Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Poller sorgen weiter für Ärger: Gastronomen werfen Stadt fehlenden Dialog vor

Für einige Deidesheimer Gastronomen stellen die Poller am Marktplatz ein großes Ärgernis dar.
Für einige Deidesheimer Gastronomen stellen die Poller am Marktplatz ein großes Ärgernis dar.

Die Poller am Deidesheimer Marktplatz sorgen weiter für Diskussionen und mit ihnen die Verkehrsführung in der Innenstadt. Wie die Gastronomen nun zusammenarbeiten wollen.

Vor allem der Eindruck, bei Entscheidungen nicht ausreichend einbezogen worden zu sein, sorgte bei der Zusammenkunft für deutliche Worte. Ausgangspunkt ist ein Beschluss des Stadtrats aus dem Frühjahr 2025. Damals wurde entschieden, den Marktplatz im Rahmen eines Testbetriebs dauerhaft für den motorisierten Verkehr zu sperren. Seither bleiben die Poller in der Regel oben, lediglich Anwohner dürfen passieren. Damit wurde die zuvor geltende zeitlich begrenzte Sperrung aufgehoben. Parallel dazu wird seit Jahren über ein Verkehrsleitsystem diskutiert, konkrete Maßnahmen blieben bislang jedoch aus.

Zu einem Stammtisch hatte Rüdiger Beck, Betreiber des Restaurants „Zum Woibauer“, eingeladen. Gekommen waren unter anderem Fritz Theiß („La Taberna“), Luisa Hahn („Deidesheimer Hof“), Stefanie Kern („Schloss Deidesheim“), Frank Riffelmacher und Max Schmidt („Zur Kanne“) sowie Oliver Wittmer („OW-Genuss“). Ziel des Treffens war es, den Austausch unter den Betrieben zu bündeln und gegenüber der Stadt künftig geschlossen aufzutreten.

„Unsere Vorschläge wurden ignoriert“

„Wir sind bereit, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten“, sagte Beck. Aus seiner früheren Tätigkeit in St. Martin kenne er eine andere Form der Zusammenarbeit: „Wenn es ein Problem gab, haben wir uns mit dem Bürgermeister zusammengesetzt und gemeinsam eine Lösung gesucht. Genau das wünschen wir uns auch hier.“

Im Verlauf des Treffens wurde deutlich, dass es zwar Gespräche mit Stadtbürgermeister Dieter Dörr (CDU) und den Beigeordneten gegeben hatte. Doch mehrere Teilnehmer schilderten übereinstimmend, dass ihre Anregungen und Hinweise aus ihrer Sicht bislang nicht ausreichend gewürdigt wurden. „Wir haben unsere Anliegen vorgetragen, aber passiert ist nichts“, sagte einer der Anwesenden. Ein anderer formulierte es noch deutlicher: „Man hat uns angehört, aber am Ende wurden unsere Vorschläge ignoriert.“

Stadtbürgermeister über Kritik überrascht

Der Wunsch nach mehr Mitsprache ist deshalb klar formuliert. „Wir möchten gehört werden, wenn Entscheidungen getroffen werden, die direkte Auswirkungen auf unsere Betriebe haben“, sagte Luisa Hahn vom „Deidesheimer Hof“. Auch Stefanie Kern betonte: „Wir sitzen täglich mit unseren Gästen hier und erleben die Situation unmittelbar. Diese Erfahrungen sollten stärker berücksichtigt werden.“

Stadtbürgermeister Dieter Dörr zeigte sich überrascht von diesen Aussagen. „Seitens des Bürgermeisters und des Ordnungsamtes wird den Gastronomen jederzeit angeboten, sich bei konkreten Problemen zu melden“, erklärte er. In der Vergangenheit habe man so „bereits mehrfach kurzfristig praktikable Lösungen gemeinsam gefunden“. Auch zuletzt habe es „diverse Gespräche mit Gastronomen zum Thema Poller am Marktplatz“ gegeben. Man bleibe offen für weitere Gespräche.

Ein zentrales Thema des Abends war die Zukunft der Poller-Regelung. Mehrere Teilnehmer erinnerten daran, dass die dauerhafte Sperrung als Testphase bezeichnet worden sei. „Wie lange soll dieser Test noch dauern?“, fragte Luisa Hahn. „Wer wertet ihn aus und welche Konsequenzen werden daraus gezogen?“

Verwaltung schlägt Festhalten an Regelung vor

Luisa Hahn schilderte die Situation aus Sicht ihres Hauses: „Wir weisen unsere Gäste darauf hin, über die Bahnhofstraße zu kommen. Aber viele verstehen nicht, warum sie erst um den Ort herumfahren müssen.“ Gerade für auswärtige Besucher sei die Verkehrsführung schwer nachvollziehbar.

Dörr verwies darauf, dass die Poller derzeit ordnungsgemäß funktionierten. „Eine abschließende Bewertung erfolgt durch den Stadtrat im Rahmen der politischen Beratung“, erklärte er. Zuvor werde sich die Verkehrskommission mit dem Thema befassen und eine Empfehlung aussprechen. „Hierzu bleibt zunächst die Beratung in der Verkehrskommission sowie die Entscheidung des Stadtrates abzuwarten.“ Die nächste Sitzung der Verkehrskommission steht am Montag, 23. Februar, an. Laut Ankündigung im Ratsinformationssystem schlägt die Verwaltung vor, an der derzeitigen Regelung festzuhalten. Die Polleranlage diene der Verkehrsberuhigung, der Unterbindung unzulässiger Durchfahrten sowie dem Schutz von Fußgängern und Gästen der Außengastronomie, so die Begründung.

Neben den Pollern kritisierten mehrere Teilnehmer die fehlende Orientierung für Besucher. Frank Riffelmacher brachte es auf den Punkt: „Es fehlt ein Verkehrsleitsystem.“ Gäste würden häufig vor seinem Betrieb aussteigen, wüssten aber nicht, wohin sie anschließend fahren sollen. „Die Gäste wissen oft nicht, wo sie parken können. Gerade Ortsfremde sind orientierungslos.“ Riffelmacher weiter: „Wir erklären es unseren Gästen, aber viele sind verunsichert oder finden den Weg nicht auf Anhieb.“ Die aktuelle Situation sei für Besucher schwer nachvollziehbar.

Gesprächsbereitschaft von Seiten der Stadt

Dörr erklärte dazu, ein dauerhaftes Verkehrsleitsystem sei vor allem bei konstant hohem Verkehrsaufkommen erforderlich. „In Deidesheim treten erhöhte Belastungen überwiegend nur temporär auf und werden dann gezielt geregelt.“ Allerdings werde geprüft, „ob Hinweisschilder zu Parkmöglichkeiten, insbesondere an den Ortseinfahrten, sinnvoll umgesetzt werden können“.

Einigkeit herrschte am Ende des Treffens vor allem in einem Punkt: Die Gastronominnen und Gastronomen wollen künftig enger zusammenarbeiten und den Dialog mit der Stadt bündeln. „Wir wollen künftig mit einer Stimme sprechen“, sagte Beck. Ziel sei es, die Erfahrungen aus dem Alltag einzubringen und frühzeitig in Entscheidungen einbezogen zu werden. „Es geht uns nicht darum, gegen die Stadt zu arbeiten“, betonte Beck. „Wir wollen gemeinsam Lösungen finden. Aber dafür muss man uns auch zuhören.“ Auch von Seiten der Stadt wurde Gesprächsbereitschaft signalisiert. Dörr erklärte, man bleibe offen für den Austausch und werde die weiteren Beratungen in den zuständigen Gremien abwarten.

Info

Gastronomen, die künftig dem Stammtisch angehören und sich engagieren wollen, werden gebeten, sich bei Rüdiger Beck unter Telefon 06326 8380 zu melden.

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