Neustadt Raumwechsel für die Schüler?

Lehrer Thomas Hahn beim Unterricht der Klasse 5b am Computer. Manche Räume des KKG sind besser ausgestattet als andere.
Lehrer Thomas Hahn beim Unterricht der Klasse 5b am Computer. Manche Räume des KKG sind besser ausgestattet als andere.

Technisch unfähige Lehrer, kaputte Computer aus den frühen 90ern, Handyverbot – so stellen sich Pessimisten den Status quo der Digitalisierung an deutschen Schulen vor. Doch wie geht sie wirklich voran? Ein Besuch im Neustadter Käthe-Kollwitz-Gymnasium (KKG) zeigt: langsam, aber sicher.

Die meisten Schüler sind wenig begeistert über den aktuellen Stand der Technik an der Schule. Auch Thomas Hahn, Informatiklehrer am KKG, hält die Lage für „durchwachsen“. Immerhin ist jeder Klassenraum seit den frühen 2000ern über Kabel mit dem Internet verbunden. Außerdem schon vorhanden: ein Medienraum, ausgestattet mit Smartboard – also einer interaktiven digitalen Tafel – und einem Klassensatz Notebooks. Es gibt einen Informatikraum, ausgestattet mit PCs und einen Satz iPads. „Wir sind versucht, den Bedürfnissen der Digitalisierung entgegenzukommen“, meint Schulleiter Mervyn Whittaker. Geld für ihre Ausstattung erhält das KKG aus verschiedenen Quellen. Zum einen aus den Budgets der Stadt – beispielsweise dem Budget für Investitionsgüter und Verbrauchsgüter. Für Anschaffungen unter 1000 Euro bekam die Schule in den Jahren 2017, 2018 und 2019 jeweils 11.800 Euro, für Anschaffungen über 1000 Euro jeweils 10.800 Euro. Wofür genau sie das Geld einsetzt, entscheidet die Schule selbst. Ganz ausgeben muss sie es nicht: Es ist möglich, Geld für größere Investitionen anzusparen. Auch übrig gebliebenes Geld aus dem Budget für Unterrichtsbedarf darf für technische Ausstattung verwendet werden. Außerdem können die Schulen – jeweils im Frühsommer eines Jahres – beim Schulamt Sonderwünsche anmelden. Summen, die für Sonderwünsche für Technik im Jahr 2019 an Neustadter Schulen bewilligt wurden, reichen bis hin zu 9.000 Euro für zwölf iPads an der Berufsbildenden Schule. Das KKG bekam von 2017 bis 2019 kein Geld für Sonderwünsche; einerseits bekommt es Geld auch von anderen Stellen der Stadt – so steht auf der Prioritätenliste der Abteilung für Gebäudemanagement beispielsweise die Erneuerung der naturwissenschaftlichen Räume – andererseits unterstützen Unternehmen aus der Nähe und der Förderverein die Schule immer wieder durch Sach- und Geldspenden. Die Beleuchtung der Theaterbühne am KKG stammt zum Beispiel von der BASF, 30 iPads wurden vom Förderverein angeschafft. Trotzdem bleiben Probleme, auch bei der Finanzierung: Das Geld für technische Geräte kommt nicht auf einen Schlag bei den Schulen an. Größere Investitionen sind deswegen kaum möglich, das Geld versickert. Hahn meint: „Dadurch ist bei uns eine Art Flickenteppich entstanden. Der eine Raum ist anders ausgestattet als der nächste Raum.“ Auch Whittaker kennt das Problem: „Gerade für ältere Kollegen ist es häufig schwierig, sich dann von Raum zu Raum umzugewöhnen.“ Er schlägt vor, die Lehrer mehr an einen Raum zu binden. Vorbild seien hierbei die englischen und amerikanischen Schulen: „Dort wechseln nicht die Lehrer den Raum, sondern die Schüler. Bei uns könnte man zum Beispiel feste Räume für die Hörverstehen-Aufgaben im Englischunterricht schaffen, das würde den Schulalltag sicher erleichtern.“ Um größere Projekte zu finanzieren, begrüße man die Gelder aus dem Digitalpakt von Bund und Ländern – wenn er tatsächlich durchgesetzt wird. Aber auch, wenn das Geld für ein Projekt dann angekommen ist, bleibt die Umsetzung schwierig: Aufträge im Privatsektor sind für Handwerker lukrativer, Ausschreibungen ziehen sich. Seit zwei Jahren ist die Renovierung der naturwissenschaftlichen Räume fertig geplant, doch Firmen für den Umbau fehlen. „Der gute Wille der Stadt ist eindeutig da, doch die gebotene Eile ist nicht durchsetzbar“, sagt Schulleiter Whittaker. Für die nähere Zukunft plant das Gymnasium einen neuen, zweiten Informatikraum, der – so der Wunsch Whittakers – vor dem nächsten Schuljahr fertiggestellt werden soll. Dazu werde derzeit eine Bedarfsaufstellung angefertigt. „Die Mittel sind zum Großteil da. Wenn wir noch ein paar Spenden bekommen, ist der Umbau finanziell möglich“, meint der Schulleiter, der bei den PCs auf ausrangierte Geräte aus dem Unternehmen der Familie eines Schülers zurückgreift. Das KKG will außerdem einen Spendenantrag an die BASF stellen. Whittaker rechnet hier mit einer Zuwendung von 5000 Euro. Trotzdem betont er die technischen Hürden bei der Umsetzung, gerade hier sei die Schule auf die professionelle Unterstützung der Stadt angewiesen. Wie soll der Klassenraum der Zukunft aussehen? Hahn ist überzeugt: „Jeder Raum braucht einen Internetzugang für Lehrer, und bei Bedarf auch für die Schüler. Außerdem Möglichkeiten zur Projektion, eine Dokumentenkamera und eine klassische Tafel. Uneinig sind sich die Lehrkräfte noch über den Einsatz von Smartboards. „Es gab eine Art Smartboard-Rummel, da wurde teilweise viel Geld reingesteckt“, meint Hahn, der die Geräte für überschätzt hält: Sieht man über das Smartboard einen Film, habe man beispielsweise nicht mehr die Möglichkeit, parallel Notizen anzuschreiben wie auf einer klassischen Tafel. Neben der Anschaffung neuer Geräte möchte sich die Schule mehr auf die Erziehung zur Medienkompetenz konzentrieren. „Nicht Abnehmer, sondern Programmierer der App“ sollten die Schüler nach Whittaker sein. Lobend hebt er dabei die Leistungen der Jugend-forscht-AG Neustadt hervor. Hier würden auch Schüler des KKG Technik einsetzen, um praktische Verbesserungen für hilfsbedürftige Menschen zu schaffen. Der Autor Tilmann Koch, Schüler der 13. Klasse des KKG, Chefredakteur der Online-Schülerzeitung Klartext und freier Mitarbeiter der RHEINPFALZ.

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