Wachenheim
„Pindakaas Saxophon-Quartett“ bei Wachenheimer Serenade: Vielfalt an Stilen und Klängen
Zusammen mit den Besuchern und Besucherinnen machte sich Pindakaas (Holländisch für Erdnussbutter) auf eine „Voyage“, also Reise, durch festliche und adventliche Musik aus vier Jahrhunderten. Im Grunde waren es sogar fünf, denn die ersten Stücke entstanden schon in der Renaissance, lange vor Erfindung des Saxophons, die jüngsten im 20. Jahrhundert.
Schon mit dem ersten Lied, dem „Agincourt Song“ eines anonymen Komponisten aus dem 16. Jahrhundert, zeigten Thorsten Floth am Sopran-, Guido Grospietsch am Alt-, Anja Heix am Tenor- und Matthias Schröder am Baritonsaxophon, wie ausdrucksvoll sich mit diesem Holzblasinstrument auch alte Musik gestalten und in Szene setzen lässt. Beginnend wie ein spätmittelalterlicher Schreittanz, dem Tenor- und Baritonsaxophon die nötige Erdhaftung geben, entwickelt sich die Melodie zunehmend zu einer kriegerischen Weise. Ja, die vier Saxophone malen Bilder einer ganzen Band, die Kämpfer in die Schlacht begleitet. Tatsächlich, erklärt Matthias Schröder dem Publikum, ist das Lied eine Fanfare, die auf die Schlacht von Agincourt oder Azincourt im 100-jährigen Krieg zurückgeht, bei der die Engländer 1415 dem Ritterheer des französischen König ganz kräftig eins auf die Mütze gaben. Und er fügt hinzu: „Uns war wichtig zu zeigen, wie variabel Saxophone sind.“ Das ist dem Quartett auf Anhieb gelungen. Und auch weitere Stücke aus der noch saxophonlosen Zeit wie das schön verzierte „Bonjour, mon cœur“ von Orlando di Lasso und Clement Jannequins munteres „Je ne fus jamais si aise“ erhalten viel Beifall.
An ein fröhliches Fest zum Ende der Erntezeit erinnert François Couperins Rondeau „Die Schnitter“. Die weit ausholende Bewegungen, die man sich dazu vorstellen kann, sind musikalisch weitaus leichter gestaltet, als es die schwere Arbeit gewesen sein dürfte. Eine erste Komposition eigens für Saxophon (Alphonse Sax erfand es 1840 in Belgien) sind die „Histoires“ von Jacques Ibert, kleine Szenen mit so fantastischen Namen wie „Die Anführerin der goldenen Schildkröten“. Die Instrumente ahmen die schweren Schritte nach, langsam und fließend, die Füße nicht allzu hoch angehoben und ein wenig schwankend. Was dieser kleinen Geschichte Schwermut, aber auch Würde verleiht. Ganz anders die Episode „Bajo la mesa“ (Unter dem Tisch). Sie erinnert mit orientalischen Anklängen an eine durch die Wüste ziehende Karawane, es könnte sich aber ebenso um sich balgende Katzen handeln.
Weiter geht die Reise nach Spanien. Die warme Klangfülle der Saxophone lässt die von Isaac Albéniz in der „Suite Española“ op. 47 beschriebenen Städte in neuem Licht erscheinen. Dem Publikum bekannter sind Ausschnitte aus Werken wie Leonhard Bernsteins „West Side Story“ und Melodien von George Gershwin wie der zum Mitwippen einladende Swingtitel „Oh, Lady be good“. Der ist mit dem Saxophon viel bekannter als beispielsweise Aaron Coplands „Our Town“ über das beschauliche, etwas verschlafene Leben in einer amerikanischen Kleinstadt.
Mit Spannung und großer Faszination aufgenommen wurde auch die „Milonga Picaresque“ des Argentiniers Astor Piazolla. Dessen „Oblivion“ und „Libertango“ ließen in der Saxophonversion deutlich die Einflüsse des Jazz in den Tango hören, erinnerten aber auch an die Bars, in denen der Tango ursprünglich heimisch war. Und es gab Weihnachtliches. Das „Adeste fideles“ füllte den Kirchenraum wie eine Orgel, zwei englische Weihnachtslieder sorgen für musikalische Entspannung, bis mit Klängen wie Kirchenglocken das Schlusslied einsetzte: „Tochter Zion“.
Es gab sehr viel Beifall, auch Bravorufe, für dieses außergewöhnliche Konzert, das so mancher vor allem aus Neugier besucht hatte, das aber auch die zunächst noch Skeptischen schnell davon überzeugen konnte, dass das Saxophon längst nicht nur für moderne Musik und Jazz geeignet ist. Ach ja, der Name „Pindakaas“. Den hat, sagt Guido Grospietsch auf Nachfrage, ein Gründungsmitglied des Quartetts aus den Niederlanden mitgebracht. Und er gefiel.