Am Rande der Bande
Ohne Zigarette und Alkohol: Fußball gucken beim 1. FC 23 Hambach
Mit dem Glimmstängel in der Hand am Geländer lehnen und einem Fußballspiel zuschauen. Die ist – leider – ein allzu alltäglicher Anblick auf Fußballplätzen auch im Fußball-Kreis Rhein-Mittelhaardt. Seit Jahresbeginn ist aber zumindest beim 1. FC 23 Hambach Schluss mit dem blauen Dunst auf dem Sportgelände. Am Eingangstor sowie direkt vor dem Spielfeld haben die Hambacher Hinweisschilder aufgestellt. „Es war klar, dass wir nicht sofort einen harten Schnitt hinbekommen“, sagt Vereinsvorsitzender Carsten Conrad mit Blick auf einige wenige Kippenreste am Spielfeldrand. „Wir haben versucht, das Rauchverbot milde einzuführen mit den Hinweisschildern.“ Inzwischen aber gehen „wir aktiv auf die Leute zu und bitten sie, das Sportgelände zum Rauchen zu verlassen“. Draußen vor dem Tor hat der FC 23 eigens eine Raucherecke eingerichtet. „98 Prozent der Leute sehen das sofort ein“, sagt Conrad zu den Gesprächen mit den Rauchern. Den Verein motivieren zwei Dinge für das Rauchverbot. „Einer muss wieder sauber machen“, sagt Conrad über die am Boden liegenden Kippen. „Und es ist Vorbildwirkung für unsere Nachwuchskicker.“
Rauchende Trainer
Der Hambacher Vorsitzende gesteht, dass es auch früher im FC 23 vorgekommen sei, dass Trainer geraucht hätten, während die Kinder an ihnen vorbei in die Kabine gegangen seien. „Wir haben uns gesagt, dass das doch nicht sein kann“, erinnert sich Conrad. Diejenigen, die regelmäßig aufs Hambacher Gelände kämen, wüssten inzwischen von der Nichtraucher-Regelung.
Laut Deutscher Krebsgesellschaft ist Rauchen die häufigste vermeidbare Todesursache in den Industrieländern. In Deutschland starben 2017, so die Krebsgesellschaft, 126.900 Menschen an den Folgen des Rauchens. Damit seien damals 13,4 Prozent aller Todesfälle aufs Rauchen zurückzuführen gewesen. Und fast 40 Prozent aller Krebsneuerkrankungen seien eine Folge vermeidbarer Risikofaktoren, von denen das Rauchen der bedeutendste sei. Rauchen verursache etwa jeden fünften Krebsfall.
Mehr junge Raucher
Es sind eindeutige Zahlen. Und dennoch wird weiterhin geraucht. In der Corona-Pandemie ist laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ die Anzahl der Raucher sogar angestiegen. Über ein Drittel der Menschen über 14 Jahre haben demnach im Sommer 2022 geraucht. „Gegenüber dem Vorjahr ist der Anteil der Raucher und E-Zigarettennutzer unter den Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Jahr 2022 stark gestiegen“, lautet ein Ergebnis der Debra-Studie, der Deutschen Befragung zum Rauchverhalten, gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit und dem Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (2016 bis 2019).
Am Rande der Bande, also ebenfalls rund um die Fußballplätze der Amateurmannschaften, qualmen nach wie vor die Glimmstängel. Und ebenso vor den Ein- und Ausgängen von Sporthallen. Dass in Deutschland seit 2007 in öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln nicht mehr geraucht werden darf, daran hat sich jeder gewöhnt. Seit 2008 qualmt es auch nicht mehr in den Restaurants. Der Rauch steigt dafür anderswo empor: Direkt vor den Sporthallen beispielsweise breiten sich seitdem Qualmwolken aus, durch die jeder gehen muss, der hinein oder hinaus will. Auch Kinder und Jugendliche. Denn direkt vor den Eingängen der Sporthallen treffen sich all die, die sich ihrer Sucht nach Nikotin widmen. Rund um die Fußballplätze wird nahezu überall geraucht, werden die ausgerauchten Kippen zudem meist achtlos auf den Rasen geschnippt.
Kein Alkohol im Ausschank
Die Hambacher tun übrigens noch mehr für die Gesundheit ihrer Mitglieder und Gäste: Sie beteiligen sich an der Aktion mehrerer Sportverbände, „Sport alkoholfrei genießen“. 2020/2021 hätten sie damit begonnen, bei Kinder- und Jugendspielen keinen Alkohol mehr auszuschenken, auch nicht den zuschauenden Eltern. Conrad: „Es gibt nur alkoholfreies Bier und Softdrinks.“
Es habe anfangs große Bedenken gegeben, „ob wir damit nicht deutlich finanzielle Einbußen hinnehmen“, verrät der Vorsitzende. Doch das klare Gegenteil sei eingetreten. Sogar beim kürzlich ausgerichteten Schloss-Cup-Turnier mit 65 Jugendmannschaften habe fast keiner mehr nach einem alkoholischen Getränk gefragt. „Im Gegenteil. Es gab lobende Worte von den Eltern und unseren Gästen“, freut sich Conrad über die gute Resonanz. „Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist die Jugendarbeit“, ergänzt er. Seit zwei Jahren arbeite der Verein mit dem Suchthilfeverband Blaues Kreuz zusammen. „Das Blaue Kreuz war bei unseren Turnieren dabei, klärte Eltern und Jugendliche über die Risiken von Alkohol auf.“ Aufklärung gebe es auch regelmäßig für die Hambacher Mannschaften. Im Vorstand habe es viele Diskussionen gegeben, ob sie das Rauchverbot und den Ausschank ohne Alkohol wagen könnten. Die Erfahrung der Hambacher zeigt: „Die große Mehrheit haben wir hinter uns.“ Carsten Conrad: „Den Genuss einer Schorle oder einer Zigarette über das Kindeswohl zu stellen, wagt keiner.“ Ein Fußballspiel könne jeder sowohl ohne Zigarette als auch ohne Alkohol genießen.