Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Politische Botschaften mit Wohlklang: Duo Abyr & Sebka im Casimirianum

Das allererste Deutschlandkonzert: Abyr & Sebka in Neustadt.
Das allererste Deutschlandkonzert: Abyr & Sebka in Neustadt.

Das Konzept, dem jungen französischen Chanson in Neustadt ein Forum zu bieten, geht auf: Auch das dritte Konzert der neuen Reihe im Casimirianum war am Freitag wieder ausverkauft. Zu Gast diesmal: das sympathische Duo Abyr & Sebka aus Paris mit seinem allerersten Deutschland-Konzert.

Den Anfang macht Sebka allein. Der Künstler, bürgerlich Sébastien Piettre, ein Selfmademan des Chansons, der schon immer singen wollte, aber auch schon als Bestatter und Lkw-Fahrer tätig war, beginnt mit „Je danse“, einem schwungvollen Lied, das vom Tanzen bis zur Besinnungslosigkeit handelt, um der Langeweile des Alltags zu entgehen und auch den Festlegungen der Identität. Es stammt vom 2021 veröffentlichten Debütalbum „Un peu des deux“ („Ein bisschen von beiden“), dessen Titelsong gleichfalls mit den Geschlechterrollen spielt – und mit dem Yin und Yang in jedem von uns.

Sebkas Lieder zeichnen sich durch intelligente Texte bei sparsamer Gitarrenbegleitung aus. Das freche „Jeune et belle“ zum Beispiel erzählt von einer jungen Frau, die ihren alten Mann aufs Abstellgleis schiebt, „Mon Psy“ voller Komik von den Erfahrungen beim Psychoanalytiker. Dabei reihen sich Sebkas Lieder mit ihrer Poesie, ihrem Charme und ihrer Eleganz bruchlos in die lange, ehrwürdige Traditionslinie des Chanson française ein, was unterstrichen wird durch eine ganze Reihe von Klassikern des Genres, die der Sänger ins Programm einstreut, darunter als Reverenz ans deutsche Publikum „Göttingen“ von Barbara. Claude Lemesle, der Übervater des französischen Textchansons, sprach im Bezug auf Sebka von „klassischem Klassizismus“, lobte aber auch die sehr zeitgenössischen Themen. Bei einem Kurs von Lemesle haben sich Abyr und Sebka 2018 auch kennengelernt.

Ein paar orientalische Klänge

Die Sängerin mit libanesischen Wurzeln kommt – geschickt eingeführt durch Sebkas Hommage „La Chanteuse“ – erstmals ganz am Ende des ersten Sets zum Einsatz beim Duett „Le triangle du désir“ („Das Dreieck des Verlangens“), das davon handelt, dass die Liebe zwischen nur zwei Menschen im Grunde eine große Illusion darstellt. Nach der Pause steht sie im Rampenlicht, während ihr Partner, von dem die Kompositionen stammen, fast nur noch begleitet. Die Texte Abyrs, die mit fünf mit ihrer Familie vor dem Bürgerkrieg nach Frankreich floh, sind – bei allem Wohlklang – deutlich politischer als die Sebkas und behandeln zum Beispiel die Rolle der Frau in der islamischen Gesellschaft („Lamia“), das Schicksal der Bootsflüchtlinge („Avancer“) oder einer Tochter, die allein wegen ihres Geschlechts eine Enttäuschung für ihren Vater darstellt, sich letztlich aber als diesem ebenbürtig erweist („La femme au bouclier“). Diese „Frau mit dem Schild“ sei sie selbst, erklärt Abyr. Es ist konsequenterweise auch der Titelsong ihrer 2022 erschienenen ersten CD.

Auf Arabisch singt die Sängerin ein Liebeslied der legendären libanesischen Kollegin Fairouz. Ansonsten schlägt sich Orientalisches in der Melodik bei ihr aber kaum nieder, am ehesten vielleicht noch in „Quelqu’un qui m’oublie“, einer Reminiszenz an ihre Geburtsstadt Beirut und deren Düfte. Auch zwei eigene Gedichte trägt Abyr vor, darunter eines, das für eine Welt ohne Grenzen plädiert.

Erfolgreiche Reihe

Am Ende des Abends ist das Publikum begeistert. Das Duo darf erst nach zwei Zugaben von der Bühne und kann danach etliche Tonträger an Mann und Frau bringen. Auch das nächste Konzert mit der Pariserin Justine Jérémie am 16. Februar ist übrigens schon ausverkauft. Und aufgrund des guten Zuspruchs soll die Reihe „Vendredi, je chante“, wie bekannt gegeben wurde, im Winterhalbjahr 2024/25 fortgesetzt werden. Erster Termin ist der 4. Oktober.

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