Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Orgelherbst-Konzert: Der Tastenakrobat

Lukas Euler bot eine beeindruckende Leistung dar.
Lukas Euler bot eine beeindruckende Leistung dar.

Bereits zum 24. Mal fand die Reihe „Deidesheimer Musikherbst“ statt. Diesmal musste der Wettbewerb aufgrund der Corona-Pandemie erstmals virtuell durchgeführt werden. Der erste Preis des Orgelwettbewerbes 2020 ging an Lukas Euler. Der aus Haßloch stammende Organist zählt trotz seines jungen Alters zu den größten Talenten Europas.

Es war die Rückkehr in seine pfälzische Heimat. Aber Lukas Euler war auch gerne aus Leipzig gekommen. Dort studiert der 25-jährige nicht nur an der Hochschule für Musik und Theater bei Martin Schmeding (Orgel), Thomas Lennartz (Improvisation) und Markus Tomas (Klavier), sondern ist auch seit Februar des vergangenen Jahres Assistenzorganist an der Thomaskirche.

Die Berufung als ständiger Vertreter des Domorganisten Ullrich Böhmer kam nicht von ungefähr. Euler gilt schon heute international als einer der vielversprechendsten Talente der Kirchenmusik. Auch an der historischen Orgel in Deidesheim brillierte Euler wie kaum ein anderer Preisträger der vergangenen Jahre. Er ist der aktuelle Preisträger des von der Stadt Deidesheim und der Frank J. Lyden Stiftung im Kultursommer Rheinland-Pfalz ausgeschriebenen Wettbewerbs. Mit dem Titel „Von Valencia bis Leipzig“, einer musikalischen Europareise mit Werken von renommierten Komponisten der Klassik sorgte er zugleich für ein Novum.

Emotionen an der Orgel

Eigens für das Preisträgerkonzert hatte er Musikstücke ausgewählt, die die Klangvielfalt der Orgel betonten. Der Höhepunkt: „Präludium und Fuge a-moll“ BWV 543 von Johann Sebastian Bach. Euler, ein Virtuose an der Tastatur, ließ keine Möglichkeit aus, bei diesem Stück sein ganzes Können abzurufen. Sein Körper war stets in Bewegung, dazu hochkonzentriert der Blick auf die Notenblätter. Euler, der sonst eher zurückhaltend im Gespräch wirkt, lässt dagegen seine Emotionen an der Orgel sprechen. An seiner Seite Elke Voelker, die Initiatorin und künstlerische Leiterin des Musikherbstes, die ihn beim Blättern der Noten unterstützte. Euler bot einen Querschnitt der Vielfalt des klassischen Liedgutes, mal beschwingt, mal berauscht, aber auch leisere Töne, die die Seele in die Tiefen der Musikgeschichte eintauchen ließ.

Der einstige Abiturient am Hannah-Arendt-Gymnasium in Haßloch beherrscht nicht nur das Fingerhandwerk auf den Tasten, zeitweilig gewann der Zuhörer auch den Eindruck, dass er die Kunst des Step-Tanzes erlernt habe. Denn schon in diesem Jahr hat er den nächsten Orgelwettbewerb für sich entschieden. Der Stipendiat des Evangelischen Studienwerks Villigst und der Jürgen-Ponto-Stiftung war er auch beim Internationalen Orgelwettbewerb in Dudelange/Luxemberg erfolgreich. Er gehört damit zu den ganz wenigen Organisten die seit 2015 alljährlich als Sieger hervorgingen.

x