Neustadt
Raumausstattung Sturm feiert 100. Geburtstag
Christian (52) und Claudia (48) Sturm führen den Betrieb in dritter Generation. Diese Leistung ist auch offiziell auf Anklang gestoßen, denn zum Geburtstag gab es die Ehrenurkunde der Handwerkskammer. Die Sturms sind stolz auf diese Auszeichnung, denn ihnen ist ihr Handwerk sehr wichtig. Daher erklären sie auch gerne, was sich hinter dem Begriff Raumausstattung verbirgt. „Wir machen alles im Innenraum: vom Bodenbelag über die Gardinen bis hin zu neuen Polstern für Möbel sowie Tapeten, aber auch Sonnen- und Insektenschutz“, zählt Christian Sturm auf. Seine Frau ergänzt: „Viele denken, wir sind so etwas wie Innenarchitekten.“ Aber das stimme nicht. „Wir machen auch Beratung, aber man braucht vor allem sehr viel handwerkliches Geschick. Wenn man so will, sind wir handwerkliche Innenarchitekten, weil wir die Ideen auch umsetzen“, sagt Christian Sturm.
Alles wird vor Ort gemacht
Im Geinsheimer Ortszentrum sind Laden und Werkstatt. Hier setzen zwei Gesellen, eine Meisterin und eine Näherin gemeinsam mit Christian Sturm die Wünsche der Kunden um. Im Laden gibt es keine festen Öffnungszeiten mehr. Er dient vor allem als Ausstellungsfläche, um Kunden die Produkte zu zeigen und mit ihnen Aufträge zu besprechen. Dass sie alles vor Ort selbst umsetzen, darauf legen die Sturms großen Wert – und darauf sind sie stolz.
Christian Sturm ist 1995 bei der Geschäftsübernahme in die Fußstapfen von Großvater Johann und Vater Emil getreten. Seine Frau Claudia ist seit 1996 mit im Betrieb dabei. Dass ihn seine Eltern nie gedrängt hätten und er gewissermaßen spielerisch in den Betrieb reingewachsen sei, habe er als großen Vorteil empfunden, sagt Christian Sturm, der drei Geschwister hat. Er und seine Frau betonen, dass sie das bei ihren beiden Kindern genauso sehen: Die Tochter lernt Raumausstatterin, der Sohn macht eine kaufmännische Ausbildung. „Vom Grundsatz könnten sie den Betrieb weiterführen, worüber wir uns auch sehr freuen würden. Aber ob das so kommt, müssen wir dann sehen. Das müssen sie aus freien Stücken entscheiden“, betont Claudia Sturm.
Erst Rockenhausen, dann Vorderpfalz
Gegründet wurde der Betrieb am 7. Juli 1921. An diesem Tag hat Großvater Johann Sturm seinen Meisterbrief bekommen und gleich das Gewerbe angemeldet. Damals noch in der Nähe von Rockenhausen. 1924 folgte der Umzug nach Geinsheim. „Er hatte sich in die Vorderpfalz beworben, wo es eine höhere Nachfrage gab“, sagt Christian Sturm, der 1993 seine Meisterprüfung abgelegt hat. Sein Vater Emil hatte den Betrieb 1958 übernommen. Die Familie ist mit dem Betrieb innerhalb Geinsheims noch an den heutigen Standort umgezogen.
Die Kunden kommen aus der Region, „aber über Empfehlungen auch von weiter weg“, sagt Claudia Sturm. Raumausstatter seien immer dann gefragt, „wenn Leute Ideen haben, etwas in ihrem Haus oder ihrem Geschäft zu verändern“, erklärt Christian Sturm. Dann schaut er, wie Polster erneuert werden können. „Oder wir kommen dazu, wenn Schreiner Maßanfertigungen liefern und wir uns dann um die Bezüge kümmern“, erläutert der 52-Jährige. Manchmal seien die Aufträge auch kurios: „Wir sorgen auch für neue Polster für ein Ikea-Sofa. Das ist Kunden wichtig, weil das Sofa an die Studienzeit erinnert.“
Ein Fest wie früher
Das Polstern wird bei den Sturms schon seit 100 Jahren angeboten, die anderen Gewerke sind im Laufe der Jahre dazu gekommen. „Unser Handwerk hat auch viel mit Nachhaltigkeit zu tun“, betont Claudia Sturm, „wenn wir Gardinen bei einem Umzug abändern oder ein Sofa neu polstern, muss nicht alles neu produziert werden“.
Wegen der Corona-Auflagen konnte nur im kleinen Kreis mit Familie und Mitarbeitern gefeiert werden. „Das war wie zu Zeiten der Gründung“, so Claudia Sturm. Es sei eine „schöne Anerkennung für das gewesen, was die zwei Generationen vor uns geleistet haben“. Im Jubiläumsjahr ist für die Sturms auch klar: „Wir wollen noch Projekte und Vereine im Ort mit Spenden unterstützen.“