Maikammer
Preiswerter Wohnraum gesucht
Die Weinstraße gehört zu den besonders begehrten Wohngegenden. Maikammer macht da keine Ausnahme, was sich an den steigenden Mietpreisen ablesen lässt. Einen offiziellen Mietspiegel gibt es zwar in Maikammer nicht, aber zumindest Anhaltspunkte liefern die Angaben von Immobilienportalen wie wohnungsboerse.net, die Durchschnittsmieten auf der Grundlage der bei ihnen gelisteten Mietwohnungen errechnen. Danach liegt Maikammer mit einer Quadratmetermiete von 12,34 Euro für eine 100-Quadratmeter-Wohnung über dem Landes- (11,79 Euro) und Bundesdurchschnitt (9,66 Euro).
Viele Menschen können sich solche Mieten, die schon bei einer Wohnung mit 80 Quadratmeter fast 1000 Euro Kaltmiete bedeuten, nicht leisten. Bezahlbarer Wohnraum ist deshalb auch in Maikammer nachgefragt.
Sozialwohnungen in der Hartmannstraße
Wie viele Sozialwohnungen in der Verbandsgemeinde Maikammer bestehen, kann die VG-Verwaltung auf Anfrage nicht angeben. Allerdings hat das Gemeinnützige Siedlungswerk (GSW) Speyer, das Wohnungsbauunternehmen der Diözese Speyer, in diesem Frühjahr ein Projekt in der Maikammerer Hartmannstraße fertiggestellt, in dem auch sozial geförderter Wohnraum geschaffen worden ist. An der Stelle des ehemaligen Schwesternhauses ist dort ein Mehrfamilienhaus mit 13 Wohnungen entstanden, von denen einige Sozialwohnungen sind, die sich auch für ältere Menschen eignen. Das Siedlungswerk hat mit dem Neubau den kirchlichen Auftrag erfüllt, bezahlbaren Wohnraum zu erstellen. Für drei Wohnungen hat sich die Kirche das Erstbelegungsrecht vorbehalten: Dort können Menschen einziehen, die besonders dringend nach Wohnraum gesucht haben.
Projekt in Kirrweiler
Neun preiswerte Wohnungen entstehen derzeit beim Mehrgenerationenprojekt in Kirrweiler, bei dem die Herta-Kuhn-Stiftung mit der GSW eine Bauherrengemeinschaft bildet. 16 der 19 Wohnungen werden vom Land gefördert: mit Darlehen der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) von insgesamt rund zwei Millionen Euro, für die nur niedrige Zinsen zu bezahlen sind, sowie Tilgungszuschüssen von etwa 915.000 Euro über das Sonderprogramm des Landes zur Förderung des sozialen Wohnungsbaus. Acht der geförderten Wohnungen sind für jeweils 30 Jahre zweckgebunden, für weitere acht gilt die Sozialbindung für je 20 Jahre. Sechs Mietwohnungen und zwei Bewohnerplätze sind für Haushalte mit mittleren Einkommen vorgesehen und weitere acht Bewohnerplätze für Haushalte mit geringen Einkommen. Im Herbst 2024 sollen die Herta-Kuhn-Höfe bezugsfertig sein.
Die Ortsgemeinde Maikammer hat vor einigen Jahren in der Neugasse Sozialwohnungen mit der Firma Gerst Projektbau, Edenkoben, errichten lassen. Insgesamt sind dort acht neue Wohnungen entstanden. Für Ortsbürgermeister Karl Schäfer (CDU) ist das „eine tolle Geschichte“. Denn es sei gelungen, dass sich Gerst dazu bereit erklärt habe, die Sozialbindung dieser Wohnungen so lange laufen zu lassen, wie das Gebäude besteht. Üblicherweise läuft die Sozialbindung nach 20 oder 25 Jahren aus. Ziel der Ortsgemeinde sei es, Bauträger zu finden, die dazu bereit sind, in den sozialen Wohnungsbau zu investieren. Allerdings räumt Schäfer ein, dass dies nicht einfach sei.
Selbstverpflichtung der VG und Ortsgemeinden
Verbandsbürgermeisterin Gabriele Flach (CDU) verweist im Gespräch mit der RHEINPFALZ auf die kommunale Nachhaltigkeitsstrategie, die 2021 für die Verbandsgemeinde und die drei Ortsgemeinden erarbeitet worden ist. Zu den sechs Handlungsfeldern gehöre der Bereich „Lebensqualität und sozialer Wohnraum“. Unter anderem sei darin als strategisches Ziel festgelegt worden, dass es 2030 ausreichend bezahlbaren Wohnraum in der Verbandsgemeinde geben soll. Weiter sei festgelegt worden, dass der Bestand an sozialen Wohnungen gehalten und bis 2030 in allen Ortsgemeinden gesteigert werden soll. Außerdem hätten sich die VG und die Ortsgemeinden verpflichtet, bei Neuvermietungen den Mietpreis von mindestens 50 Prozent der gemeindeeigenen Wohnungen langfristig nach den Richtlinien des sozialen Wohnungsbaus festzulegen.
Kaum Wohnungen für anerkannte Asylbewerber
Preiswerter Wohnraum wird in Maikammer auch für Flüchtlinge gebraucht. Auch die VG erlebe aktuell deutlich erhöhte Zugangszahlen im Vergleich zu den Zahlen aus den Vorjahren, teilt Bianca Bardua von der Abteilung Bürgerdienste der VG-Verwaltung auf Anfrage mit. Derzeit leben ihren Angaben zufolge 86 Personen in Asyl- beziehungsweise Obdachlosenunterkünften der Verbandsgemeinde. In Kirrweiler und St. Martin leben jeweils neun Personen; der Rest ist in Maikammer untergebracht. Mehr als die Hälfte dieser Menschen sei bereits anerkannt. Wegen des angespannten Wohnungsmarkts sei es für diese Personen vielfach schwer, eigene Unterkünfte zu finden. Deshalb würden sie oft auch über längere Zeit nach Abschluss des Asylverfahrens in gemeindeeigenen Unterkünften bleiben. Dank intensiver Bemühungen habe die VG in den letzten Monaten mehrere neue Wohnungen und Häuser anmieten können. Deshalb stünden aktuell noch einige freie Wohnplätze zur Verfügung. Angesichts der Zugangszahlen und der dynamischen Entwicklung in diesem Bereich sei die Verwaltung aber um jedes Angebot an freiem Wohnraum dankbar. Ebenso wäre es für die Verwaltung hilfreich, wenn sich mehr Vermieter finden würden, die dazu bereit seien, direkt an die – anerkannten – Flüchtlinge zu vermieten. Das würde wieder mehr freie Kapazitäten für Neuankömmlinge schaffen. Hinzu kämen aktuell 64 ukrainische Staatsangehörige, die in der VG leben, aber über eigene Unterkünfte verfügen. Somit liege die Gesamtzahl geflüchteter Menschen bei genau 150.