Niederkirchen
Radsport: Warum der Niederkirchener Patrick Moster manchmal nach Landau flüchtet
Die Prioritäten haben sich verschoben. Statt täglich im schmucken Dienstwagen des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) zu den vielen Sportstätten innerhalb des Bundesgebietes oder zu den Zentren der Olympiastützpunkte unterwegs zu sein, nutzt Patrick Moster, seit acht Jahren Sportdirektor des BDR, derzeit die heimische Umgebung, um seine Aufgaben in dem Sportverband zu bewältigen.
Statt persönliche Gespräche mit den Vertretern der Politik, den Mitarbeitern in den Ministerien, bei der Deutschen Sporthilfe oder beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zu führen, steuert der 52 Jahre alte studierte Pädagoge und einstige Leistungssportler in der Viruskrise die Kommunikation mit seinen Partnern ausschließlich über Telefon- und Videokonferenzen. Denn Stillstand gibt es bei dem gebürtigen Südpfälzer, der seit vier Jahren in Niederkirchen lebt, nicht. Daran ändert auch nichts, dass kürzlich die Olympischen Sommerspiele aufs kommende Jahr verlegt worden sind.
Nachbesserungen bis Tokio 2021
„Olympia 2020 ist abgehakt, aber vor uns liegen dennoch einige Herausforderungen für 2021“, sagt Moster mit Blick auf die Nominierungskriterien. Denn in einigen Bereichen werden keine Qualifikationswettkämpfe vor 2021 stattfinden. „Da liegt die Aufgabe darin zu beobachten, damit wir auch im nächsten Jahr die besten Sportler bei Olympia an den Start bringen. Das ist der Anspruch unseres Verbandes“, so Moster. Er kennt die Mechanismen im Leistungssport. Ohne Olympiamedaillen drohen in der finanziellen Förderung Einschnitte. Deshalb will er die Zeit bis 2021 nutzen, um Nachbesserungen bis zu den Spielen in Tokio vorzunehmen. „Da sind wir in Gesprächen, aber eine finale Entscheidung gibt es noch nicht.“
Büro in der Bauernscheune
Statt von der Geschäftsstelle in Frankfurt steuert Moster seine Aktivitäten aus einer ehemaligen Bauernscheune, die seine Frau vor Jahren mit viel Aufwand restauriert hat. Dadurch haben sich die persönlichen Kontakte mit den Sportlern an den Sportstätten zwangsweise reduziert. „Da bin ich in den letzten Jahren ohnehin ein großes Stück entfernt, denn die Bürokratie im Spitzensport hat derart zugenommen, dass ich vieles nicht mehr bei den zentralen Lehrgängen des Verbandes und an den Wettkampfstätten live mitbekomme“, erzählt Moster. Er resigniert aber nicht. Im Gegenteil: Er ist immer mit großer Leidenschaft bei der Sache. So fühle er sich zu Hause keinesfalls abgehängt. Er gewinnt dem Homeoffice noch etwas Positives ab: „Die Kontakte zu den Trainern und Sportlern sind gerade jetzt über Telefon, Whatsapp und Video etwas intensiver und weniger von Stress geprägt, da diese gerade nicht an ihren Sportstätten aktiv sein können.“
So macht er kein Geheimnis daraus, dass der Austausch in diesen Tagen und Wochen etwas länger dauern kann. „Man spricht auch mal über viele Dinge, die bisher aus Zeitgründen einfach zu kurz gekommen sind“, erklärt Moster. Gerade der trainingsmethodische Austausch mit Trainern und Wissenschaftlern sei eine Aufgabe, die derzeit wieder mehr in den Vordergrund rücke. Eine Möglichkeit, die der einstige Pädagoge, der an der IGS Deidesheim sein Referendariat für das Lehramt absolviert hat, nutzen möchte, um den Verband im Kreis der Spitzenverbände weiterzuentwickeln. „Gerade jetzt zeigt sich die Bandbreite in der Steuerung und Koordination des Leistungssports in meiner Funktion als Sportdirektor umso deutlicher.“ Der Wahl-Niederkirchener ist aber mit Ehrgeiz dabei. „Man kann schon mal morgens eine Stunde später anfangen, dafür werden die Tage umso länger.“
Probleme mit der Internetverbindung
Er fühlt sich in der häuslichen Umgebung mit seiner Ehefrau Claudia, die sich gerade wegen den Schulschließungen und Osterferien als Lehrerin ebenfalls zu Hause aufhält, wohl. Dennoch gab es schon Momente, in denen er kurzzeitig das Haus verlassen musste. Nicht nur zum Einkaufen, sondern weil die Internetversorgung in Niederkirchen nicht ausreicht, um weltweit Videokonferenzen durchzuführen. „Das Internet ist auf den Dörfern nicht immer am schnellsten“, stellt Moster schmunzelnd fest. Gerade in den entscheidenden Tagen der Terminverschiebung in Sachen Olympia ist er in sein Haus nach Landau „geflüchtet“, um seine Dienstgeschäfte abzuwickeln.
Dorthin zieht es ihn ansonsten gelegentlich zum Radfahren. So wie am Sonntag, als er mit seiner Frau entlang der Weinstraße und über die Drei Buchen nach langer Zeit wieder einmal 80 Kilometer im Sattel absolviert hat. Vom Radsport kommt das ehemalige pfälzische Radass auch in der Krise nicht los ...