Neustadt
Ortsbeirat Diedesfeld: Lieber Radweg als Parkplatz
Die Runde am Mittwochabend war ein Beleg dafür, dass auch in reinen Videositzungen intensiv und kontrovers diskutiert werden kann – einschließlich Sitzungsunterbrechung. Das Ergebnis der dreieinhalbstündigen Beratungen ist dabei durchaus kurios: So bekam Konstantin Boltenhagen, Abteilungsleiter Tiefbau, viele Komplimente für die Pläne, wie ab Herbst die Weinstraße komplett saniert werden soll. Zwei Jahre sind für die Arbeiten auf dem 835 Meter langen Teilstück der L 512 in der nördlichen Ortshälfte vorgesehen. Südlich davon ist die Weinstraße schon erneuert worden.
Laut Boltenhagen nutzt die Stadt die anstehenden Arbeiten für einen großen Wurf, bei dem auch Kanäle sowie Gas- und Wasserleitungen erneuert werden. Außerdem werden die Bushaltestellen barrierefrei ausgebaut. Die Straße müsse dringend von Grund auf saniert werden, „sie ist aktuell nicht mehr sicher genug für den Verkehr“, betonte Boltenhagen. Die Arbeiten werden in fünf Abschnitte unterteilt und beginnen an der Weißkreuzstraße. Fahrbahn und Gehwege werden nach dem Ausbau ein ganz neues Gesicht haben, den Ort also nachhaltig verändern.
Zwölf Stellplätze fallen weg
Und damit hatte Boltenhagen zum großen Streitpunkt des Abends übergeleitet: die Parkplätze. Da laut dem Tiefbau-Chef zwölf Stellplätze durch die Umgestaltung der Ortsdurchfahrt wegfallen werden, sieht der Verwaltungsentwurf einen großen Parkplatz am nördlichen Ortseingang vor. 24 Stellplätze soll es an der Abzweigung zur Ritterbergstraße geben. So zumindest der Wunsch der Planer. Bei CDU und SPD stießen sie damit auf offene Ohren.
Doch FWG und Grüne halten von einem zentralen Parkplatz gar nichts. Sie haben die Verwaltungsvorlage daher in diesem Punkt am Mittwochabend gekippt. Sie fordern dort stattdessen den Bau eines Radwegs nach Hambach. Baudezernent Bernhard Adams (parteilos) sagte am Donnerstag auf Anfrage, dass er dem städtischen Bauausschuss bei seiner Sitzung kommende Woche empfehlen werde, den Diedesfelder Entschluss umzusetzen. „Denn es geht ja um die Ortsentwicklung, und dafür haben wir den Ortsbeirat.“ Der Parkplatz sei Teil der Planung gewesen, da gute Argumente für ihn sprächen. Aber wenn er vor Ort nicht gewünscht sei, könne man sich zunächst auf die Weinstraßensanierung konzentrieren und den Parkplatz zurückstellen. Da es sich um städtisches Gelände handele, „könnte man den Parkplatz auch später noch errichten“, so Adams.
Neues Parkraumkonzept entwickeln
Im Ortsbeirat wurde deutlich, dass sich die beiden Lager (FWG und Grüne mit sieben Stimmen sowie CDU und SPD mit fünf Stimmen) bei dem Thema unversöhnlich gegenüberstanden. Sabine Baßler (CDU) warnte sogar vor dem Wegfall von 21 Parkplätzen durch den Umbau der Weinstraße. Daher sei der große Parkplatz an der Rittersbergstraße als Ersatz sehr wichtig. Das Gelände könnte mit einer Sitzgruppe gestaltet werden und so den nördlichen Ortseingang aufwerten. Und man schaffe es so, einen Teil des Verkehrs aus dem Ort herauszuhalten, betonte Baßler.
FWG und Grüne setzen dagegen zunächst einmal darauf, dass die Weinstraße überhaupt saniert wird. Diese Zeit solle man nutzen, um gemeinsam im Ortsbeirat ein neues Parkraumkonzept zu entwickeln, meinte Margarete Hoffmann (FWG). Man habe hierfür zwar noch keine konkreten Ideen. Aber klar sei, dass man keine weitere Flächenversiegelung am Ortseingang mehr wolle. Sie und weitere Redner ihrer Fraktion bezweifelten den Nutzen des eingeplanten Parkplatzes. Der Weg von dort zur Ortsmitte sei zu weit. In Sachen Aufwertung des Ortseingangs sei ein Radweg sinnvoller, ergänzte Hoffmann.
Klare Worte fand Eckart Lube (Grüne): Der große Parkplatz sei wie „alte Zöpfe im neuen Gewand“. Es müsse aber um ein Umdenken gehen. Klaus Ehmer (CDU) war frustriert: „Ich höre von FWG und Grünen keine Vorschläge, um unsere Parkplatzprobleme zu verbessern.“
