Kirrweiler
Rathaus: Barockbau das „wichtigste weltliche Gebäude“
„Das Rathaus ist unser wichtigstes weltliches Gebäude“, sagt Ortsbürgermeister Rolf Metzger, als ihn die RHEINPFALZ bei einem Baustellenrundgang zusammen mit dem Architekten Mirko Raupp begleitet. 1725 ist der markante Barockbau in der Hauptstraße als fürstbischöfliches Amtshaus errichtet worden. Wobei Raupp einschränkt, dass die Historie des Gebäudes zum Teil im Dunkeln liegt, weil nur wenige Unterlagen dazu vorhanden sind. Hinzu kommt, dass von der ursprünglichen Bausubstanz bis auf die Gebäudehülle nicht mehr viel übrig geblieben ist und das Rathaus in mehrfachen Umbauten verändert wurde. Mindestens zweimal, sagt der Architekt, wurde es erweitert. Und manche Annahme hat nach Worten des Architekten im Laufe der Sanierungsarbeiten revidiert werden müssen: „Das Gebäude erzählt eine andere Geschichte.“ Aber dazu später mehr.
Fest steht, dass das einstige Oberamtsgebäude in der napoleonischen Zeit in Privatbesitz kam und 1825 durch einen Tausch wieder ins Eigentum der Gemeinde überging. 1826 wurde es zu einem Schulhaus mit einer Lehrerwohnung umgebaut. Weit über ein Jahrhundert lang drückten die Kirrweilerer Kinder in den Klassenzimmern im Erd- und im Obergeschoss die Schulbank, bis das Gebäude 1966 zum Rathaus umfunktioniert wurde. Die Nebengebäude des ehemaligen Amtshauses mussten der 1967 gebauten Schulturnhalle weichen. Das heutige Schulhaus aus dem Jahr 1963 steht dort, wo sich einst der große barocke Garten des Amtshauses befunden hat.
Frühere Renovierungen nicht fachmännisch
Seit etwa fünf Jahren steht das Rathaus nun leer. Denn sein Zustand sei zuletzt desolat gewesen, wie der Ortsbürgermeister sagt. Im Laufe der vergangenen 300 Jahre hat zum einen der Zahn der Zeit am Gebäude genagt, zum anderen sind nach den Worten von Metzger manche lange zurückliegenden Renovierungsarbeiten nicht fachmännisch ausgeführt worden: „Tragende Balken sind zum Beispiel einfach durchgesägt worden.“ Raupp ergänzt, dass sich die mehrfachen Umbauten nicht gerade zum Vorteil ausgewirkt hätten. Besonders die Eingriffe zu Beginn der 1970er-Jahre kommen seiner Ansicht nach einer „Vergewaltigung des Gebäudes“ gleich. Und seit Anfang der 1990er-Jahre sei bis auf einen neuen Anstrich und den Austausch der Fenster nichts zum Erhalt und zur Sanierung gemacht worden. Deshalb werde die Renovierung teurer.
Um die Mängel zu beseitigen, den Barockbau zukunftsfähig zu sanieren und um es wieder als Rathaus nutzen zu können, haben die Gemeinde und Architekt Raupp bereits 2016 mit den ersten Überlegungen begonnen. Was nicht ganz einfach war, weil die direkt angrenzende Sporthalle, deren sanitäre Einrichtungen sich im Rathaus befanden, in der Trägerschaft der Verbandsgemeinde liegt. 2021 beschloss der Gemeinderat, einen Zuschussantrag beim Land zu stellen. 2022 kam die Zusage: Mit 440.000 Euro fördert das Land zwar die Rathaussanierung, aber den Löwenanteil an den veranschlagten Baukosten von 2,5 Millionen Euro muss die Gemeinde tragen. Nicht ganz alltäglich ist es wohl, dass Kirrweiler das Projekt nach den Worten von Metzger stemmen kann, ohne dafür Schulden machen zu müssen, weil die Gemeinde genug Geld auf der hohen Kante hat.
Mitte 2026 soll Sanierung beendet sein
Im Oktober 2024 hat nun die Sanierung des Rathauses begonnen. Die Abbrucharbeiten im Innern sind beendet, im März sollen die Rohbauarbeiten beginnen. Nach etwa anderthalbjähriger Bauzeit soll das Rathaus Mitte 2026 in altem Glanz erstrahlen. Der Gemeinderat soll in dem historischen Gebäude wieder tagen, außerdem soll ein Bürgerbüro mit einem Infozentrum eingerichtet werden. Räume im Obergeschoss sollen als Büroflächen vermietet werden.
Noch braucht der Betrachter beim Betreten des entkernten Rathauses viel Phantasie, um sich sanierte Räume vorstellen zu können, wo ihn derzeit nackte Wände, Lehmwickel zwischen Fachwerkbalken an den Decken und ein Boden aus Erdreich empfangen. Gleich hinter dem Eingang gab es eine Überraschung, als der Boden entfernt wurde: Dort stießen die Schaufeln auf alte Fundamente. Ob es sich um die eines Vorgängerbaus handelt? Die Infotafel am Rathaus verrät, dass an gleicher Stelle früher ein Amtshaus stand, das 1674 von Franzosen niedergebrannt wurde. Interessant ist auch der Rest einer barocken Verzierung an der Tür zum früheren Klassenzimmer im Erdgeschoss. Sie lässt nach den Worten des Architekten darauf schließen, dass es sich hier einst um eine Eingangstüre gehandelt hat.
Der Boden soll von unten gedämmt werden, und die Räume sollen eine Fußbodenheizung bekommen. Für die beiden repräsentativen Zimmer im Erd- und im Obergeschoss mit einer Fläche von jeweils 70 Quadratmetern stellt sich Raupp als passenden Belag Parkettböden vor. Zur energetischen Sanierung gehören auch neue Fenster und eine Wärmepumpe zur Beheizung.
Aufzug wird eingeplant
Die Treppe ins Obergeschoss wird gegen eine neue ausgetauscht, und bequemer nach oben gelangt man künftig mit einem Aufzug. Darüber werden sich nicht zuletzt die Mitglieder des Gemeinderats freuen, die wieder im angestammten Saal im ersten Stock tagen werden. Zwei weitere Träger sollen eingezogen werden, damit der Boden nicht mehr so stark schwingt, erklärt der Architekt. Der Bürgermeister erhält unmittelbar neben dem Ratssaal ein kleines Büro.
Im Ratssaal ist zum Teil Bruchsteinmauerwerk zum Vorschein gekommen, das aus der Entstehungszeit des Rathauses stammen dürfte, in weiteren Räumen des Obergeschosses dagegen wurden die Wände erkennbar erst in späterer Zeit bei einem Um- oder Anbau hochgezogen. Wo sich früher die Lehrer-, später die Rektorwohnung und zuletzt die Wohnung des Hausmeisters befunden hat, sollen auf etwa 80 Quadratmetern Büroräume entstehen, die an Externe vermietet werden sollen. Auch im Ratssaal kamen Überraschungen zutage: So stieß man an der östlichen Wand auf zugemauerte Fenster.
Dachgeschoss bleibt ungenutzt
Rätsel birgt auch das Dachgeschoss. Laut Raupp ist der Dachstuhl wohl jüngeren Datums als das restliche Gebäude und stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Dafür könnte sprechen, dass an einem Balken die Jahreszahl 1842 entdeckt wurde. Allerdings sind auch hierzu keine Unterlagen mehr vorhanden. Am Dach sind einige konstruktive Verbesserungen geplant. Bleiben soll auf jeden Fall die Eindeckung mit Biberschwanz-Ziegeln. Und die Störche, die jedes Jahr auf dem Dach nisten, sollen dort weiterhin wohnen.
Genutzt werden soll das Dachgeschoss allerdings nicht, sagt Metzger, obwohl der langgestreckte Raum mit den Schrägen, alten Holzbalken und ungewöhnlichen ovalen Fenstern ein attraktives Ambiente für Veranstaltungen bieten würde, zum Beispiel für Weinproben. Aber eine Sanierung des Speichers würde noch einmal Unsummen verschlingen, sagt der Bürgermeister. Deshalb werde man sich darauf beschränken, dort eine Dämmschicht aufzubringen, erklärt der Architekt.