Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Radsport: Gäsbock-Marathon-Motivation von der Dampfnudelstation

Zu Beginn des Marathons sind Bikes und Sportler noch nicht voller Schlamm. Foto: Mehn
Zu Beginn des Marathons sind Bikes und Sportler noch nicht voller Schlamm.

„Möge warm die Sonne euch ab und zu bescheinen“, wünscht Markus Diringer, früher protestantischer Pfarrer in Lambrecht, in seinem Bikersegen, auf den Song „Country Road“ umgetextet. Diese Strophe scheint Motto des Gäsbock-Mountainbike-Marathons in Lambrecht zu sein. Schon beim Start wird den Bikern ein plötzliches Wechselbad von Sonnenstrahlen und Platzregen beschert. Ungetrübt ist jedoch die Freude der Sportler.

Lambrecht. Anke und Frank aus Kirchheim nehmen zum zweiten Mal am Gäsbock-Mountainbike-Marathon teil und die Regenschauer gelassen: „Letztes Jahr war es doppelt so warm, aber wir sind für jedes Wetter gerüstet. Nur die Sonnencreme haben wir nicht mitgenommen.“ Seit vier Jahren dabei ist eine Gruppe aus Mannheim: „Es ist eines der schönsten Events in der Region. Die Verpflegung passt, alles ist sehr lecker, die Organisation ist perfekt“, erklärt Ralf Kien für seine sechs Mannen aus einer Klapprad-Sportgemeinschaft in der Quadrate-Stadt und betont weiter: „Wir schätzen die Atmosphäre, es ist eine superschöne große Tour mit tollen Leuten.“ Der Mannheimer startet selbst auf einem Spendenplatz: „Am 19. Januar waren die regulären Plätze genau 17 Minuten nach der Freischaltung weg. Mein Handyempfang unterwegs war so schlecht, dass ich nicht durchkam.“ Stattdessen tritt er gegen eine Spende für einen sozialen hiesigen Zweck in die Pedale.

Wer sich zu spät anmeldet, fährt als Besenfahrer

Die Anmeldefrist verpasst hat auch Nico. Er unterstützt deshalb spontan die lokalen „Besenfahrer“, darunter auch Christa, Greta und Theo. Ihre Aufgabe ist es, als Schlusslicht alles einzusammeln, insbesondere die Wegmarkierungen. Dem Motto gemäß liest man auf einem ihrer Startschilder „Lonesome last Rider – im Wilden Westen“.

Dieter und Heinrich aus Balingen, bereits am Vortag als „Gäste einer hervorragenden Lambrechter Pension“ angereist, freuen sich über die ungezwungene Tour. „Hier kann man so fahren, wie man gerade drauf ist. Landschaftlich ist alles top, die Verpflegung außergewöhnlich gut“, betonen beide, die sonst gerne in der Schwäbischen Alb oder den Alpen fahren. Als Lokalmatadoren verstehen sich Hilde und Bernd aus Lambrecht, zum vierten Mal dabei. „Wir haben immer durchgehalten. Und ich bin nachweislich die älteste Teilnehmerin“, erklärt Hilde stolz. Ihre Nachbarn Catarina und Achim ergänzen: „Die Strecke können wir quasi im Schlaf absolvieren. Wir kennen alle Ecken, Kurven und Steine, fahren ja auch sonst bei jedem Wetter.“ Ihre Hauptmotivation beim Rennen: „Die Dampfnudelstation in Frankeneck, danach geht es flott weiter!“

Mountainbiker aus Zürich, Kalifornien, Melbourne

Bis dahin lockt es auch einen Freundeskreis, bunt gemischt aus vielerlei Regionen und Ländern: „Wir haben es bis zum Dampfnudel-Saloon geschafft“, so Philip. Ihn habe danach ein technischer Defekt am Rad gestoppt. Die anderen Crewmitglieder, nach eigenen Angaben aus Neustadt, von der Südlichen Weinstraße, aus München, Zürich, Kalifornien und dem australische Melbourne, beweisen Solidarität und begleiten ihn zurück zum Startpunkt, der Lambrechter Schulsporthalle. Die Bewirtung von der IG Gäsbock-Mountainbike mit Kaffee und Kuchen, vegetarischem Käseteller und deftigen Westernburgern sorgt fortan für ihr Wohlbefinden. Nach und nach finden sich die rund 600 Teilnehmer hier ein. Insbesondere die Absolventen der langen Tour nutzen gerne das Angebot von Aline Daniel und Marcus Konrad, ihre Bikes vor der Einkehr mit dem Wasserschlauch vom Schlamm zu befreien. „Die Fahrer der kurzen Strecke hatten Glück und kamen recht trocken ins Ziel. Danach gab es aber nochmals Regenschauer. Es war deshalb recht matschig auf der langen Strecke, so sehen die Leute auch aus“, erzählt Aline.

Auch das Hufeisenwerfen im Leinbachtal mag Spuren hinterlassen haben. Vermutlich hat so manchem die große Geierfigur mit dem fortwährend ertönenden Filmtitel „Spiel mir das Lied vom Tod“ am nicht enden wollenden „Drecksanstieg“ ordentlich zugesetzt. Dennoch: keine besonderen Vorkommnisse und Verletzungen melden Rotes Kreuz, Feuerwehr, Helfer und Besenfahrer – insgesamt 100 an der Zahl. Die große Resonanz des „Bull-Riding“ in der Sporthalle bei der Party danach zeigt, dass offensichtlich viele noch nicht genug vom Auf und Ab entlang der Trails haben ...

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