Neustadt Raus aus dem Dornröschen-Schlaf

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Wer im Café „Schellack“ direkt neben der Kirche in Wachenheim vor dem kleinen Tresen steht und eine halbe Drehung vollzieht, blickt durch das Fenster unweigerlich die Straße hinauf in Richtung der einstigen Wach-tenburg Weinstube. Bei der handelt es sich um ein spätbarockes und in die Jahre gekommenes Gebäude, das seit Längerem schon auf eine neue Nutzung wartet. Auf eine Nutzung, die das Haus auch als Gesamtobjekt aufwerten würde. Nun scheint der Tag nah, an dem die alte Weinstube aus ihrem Dornröschen-Schlaf erwacht. Ob Martin Naumann und dessen Frau, beide Architekten aus Stuttgart, im Vorjahr eines schönen Abends von einem der kleinen runden Tische im „Schellack“ die Straße hinauf geblickt haben, ist nicht überliefert. Fest steht aber, dass Naumann in dem Gebäude ein Potenzial erkannt hat, das in jüngerer Vergangenheit nicht viele gesehen haben. Also haben die Naumanns das alte Anwesen erworben. Die Operation, die nun folgen soll, könnte den Arbeitstitel „Dornröschen wecken“ tragen. So einfach ist das jedoch nicht, denn das Landesdenkmalamt erlaubt keine großen Veränderungen. Naumann beschreibt sein Vorhaben daher wie folgt: „In den Obergeschossen werden Wohnungen sensibel in den Bestand eingefügt. Der spätbarocke Bau wird in seinem ortsbildprägenden Charakter gestärkt. Aus der historischen Substanz entsteht, kombiniert mit zeitgemäßer Ausstattung und moderner Technik, individueller Wohnraum.“ Demnach soll nach vorn zum Platz hin eine großzügige Dreizimmerwohnung entstehen, im hinteren Bereich ist eine Maisonettewohnung geplant, die sich bis in den Dachstuhl erstreckt. Der einstige Tanzsaal im Erdgeschoss, der zwischenzeitlich als Supermarkt und später als Schlecker-Filiale diente, soll nun „zu einem Domizil auf Zeit“ umgebaut, also zu einer Ferienwohnung werden, wie Naumann erläutert. Mit dem Gebäude verbunden ist auch der kleine Anbau, auf dem eine Wandbemalung die Wachtenburg zeigt. Dieser Bau diente früher als Personalraum für die Mitarbeiter des Drogeriemarkts. Dort sind auch sanitäre Anlagen untergebracht. Das Ehepaar Naumann plant eine Aufstockung, so dass dort eine Dachterrasse entstehen kann, von der aus ein Blick Richtung Wachtenburg und in Richtung Rheinebene möglich ist. Völlig offen ist jedoch noch, was mit dem Herzstück, der einstigen Weinstube, geschieht. Dem Vernehmen nach ist nicht ausgeschlossen, dass dort wieder eine Weinstube einziehen könnte. Da sei noch nichts klar, so Martin Naumann, der in längeren Verhandlungen mit der vorherigen Eigentümerin Andrea Sebastian (geborene Podotzki) gestanden hatte. Die Dürkheimerin zeigte sich mit dem Verkauf sehr zufrieden: „Ich denke, das Haus ist in die richtigen Hände gegangen“, sagte sie zur RHEINPFALZ. Dieser Überzeugung ist auch Stadtbürgermeister Torsten Bechtel. Er wolle nicht übertreiben, aber dieses Objekt könne zum Symbol der Stadtsanierung werden, meinte er auf Nachfrage. Das Gebäude sei entscheidend, weil es ortsbildprägend sei. „Es rundet das Ensemble mit Marktplatz, Kirche, Café ,Schellack’ und Sektkellerei ab.“ Das neue Besitzerehepaar (beide haben Architektur in Kaiserslautern studiert, besitzen bereits eine Ferienwohnung in Wachenheim und haben die Pläne für das Hotel „Seehaus Forelle“ am Eiswoog gemacht) will baldmöglichst mit den Arbeiten beginnen. Wie hoch die Investitionskosten am Ende liegen werden, sei schwer vorherzusagen, so Naumann. „Zwischen 1000 und 2000 Euro pro Quadratmeter“, schätzt der 44-Jährige. Bei 500 Quadratmetern kämen so schnell 500.000 Euro zusammen. Eine Förderung ist vom Land zu erwarten. Entsprechende Anträge will die Stadt laut Bürgermeister stellen. Wie Sina Müller, Pressesprecherin im Kreishaus, sagte, gebe es von Seiten des Denkmalschutzes bisher keine Einwände gegen die Pläne. Immerhin ist der stattliche Mansardwalmdachbau aus dem 18. Jahrhundert Teil der Denkmaltopographie Wachenheims. Wer im „Schellack“ sitzt, kann ja einfach mal die Straße hinauf schauen

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