Südwest
Pfalz Touristik: Ausstieg Kaiserslauterns „für die Westpfalz eine Katastrophe“
Spektakuläre Felsen, tief eingeschnittene Täler und vor allem: Wald, so weit das Auge reicht. So wird der 143 Kilometer lange Pfälzer Waldpfad, einer der Fernwanderwege in der Region, von der Pfalz Touristik beworben. Startpunkt ist in Kaiserslautern. Noch. Denn die Stadt hat ihre Mitgliedschaft in der zentralen Vermarktungsorganisation für die Pfalz zum 1. Januar 2025 gekündigt. Eine Konsequenz ist, dass sie damit von der touristischen Pfälzer Landkarte und auch von jener der übergeordneten Rheinland-Pfalz Touristik GmbH verschwindet.
Bei der Mitgliederversammlung der Pfalz Touristik in Otterberg (Kreis Kaiserslautern) ist diese Entscheidung des Kaiserslauterer Stadtrats auf wenig Verständnis gestoßen. Dass das Oberzentrum aus der Solidargemeinschaft aussteigt, weil es zu wenig positive Effekte für sich selbst bei einem um 18.500 Euro gestiegenen jährlichen Mitgliedsbeitrag sieht, wurde als negativer Effekt bewertet. „Vor allem für die Westpfalz ist das eine Katastrophe“, so Vorstandsmitglied Harald Westrich, SPD-Bürgermeister der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg. Ähnlich wie Kaiserslautern argumentiert derweil auch die Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach: Ihr Beitrag würde sich fast verdoppeln, obwohl die vielen Hotels und deren hohe Auslastung fast ausschließlich auf die Stationierungsstreitkräfte zurückzuführen seien. Ramstein ist ebenfalls überzeugt, dass die Westpfalz bei der Pfalz Touristik zu kurz kommt.
Keine Sonderlösungen
Kaiserslautern als zentraler Ort wird nicht nur beim Waldpfad fehlen. Ebenfalls noch keine Antwort hat die Pfalz Touristik beispielsweise dafür, wie der Ausstieg Kaiserslauterns bei dem Projekt, die Pfalz als Radreiseregion des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs zu adeln, ausgeglichen werden kann. Eine klare Absage gab es für die Kaiserslauterer Idee, trotz des Ausstiegs „in einem kleineren Kreis über Projekte zu sprechen“, von denen der städtische Tourismus profitieren könnte, wie es Julia Bickmann, die Kaiserslauterer Touristik-Chefin, bei der Mitgliederversammlung vorschlug.
Hintergrund der Debatte ist, dass sich der Verein Pfalz Touristik neu aufstellt. Um sich im Wettbewerb der Regionen zu behaupten, soll die Dachmarke Pfalz einheitlich beworben werden, nicht mehr jede Kommune oder ihr Touristikverband ihr eigenes Ding machen. Dazu gehört unter anderem ein einheitliches Erscheinungsbild (Corporate Design), bei dem der genaue Zielort, ob Donnersbergkreis oder Weinstraße, an zweiter Stelle folgt. Die Pfalz Touristik erstellt folglich den Rahmen, die Mitglieder füllen ihn aus. Die Unterschiedlichkeit der Pfalz mache ihren großen Reiz aus, unterstrich der Vorsitzende der Pfalz Touristik, Bad Dürkheims Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU): „Touristen haben die ganze Pfalz im Blick, nicht nur die Weinstraße.“ Deshalb müsse man den eingeschlagenen Weg „ambitioniert weitergehen“.
Touristischen Service bündeln
Durch gezielte Arbeitsteilung soll der oft kleinteilig organisierte Pfälzer Tourismus ein Ende haben. Dafür stellt sich die Pfalz Touristik neu auf und hat den Mitgliedsbeitrag erhöht, um das Budget auf knapp 1,4 Millionen Euro pro Jahr zu verdoppeln. Die Arbeitsteilung entspricht der Tourismusstrategie auf Landesebene. Diese sieht unter anderem sogenannte Tourismus-Service-Center (TSC) vor, in denen sich kommunale Touristiker für ein gutes Angebot zusammenschließen. In der Pfalz ist unter anderem das TSC Pfälzer Bergland im Werden. Zu ihm sollen die Verbandsgemeinden im Kreis Kusel sowie die Verbandsgemeinden Bruchmühlbach-Miesau, Weilerbach und Otterbach-Otterberg im Kreis Kaiserslautern gehören.
Über die Zukunft des Tourismus in ihrer Gebietskörperschaft müssen letztlich die politischen Gremien, wie Stadtrat oder Verbandsgemeinderat, entscheiden. Das gilt auch für ein TSC oder die Mitgliedschaft bei der Pfalz Touristik. „Wir müssen mit der Politik immer im Gespräch bleiben und für die Mitgliedschaft werben“, beschrieb Ihlenfeld eine Daueraufgabe. Im Fall von Kaiserslautern sei die städtische Gesprächsbereitschaft aber sehr schnell erschöpft gewesen. Dass sich der Ausstieg für die Stadt finanziell lohnt, denkt Ihlenfeld nicht. 70.000 bis 80.000 Euro könnte es die Stadt kosten, „wenn man alles von außen einkaufen müsste“, was die Pfalz Touristik als Rahmen anbiete.
Der Mitgliedsbeitrag
Der Mitgliedsbeitrag der Pfalz Touristik ist in verschiedene Segmente aufgeteilt. Der Grundbeitrag richtet sich nach der Gebietskörperschaft, wie Landkreis, kreisfreie Stadt, Verbandsgemeinde oder Ortsgemeinde. Ist die übergeordnete Gebietskörperschaft auch Mitglied, reduziert sich der Grundbeitrag für ihre Kommunen. Hinzu kommen eine Kopfpauschale je Einwohner sowie Pauschalen je Übernachtung und Bett. 90 Prozent des ermittelten Beitrags kommen dann noch als Werbepauschale dazu. Diese macht damit fast die Hälfte des Mitgliedsbeitrag aus. Die jüngste Änderung Ende 2023 betraf vor allem anderen höhere Sätze.