Neustadt
Reisefilmer Benedict Durchholz kommt ins Neustadter Roxy-Kino
Frisch gebackene Familien sind meist ziemlich häuslich. Eine extreme Ausnahme bildet Familie Durchholz, die seit vier Jahren ein Globetrotter-Dasein führt, das sie schon durch drei Kontinente führte. Daraus ist ein Blog entstanden und jetzt auch ein Kinofilm mit dem Titel „Zwei Familien auf Weltreise“. Am 11. Mai stellt Benedict Durchholz ihn im Neustadter Roxy-Kino vor.
Neustadt. Benedict und Sandhya Durchholz verwirklichten 2015 seinen ungewöhnlichen Lebenstraum: Er kündete seinen Job als Investmentbanker in Frankfurt, Sie ihre Stelle als Stewardess. Ihre erster Sohne Liam war sechs Monate, als das Paar sein ganzes Hab und Gut verkaufte und seine Weltreise mit zwei Rucksäcken begann. „Für uns war klar, dass wir das klassische Bild vom Nine-to-Five-Job, Kind, Haus und Garten nicht leben wollen“, berichtet der heute 31-Jährige im Telefongespräch mit der RHEINPFALZ. „Was wir ziemlich schnell feststellten: dass unsere Reise nicht nur eine in die große weite Welt, sondern auch eine Reise zu uns selbst ist.“
Asien, Europa und Afrika hat die Familie schon abgegrast
Asien, Europa, Afrika - durch drei Kontinente führte der Weg der Familie bisher. Der dokumentarische Reisefilm, der daraus entstand, zeigt unberührte Landschaften und pures Familienglück wie aus einem Reiseprospekt. Krankheiten, Geldmangel, Stress – wo die Schattenseiten ihres Nomadendaseins sind, fragen wir Durchholz. „Am Anfang war alles cool und positiv“, erinnert er sich. Nach einem Jahr waren die angesparten 20.000 Euro allerdings verbraucht, und Sandhya wurde wieder schwanger mit Mael, der vor zwei Jahren auf Teneriffa bei einer Hausgeburt zur Welt kommen sollte. „Wenn man so frei ist, dass man jederzeit neu entscheiden kann, was man tut – das ist die größte Freiheit, es kann aber auch schwer sein“, meint er.
Der Blog artete irgendwann zum Stress aus
Das Paar hat daraufhin eine neue virtuelle Einkommensquelle erschlossen: Videoberichte in sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram und Youtube. „Life with Sandy and Benni“ heißt ihr Blog. Die tagsüber gefilmten Erlebnisse wurden zu Reiseclips. „Daran haben wir teilweise bis fünf Uhr in der Nacht gearbeitet.“ Von dem Hamsterrad der äußeren Zwänge in Deutschland war das Paar in eine neue Falle geraten: Der Job als Online-Reiseblogger fraß die Beziehungszeit immer mehr auf, aus Spaß wurde Stress. „Da habe wir feststellen müssen, dass wir diesen Job runterfahren müssen. Nach und nach haben wir gelernt, nur so viel zu arbeiten, wie es uns gut tut.“ Gesundheitlich hatte die Familie Glück. Bei ihrem Leben auf Achse, ganz ohne Krankenversicherung, gab es laut dem Familienvater nur kleinere Verdauungsprobleme.
Auf Bali lernten die Buchholzens eine andere Aussteigerfamilie kennen
Auf Bali lernten die Buchholzens 2016 eine andere Aussteigerfamilie kennen – die Norweger Thor und Maria Braarvig und ihre vier Kinder, die mittlerweile wieder sesshaft geworden sind. „Thor hat uns gefragt, ob wir nicht zusammen einen Kinofilm machen wollen“, sagt Benedict. Filmmaterial war genug vorhanden, und so suchten die beiden Familien für ihr Low-Budget-Projekt nach Geldgebern. Sie starteten 2017 eine Crowdfundig-Kampagne. Innerhalb von wenigen Monaten war das Startkapital zusammen – 25.000 Euro von über 1000 Menschen aus dem deutschsprachigen Raum. Das Interesse war da: Allein Benedict und Sandhya hatten damals 20.000 Follower, die ihren Blogs folgten, aktuell sind es laut Aussage des Ex-Bankers rund 60.000.
„Wir wussten überhaupt nicht, ob wir das hinkriegen“
„Wir wussten überhaupt nicht, ob wir das hinkriegen, als Filmemacher hatte keiner von uns Erfahrung“, erinnert sich Benedict Durchholz an das halbe Jahr, in dem der Film entstand - komplett in Eigenregie, vom Drehbuch über den Zusammenschnitt bis hin zum 90 Minuten langen Kinofilm. „Wovon der Film lebt, ist seine Authentizität. Dadurch, dass wir ihn nicht geplant haben, kommt das Dokumentarische und Lebendige gut an.“ Seit April touren beide Familien durch Deutschland und berichten dem Kinopublikum von ihren Reisen und der Entstehung ihres Films. „Wir haben bisher gute Kritiken bekommen, auch von Filmemachern, die das studiert haben. Ein Kinobetreiber hat gesagt, er habe schon schlechtere Produktionen von professionellen Filmproduzenten gesehen“, sagt Buchholz.
Das Paar hat schon neue Träume und neue Ziele
Vom Banker zum Blogger, und nun zum Regisseur – wohin geht nun die Reise von Benedict Buchholz als nächstes? „Sandhya und ich wollen weiter reisen, aber nicht mehr allein – sondern mit befreundeten Familien unterwegs sein und uns gegenseitig entlasten.“ Das Fernziel ist, wieder sesshaft zu werden, doch nur zeitweise und mit verschiedenen Wohnorten: Das Paar träumt von einer Community, mit Plätzen rund um den Globus, auf denen die Mitglieder autonom, nachhaltig und autark leben können. Über eine Online-Plattform könnten die Mitglieder ihre Wohnplätze tauschen – ähnlich dem Konzept des Haustauschs im Urlaub. Und auch beruflich ist die kreative Familie schon wieder unterwegs zu neuen Ufern: In den Kinderschuhen steckt das Konzept von Benedict und Sandhya Durchholz, sich als Lebensberater zu verwirklichen. Die ersten Coaching-Sitzungen haben die beiden schon abgehalten, zum Thema Selbstentwicklung via Skype.
Termin
Das Neustadter Roxy-Kino zeigt am Samstag, 11. Mai, um 19 Uhr den Dokumentarfilm „Zwei Familien auf Weltreise in Anwesenheit des Protagonisten Benedict Durchholz vom Blog „Life with Sandy and Benni“.