Lambrecht
Probleme auf dem Friedhof: Mit mehr Erde gegen Wachsleichen
Der Untergrund des Lambrechter Friedhofs ist schon seit Jahrzehnten ein Problem. Denn in diesem Boden werden Verstorbene unter feuchten, kühlen Bedingungen mit wenig Sauerstoff zu sogenannten Wachsleichen, deren Zersetzungsprozess praktisch gar nicht voranschreitet. Sie können auf diese Weise für Jahrzehnte konserviert werden.
Dadurch gibt es häufig Probleme bei Bestattungen in Lambrecht, Teile des Friedhofs können nicht genutzt werden. Bei einem Ortstermin des Bau- und Stadtsanierungsausschusses des Stadtrats beschrieb Beigeordnete Tanja Bundenthal-Beck (FWG) das Problem genauer: Das Ausheben von Gräbern sei eine Art Lotteriespiel. Man wisse nie, ob man Särge, Leichen oder Reste von Leichen finde. Sei dies der Fall, müsse die Grube wieder geschlossen werden und eine neue Grabstätte ausgehoben werden. Es sei schon einige Male der Fall gewesen, dass erst die dritte ausgehobene Grube genutzt werden kann. Die dadurch anfallenden zusätzlichen Kosten müsse die Stadt tragen.
Eine Belastung seelischer und finanzieller Art
Ein zusätzliches Problem ergibt sich, wenn eine verstorbene Person in einem Grab bestattet werden soll, in dem bereits ein Angehöriger, etwa ein Ehepartner, liegt. Wie der Lambrechter Bestattungsunternehmer Thomas Kollinger erklärte, ist das nicht möglich, wenn die sterblichen Überreste der zuvor bestatteten Person zur Wachsleiche geworden seien. Entweder sei dann eine Umbettung erforderlich oder der nun Verstorbene müsse in einem anderen Grab bestattet werden. Beides sei eine seelische Belastung für die Hinterbliebenen und für die Stadt würden ebenfalls zusätzliche Kosten anfallen. Zudem müsse am Tag der Umbettung der gesamte Friedhof gesperrt werden.
Als eine weitere Folge des schwierigen Untergrunds und der Wachsleichen nannten Kollinger und Bundenthal-Beck, dass die Gräber auf dem recht großen Friedhof sehr zerstreut liegen. Man könne wegen der Probleme mit dem Untergrund nicht einen Bereich ausschließlich für neue Erdbestattungen nutzen und andere Bereiche, die dann im Lauf der Zeit frei würden, für andere Bestattungsformen oder als Grünfläche.
Vorschlag: Aufschütten!
Nach Angaben von Bundenthal-Beck und Kollinger werde Gelände für andere Bestattungsformen benötigt. Der Platz auf der Wiese reiche nicht mehr lange. Der Bereich für Urnengräber werde wahrscheinlich spätestens Ende 2025 voll sein. Auch bestehe Interesse an anderen Bestattungsformen, etwa Baumbestattungen.
Der von der Beigeordneten und dem Bestatter eingebrachte Lösungsvorschlag besteht darin, einen Teil des Geländes mit Mutterboden aufzufüllen. Der Bereich um den Perlschnurbaum müsste mit Mauern eingefasst und etwa 90 Zentimeter hoch aufgeschüttet werden. Wie Kollinger erläuterte, muss für ein Grab eine Grube mit einer Tiefe von etwa einem Meter und 80 Zentimetern ausgehoben werden. Durch die Auffüllung käme man beim Ausheben nicht mehr in die Tiefe, in der Wachsleichen entstehen.
Sechsstellige Kosten
Nach Angaben von Gregor Panczyk, Mitarbeiter der Bauabteilung der Verbandsgemeindeverwaltung Lambrecht, würde das etwa 120.000 Euro kosten. Über das Thema soll nun in den Ratsfraktionen gesprochen werden. Dann müsste der Ausschuss eine Empfehlung für einen Beschluss des Stadtrats aussprechen.
Weitaus unproblematischer war ein weiterer Punkt der Tagesordnung: Die Reparatur der Friedhofstore. Dafür darf Bundenthal-Beck einen entsprechenden Auftrag bis zu einem Preis von 8000 Euro vergeben.