hormuths Ensembles mit jeweils eigenen und allein ihnen zugeeigneten Schöpfungen bedacht sind. Text und Melodie eines Hymnus von Hildegard von Bingen bilden die Basis, auf der sich weitere Poeme von Dichterinnen – Ingeborg Bachmann und Ricarda Huch beispielsweise – entfalten und musikalisch gestaltet werden. Aufgeführt werden zudem zwei Stücke aus der Feder von Victor Plumettaz, dem Cellisten des Quintetts, der ebenfalls von Anfang an mit dabei ist: eine Vocalise für vierstimmigen Chor sowie sein Arrangement einer Komposition des Liedermachers Sebastian Krämer für Kinderchor. Und dazwischen gibt es explosive Soloeinlagen von „Spark“. „Kein leichter Notentext für unsere Ensembles“, wie Ute Hormuth einräumt. Und speziell im Jugendchor habe Skepsis geherrscht zu Beginn. „Aber dann kam Christian zur Probe, setzte sich an den Flügel und fabulierte. Und plötzlich ,sparkelte’ es, die Jugendlichen waren wie entflammt.“

Das Ensemble

geht auch in die SchuleDas Projekt „Lebenslinien“ erschöpft sich übrigens nicht in dem Konzert am Sonntag – unstreitig jedoch der Höhepunkt –, denn das Profi-Quintett bringt sich mit Freude auch musikpädagogisch in die Nachwuchspflege ein. Bereits am Freitag bietet „Spark“ im Anschluss an das beliebte Pausenkonzert im Gymnasium Edenkoben eine Arbeitseinheit mit den sechsten Klassen. Auf die Ensembles von Ute Hormuth wartet dann am Samstag ein ganztägiger Workshop mit den Musikern – und natürlich die Generalprobe für den großen Sonntag der Uraufführungen.

Termin

Das „Lebenslinien“-Konzert mit „Spark“ und den Chören der „Jungen Kantorei“ findet am Sonntag, 26. März, um 18 Uhr in der katholischen Pfarrkirche in St. Martin statt. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos unter www.junge-kantorei-stmartin.de.

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