Neustadt Pläne umsetzen oder neu planen?
RHEINPFALZ-OB-Wahlprüfsteine (1): Die Zukunft des Bahnhofsvorplatzes einschließlich ehemaliges Postgelände ist ein Thema, das der Stadtrat eigentlich schon abgearbeitet hatte. Doch dann ist die Debatte neu entbrannt – Zündstoff auch für die drei OB-Kandidaten.
Der Neustadter Bahnhofsvorplatz ist kein Aushängeschild. Tausende Menschen erleben ihn täglich als Zugang zur Stadt. Seit Jahren herrscht darüber Einigkeit, dass er funktional und gestalterisch dringend aufgewertet werden muss. Ich betrachte dies als eines der Schlüsselprojekte der Stadtentwicklung der kommenden Jahre. Daher will ich die vorhandenen Pläne, die Resultat eines von Fachleuten ausgewerteten Architektenwettbewerbs und erfolgreichen Abstimmungsprozesses mit dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar und der Deutschen Bahn sind, auch zeitnah umsetzen. Dazu gehört auch die von der WBG geplante Gewerbeimmobilie mit einem Parkhaus. Die von mir vorgeschlagene Stadtentwicklungsgesellschaft kann die WBG später von der Aufgabe entlasten, falls der Stadtrat, entgegen seiner Einschätzung der Leistungsfähigkeit der WBG im Jahr 2015, heute zu einem anderen Ergebnis kommt. Ich spreche mich in jedem Fall entschieden gegen den nun von Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer ins Spiel gebrachten Planungsstopp und die Neuplanung unter Einbezug des Geländes der Esso-Tankstelle aus. Das würde nach Einschätzung von Fachleuten die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes um mindestens acht Jahre verzögern. Dies erschüttert nicht nur das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit von Politik und Verwaltung, es wäre auch mit Blick auf die Herausforderungen für unsere Innenstadt und den Saalbau ein riesiger Fehler. Pascal Bender, SPD: Der Bahnhofsvorplatz ist ein zentraler Platz unserer Stadt, das gilt für unsere Gäste und für die Menschen vor Ort. Dieses Entree unserer Stadt muss endlich attraktiv und einladend umgestaltet werden. Die Zukunft unseres Bahnhofsplatzes stelle ich mir als das Zentrum eines modernen, kundenfreundlichen öffentlichen Personennahverkehrs vor, als den einladenden Eingang zur Innenstadt und als attraktiven Zugang zum Saalbau. Der Platz wird zur Begegnung einladen und zum bequemen Wechsel von Verkehrsmitteln. Eine ansprechende, bürger- und tourismusfreundliche Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes und seiner Umgebung wird eine meiner wichtigen Aufgaben als neuer Oberbürgermeister sein. Meine Schwerpunkte werden dabei sein: Ersten: Abschluss der Planung, insbesondere zur Lenkung des Verkehrs. Zweiten Entscheidung über die Bebauung des westlichen Bereichs. Drittens: Einbeziehung des östlichen Bereichs in die Planung. Viertens: Optimale räumliche Unterstützung des Saalbaus als zentrales Veranstaltungszentrums. Fünftens: Bereitstellung von Pkw- und Fahrradstellplätzen. Mir ist wichtig, dass wir – nach Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in die Entscheidungsfindung für die noch offenen Punkte – von der Planungsphase auch zeitnah in die Umsetzung gehen. Ingo Röthlingshöfer, CDU Wir benötigen dringend einen Masterplan für den Bahnhofsvorplatz, was Projekt, Zeit und Finanzierung betrifft. Der Platz muss ein Hingucker werden, der zudem alle Anforderungen erfüllt. Er muss die Bedürfnisse der Fahrgäste des Bahn- und Busverkehrs befriedigen, etwa mit Sitzgelegenheiten und Unterstellmöglichkeiten. Der Busverkehr muss nach modernen Maßstäben reibungslos und bequem abgewickelt werden. Gleichzeitig muss es für Fahrräder gute Abstellmöglichkeiten geben. Und natürlich muss der Platz die Möglichkeit bieten, das Deutsche Weinlesefest und Veranstaltungen im Saalbau feiern zu können. Dazu gehören auch ausreichend Parkmöglichkeiten. Da die Stadt Neustadt es geschafft hat, ehemalige Bahngrundstücke um den Platz herum zu erwerben, tun sich für uns neue Möglichkeiten im Vergleich zur bisherigen Planung auf. Wir haben die Chance, ein Herzstück unserer Stadt für die kommenden Jahrzehnte attraktiv zu gestalten. Das sollten wir mit Engagement, aber auch überlegt angehen, was natürlich auch etwas Zeit braucht. Dennoch könnten schon jetzt erste Maßnahmen umgesetzt werden: Bänke für die Busfahrgäste, Pausenmöglichkeiten für die Fahrer und mehr Fahrrad-Abstellplätze. Ich befürworte ein neues Geschäftsgebäude am westlichen Rand des Platzes neben der Post. Aber wenn sich das Gebäude wirklich lohnt, wird sich ein Privatinvestor finden.