Neustadt
Niederkirchener Schule und TuS St. Martin „Newcomer“ in Sportabzeichenstatistik
Breitensport: Zwei spektakuläre „Newcomer des Jahres“, eine rätselhafte Differenz bei der TSG Neustadt zwischen den dem Sportbund Pfalz gemeldeten und dann den tatsächlich veröffentlichten Zahlen sowie eine freie Stelle als Sportabzeichenbeauftragte. Dies kennzeichnet die Sportabzeichen-Statistik 2018 in unserer Region.
Neustadt/Hassloch/ Deidesheim. Das Kernproblem zieht sich wie ein roter Faden durch Schulen und Vereine: Zu kompliziert, zu aufwendig, kaum Nachfrage. So fallen gleich drei weiterführende Schulen aus der Sportabzeichen-Wertung. das Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium, Leibniz-Gymnasium und Hannah-Arendt-Gymnasium tauchen nicht mehr in der Statistik auf.
Dafür glänzt die Don-Bosco-Grundschule in Niederkirchen mit 70 Teilnehmern und sichert sich die Auszeichnung für die stärksten „Newcomer“ in der Gruppe der „kleinen Schulen“ bis 150 Schüler. Der Erfolg kommt über Sportlehrerin Yvon Zimmler zustande. Die 48-Jährige ist erst 2017 in Niederkirchen und nahm das Heft in die Hand. „Für fachfremde Kollegen ist das schon eine schwierige Angelegenheit“, sagt sie. Und meint damit die vielen Änderungen beim Sportabzeichen, die neuen Kategorien und Sportarten. „Wer Sport nicht studiert hat, geht dann schon mit Skepsis an die Aufgabe heran.“
Am Wandertag zur Schwimmprüfung ins Freibad
Ein weiteres Problem: Zum Schwimmen müssen die Schüler nach Deidesheim. Die Schule organisierte zwei Wandertage. Zunächst gingen die ersten und zweiten, am nächsten Tag die restlichen Klassen ins Schwimmbad. „Aber es gibt auch Kinder, die am Ende der Grundschule noch nicht schwimmen können oder am Wandertag gefehlt hatten. Bei zehn Jungen und Mädchen fehlte am Ende die Schwimmbescheinigung“, erklärt Yvon Zimmler. Die Niederkirchenerin sagt auch, warum sie das Sportabzeichen wichtig findet: „Die Kinder können ihre Leistungen vergleichen, sie sind stolz. Und der Tag im Schwimmbad ist etwas Besonderes.“
Auch der TuS St. Martin kletterte nach vorne und wurde „Newcomer“ bei den Vereinen bis 900 Mitglieder. Vorsitzender Bernhard Zenker verrät das Geheimnis des Erfolgs: „Wir wollten im Vorjahr passend zum 125-jährigen Vereinsbestehen mindestens 125 Sportabzeichen abliefern.“
Ein gemeinsames Training mittwochs und samstags während der Sommermonate, eine Sportabzeichenwoche mit einem täglichen Abschluss beim gemeinsamen Abendessen mit Gegrilltem, Hausmacher Wurst oder „Gequellte un weiße Kääs“ habe das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt. Das Ergebnis: 142 Sportabzeichen. „Es gibt bei uns erneut eine Sportabzeichenwoche im Sommer“, betont Zenker. Er lobt das Sportabzeichen als tolles Angebot mit vielfältiger Auswahl an Sportarten. So könne sich jeder Disziplinen aussuchen, „die einem besser liegen“.
Untrainierten reiche dann vielleicht das Bronze-Abzeichen, ehrgeizige Sportler strebten nach Gold, aber immer zusammen beim gemeinschaftlichen Training, betont Bernhard Zenker.
Die Haßlocher Schillerschule ist kein Newcomer, hat sie doch wie 2017 den Wanderpokal für die meisten Sportabzeichen erhalten. Schulleiterin Gila Serr und Konrektor Thorsten Wilhelm betonen, der Pokal motiviere so sehr, dass man ihn so schnell nicht wieder hergeben wolle. Jetzt möchte man zum dritten Mal Pfalzmeister im Sportabzeichen werden.
TSG hat mehr Sportabzeichen als gemeldet
Dieter Frank managt die Sportabzeichenstatistiken für die TSG Neustadt und steht mit einem kleinen Prüferteam jeden Mittwoch im Neustadter Stadion. Die TSG hat einen Sprung um über 30 Sportabzeichen von 156 auf 189 im vergangenen Jahr gemacht. Doch Frank kann sich die Zunahme gar nicht erklären. „So viele Sportabzeichen hatten wir noch nie. Aber ich habe auch nur 156 wieder in Kaiserslautern beim Sportbund gemeldet“, erzählt er. Die Nachfrage bei der zuständigen Sachbearbeiterin Kornelia Schmidt hilft nicht weiter. Sie vermutet, dass Sportabzeichen auch von anderen TSG-Trainern gemeldet worden seien. Doch Frank sagt: „Die meisten Sportabzeichen hatten die Leichtathleten, und die haben alles bei mir abgegeben.“
Nicht weiterhelfen kann Kornelia Schmidt auch beim akuten Problem des fehlenden Sportabzeichenbeauftragten in Neustadt. Nach dem überraschenden Rücktritt Doris Walchers zum 1. April 2019 ist dieses Ehrenamt verwaist. Schmidt: „Es ist schwierig, jemanden zu finden. Doris Walcher hatte angekündigt, sich um einen Nachfolger zu kümmern, aber bislang gibt es noch niemanden.“
Die Aufgaben des Sportabzeichenbeauftragten seien dabei die Sponsorensuche, Information und Motivation der Schulen mit dem Angebot, auch Prüfer und Helfer für die Schulen zur Verfügung zu stellen. So stehen derzeit in Neustadt die Vereine und auch Dieter Frank mit einer Handvoll Prüfern im Stadion alleine da. „Wir machen weiter, egal, ob wir jetzt jemanden finden.“
Im Sportkreis Bad Dürkheim engagiert sich die Sportabzeichenbeauftragte Erika Müller-Kupferschmidt und motiviert die Vereine. Doch sie sieht ein Defizit bei den weiterführenden Schulen. „Die Schulen im Kreis ab 501 Schülern haben kein Sportabzeichenprüfungen absolviert. Das stimmt mich nachdenklich“, sagt sie. Erfreulich sei hingegen die führende Position mit 69 Familien-Sportabzeichen in ihrem Sportkreis. Erika Müller-Kupferschmidt selbst ist seit 45 Jahren Sportabzeichenprüferin.
Information
Am ersten und dritten Mittwoch im Monat, 18 bis 19.30 Uhr: Sportabzeichenabnahme im Stadion in Neustadt.