Neustadt Nudel-Ralli und Wurst-Jan

Angekündigt sind sie als rollende Discounter. Im Angebot haben sie „Schnäppchen mit superfrischer Qualität zum günstigen Preis“: Die Marktschreier klopften wie in den vergangenen Jahren zwei Tage lang auf dem Jahnplatz routiniert ihre Sprüche. Drum herum gab es ein Sammelsurium von Anbietern, was eher an einen Flohmarkt erinnerte.
Wenige Besucher laufen am Samstagnachmittag über den Platz, die Sonne scheint, es ist heiß und schwül – nicht gerade ideal, um die Menschen aus ihren kühlen Wohnungen zu locken. Die Marktschreier sind da: Käse-Mika mit Spezialitäten aus ganz Europa, Wurst-Jan mit Wurst- und Schinkenspezialitäten, Nudel-Ralli mit original italienischer Teigware und Blumen-Jan, der Pflanzen bündelweise als Schnäppchen anbietet. Schon auf dem Weg begegnet uns ein junges Paar mit vier prächtigen Pflanzen, die schon vor der offiziellen Eröffnung ergattert wurden. Der Jahnplatz ist gefüllt mit den wenigen Verkaufswagen der Marktschreier, darüber hinaus mit Ständen, an denen Lederwaren, Kleider, Schuhe, Schmuck oder Spielzeug als Massenware angeboten werden. Leicht zu übersehen die „Spreewald-Gurken“ oder der Bergkäse aus dem Bregenzerwald im Vorarlberg. Dazwischen der Duft der Bratwurst vom Holzkohlengrill und Fischspezialitäten. Marktschreierflair vermischt mit Flohmarkt- und Ramschatmosphäre. Wenige Besucher suchen die Schattenplätze, vielleicht angelockt vom angekündigten Freibier. Nudel-Ralli ist in seiner Begrüßung sichtlich bemüht, an die Tradition vergangener Jahre anzuknüpfen und mit frechen Sprüchen seine Kollegen anzukündigen. Trotzdem ist Resignation zu spüren, wie wohl die Zukunft der Marktschreier-Gilde aussehen wird. Da helfen auch kaum die Worte des Ersten Beigeordneten Tobias Meyer: „Haßloch ist bunt und vielseitig, in Haßloch ist immer was los.“ Ralf Bornemann, so heißt Nudel-Ralli im wirklichen Leben, reist während der Saison von Februar bis November ebenso wie seine Kollegen durchs Land, der Lkw ist sein Zuhause. Tagsüber verkauft er dort seine Waren, nachts schläft er im Führerhaus. Er erinnert sich, dass die Marktschreier früher gute Umsätze gemacht haben mit ihrer Schlagfertigkeit, die die Menschen begeistert hat. Gerade stehen ein paar Damen am Stand. Schnell preist er seine italienischen Nudeln an, die seien alle in Bronzeformen hergestellt, beste Qualität. Eine Kundin ist überzeugt, lässt sich einen Plastikkorb, der später für die Gartenarbeit oder als Wäschekorb eingesetzt werden kann, mit Nudeln füllen. „Gratis“ dazu gibt es ein Glas Pesto, das einen „romantischen Abend zu zweit“ garantiert. Eine andere Dame ist nicht von Qualität und Preis zu überzeugen. „Ich habe noch Reste vom letzten Jahr.“ (uhk)