Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Orgel-Nachwuchs im virtuellen Wettbewerb

Die St. Ulrichskirche ist in diesem Jahr lediglich Schauplatz des Preisträgerkonzerts. Der Wettbewerb wird virtuell ausgetragen.
Die St. Ulrichskirche ist in diesem Jahr lediglich Schauplatz des Preisträgerkonzerts. Der Wettbewerb wird virtuell ausgetragen.

Mit einem Pilot-Projekt macht der 23. Musikherbst Deidesheim von sich reden – statt der Konzertfolge ist 2020 ein Wettbewerb ausgelobt, der Nachwuchs-Organisten über ihre Video-Performance prämiert

Elke Voelker sagt es rund heraus: „Natürlich beflügelte die aktuelle Situation durch Corona diese durchaus ungewöhnliche Idee. Wir haben ein Pilotprojekt etabliert, könnte man auch sagen.“ Der „Deidesheimer Musikherbst“ nämlich, das in und auch jenseits der Region seit Jahren fest verankerte Festivalformat, wird seinen 23. Jahrgang virtuell gestalten. Statt der vertrauten – analogen – Konzertfolge hat die künstlerische Leiterin nämlich einen Orgelwettbewerb ausgelobt – und der wird rein virtuell über die Bühne gehen. „Etwas Vergleichbares gibt es in Deutschland derzeit nicht“, ist sich Voelker sicher. Eine Versuchsanordnung, die sich, obwohl kurzfristig auf die Beine gestellt, als ebenso durchdacht wie attraktiv empfiehlt. Und nicht zuletzt auch eine „Ermutigung sein soll, sich den neuen medialen Herausforderungen zu stellen.“

Angesprochen fühlen dürfen sich Schüler und Studenten, Orgel-Eleven, die bereits auf einem gewissen künstlerischen Level unterwegs und nicht älter als 28 Jahre sind. Ansonsten gibt es keinerlei Restriktionen; der Wettbewerb steht Organistinnen und Organisten aller Nationalitäten und Konfessionen offen, und es werden – ungewöhnlich genug – keinerlei Teilnahmegebühren eingefordert. Einzureichen ist eine technisch einwandfreie Videoaufnahme von maximal 20 Minuten Dauer. Diese soll – eingespielt an einem Instrument der Wahl des jeweils Teilnehmenden – eines der größeren Orgelwerke Johann Sebastian Bachs – eine Toccata oder Präludium und Fuge – enthalten, sodann ein Choralvorspiel oder einen langsamen Satz, komponiert vor 1800, sowie ein Werk bis zur Schaffenszeit um 1950.

Hochkarätig besetzte Jury

Das Juroren-Team ist dank Voelkers verzweigtem Netzwerk international und hochkarätig besetzt: mit Maurice Clement, Philharmonie Luxemburg, Ville Urponen von der Sibelius Musikakademie in Helsinki, Daniel Zaretzki vom Konservatorium in St. Peterburg und Christoph Frommen, der das Schallplattenlabel Aeolus vertritt. Und natürlich Elke Voelker selbst, die das Gremium der Orgel-„Päpste“, die sämtlich sowohl konzertant unterwegs, als auch als Unterrichtende an Hochschulen pädagogisch erfahren sind, als Vorsitzende moderiert.

Binnen einer Woche wird dieses Gremium aus den Bewerbungen im Vorfeld acht Kandidaten für die Endauswahl bestimmen. Die Video-Präsentationen dieser acht Endrundenteilnehmenden werden nebst Kurzbiografien auf der Webseite des Musikherbstes veröffentlicht und dort zum Publikumsentscheid freigegeben. Denn neben den drei Hauptpreisen – mit 1.000, 700 und 400 Euro, zuzüglich CD-Einspielungen bei Aeolus dotiert – gibt es auch einen Publikumspreis. Der bringt dem Gewinner einen 200 Euro-Gutschein beispielsweise für Notenmaterial ein.

Die Preisträger kommen zum Konzert

Bezüglich der klanglichen Qualität der Video-Formate hat Voelker keine Bedenken. „Wir haben alle damit ein Stück weit umgehen gelernt. Worauf es künstlerisch wirklich ankommt, wird übermittelbar sein“, ist sie sich sicher. Und sie begreife den Wettbewerb in hohem Maße als Ansporn, jetzt, in diesen künstlerisch schwierigen Zeiten, Ziele nicht aus dem Auge zu verlieren. „Einfach dran zu bleiben.“

Überreicht werden sollen die Preise am 11. Oktober um 16 Uhr im Rahmen eines Preisträgerkonzerts in der katholischen Pfarrkirche St. Ulrich Deidesheim. In gewissem Rahmen würden Reisekosten ersetzt, bei Ausreiseschwierigkeiten allerdings werde man erneut auf die Teilnahme per Video zurückgreifen, so wie auch die Jury, selbstredend, virtuell tagen wird. Dieses Prozedere spart nicht zuletzt Kosten. Denn auf Konzerteinnahmen kann ja diesmal nicht zurückgegriffen werden. Allerdings sind mit dem Kultursommer Rheinland-Pfalz, der Lotto-Stiftung, Aeolus-Label, Rotary-Club, Sparkasse und VR-Bank, um nur einige zu nennen, eine Reihe hochengagierter Sponsoren stützend zur Stelle.

Info

Bewerbungsschluss ist der 20. September. Infos und Bewerbungsunterlagen sind abrufbar unter www.deidesheimer-musikherbst.de
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