Neustadt Pragmatisch in die Verantwortung

Sich in der Politik engagieren, heißt für Waltraud Blarr (53) Verantwortung übernehmen. Deshalb ist sie erst 1999 bei den Grünen eingetreten, da die Umweltpartei in Berlin im Kabinett Schröder mitregierte. Da passt es, dass die Landschaftsarchitektin seit gestern Abend Neustadts erste grüne Beigeordnete ist. Die Lachen-Speyerdorferin, die seit zehn Jahren dem Stadtrat angehört, ist pragmatisch veranlagt. Für den immer mal wieder aufkommenden Zwist zwischen Weindörfern und der Innenstadt hat sie kein Verständnis: „Ich sehe mich als Vertreterin aller Neustadter.“ Die Flügeldiskussionen in ihrer Partei mag sie auch nicht hören: „Ich neige eher zum Fundamentalismus, aber letztendlich wollen wir doch etwas erreichen und das geht am besten im Stadtvorstand.“ Blarr macht keinen Hehl daraus, „dass sie vom Koalitionsangebot überrascht war“. Fair und konstruktiv hätten sich die CDU-Vertreter als Partner angeboten. In der eigenen Partei sei Überzeugungsarbeit erforderlich gewesen. „Und deshalb müssen wir jetzt auch Ergebnisse liefern, da stehen wir als Grüne ganz anders unter einem internen Druck“, erklärt die Kommunalreferentin bei der Landespartei in Mainz. Dass der Koalitionsvertrag aus ihrer Sicht viele grüne Elemente aufweist, sei schon mal eine gute Voraussetzung. Den Hauptberuf in Mainz wird sie von 40 auf 30 Wochenstunden reduzieren. Aufzuhören ist kein Thema: „Die zehn Stunden und auch sicherlich am Wochenende – das wird reichen. Wenn wir merken, dass wir unsere Vorstellungen nicht umsetzen, kann die Koalition ganz schnell wieder beendet sein. Bei uns braucht niemand einen Job“, macht Blarr deutlich. Gleichzeitig verschweigt sie nicht, dass auch die für sie gestern überraschende Übertragung der Schulabteilung die zeitliche Belastung für das Ehrenamt an Grenzen führen kann. Blarr ist in Saarbrücken geboren und aufgewachsen und hat in Nürtingen Landespflege mit dem Schwerpunkt Naturschutz studiert. Bei einem einjährigen Praktikum bei der damaligen Bezirksregierung in Neustadt lernte sie ihren Mann, einen gebürtigen Neustadter, kennen. Sie hat mit ihm drei Kinder im Alter von 18, 25 und 28 Jahren. Als Beauftragte für die Agenda 21 stand Blarr bis 2001 schon mal für zwei Jahre im Dienste der Stadt. Als die Kinder jünger waren, arbeitete sie freiberuflich für Behörden und Ingenieurbüros und weiß, was als künftige Dezernentin für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz auf sie zukommt. Die künftige Schuldezernentin war bis Sommer Vorsitzende des Elternbeirats des Leibniz-Gymnasiums. Bis zum Wechsel nach Mainz im Vorjahr arbeitete Blarr beim Pfälzerwald-Verein als Referentin für Familien, Jugend und Öffentlichkeitsarbeit. Ihre Hobbys: wandern, lesen und gute Filme schauen. (Archivfoto: LM)