Neustadt Nicht einfach nur abdrücken

Stets mit Leidenschaft und meist mit der Kamera unterwegs: Alexander Murr.
Stets mit Leidenschaft und meist mit der Kamera unterwegs: Alexander Murr.

«Neustadt.» Der Neustadter Alexander Murr hat sich bereits als Schüler des Leibniz-Gymnasiums für die Fotografie interessiert. Doch erst, als ihm bei der Verwandtschaft seiner Frau ein Kamerakoffer mit kompletter Revueflex-Ausstattung in die Hände fiel, in die er sich sofort verliebte, und mit der sein Schwiegervater selbst bereits fotografierte, befiel auch ihn der „Kameravirus“, der ihn seitdem nicht mehr losgelassen habe, schildert Murr. Er fotografiert nicht nur leidenschaftlich gern selbst, sondern unterrichtet die Kunst guten Fotografierens auch an Volkshochschulen.

„Beim Fotografieren lerne ich immer wieder Neues dazu“, erklärt Murr auf die Frage, was ihn an seinem Hobby und seinen vielseitigen Lehr- und Fotografier-Angeboten im Nebengewerbe auch nach Jahren, immer im konstruktiven Austausch mit Kollegen und Schülern, noch fesselt. Im Jahr 2000 habe er erste Kurse im Rhein-Pfalz-Kreis gegeben, ab 2002 in der Volkshochschule Neustadt, dann sei noch die Volkshochschule Landau dazu gekommen. „Gute Fotos, keine Hexerei“, „Blaue Stunde, Nachtfotografie“ oder „Portrait- und Aktfotografie im jeweils verfügbaren Licht“ ohne beispielsweise Blitz, denn auch im normalen Licht könne man „tolle Bilder schießen“, seien erfolgreiche Kursthemen, zählt Murr auf. Seine Kenntnisse hat der BASF-Mitarbeiter früher selbst in Kursen, unter anderem beim in der BASF lehrenden Berufsfotografen Uwe Wagenfeld, erworben und erweitert. Es sei faszinierend, sowohl vergängliche Momente und Stimmungen in einem Bild festhalten, wie auch durch künstlerische Elemente oder gezielte Auswahl von Licht und Raum neue Realitäten schaffen zu können. Er hoffe, seinen Kursteilnehmern klarmachen zu können, dass sie zugunsten der Kreativität auf die Automatik ihres Fotoapparats verzichten sollten. „Halbautomatisch, mit der Blendenvorauswahl, unterstützt Anfänger genug“, ist Murr sicher. Besonders begeisterten ihn Personenportraits, wo er nicht einfach nur Personen ablichten, sondern eine Idee zum Menschen ins Bild rücken wolle. Fotoaufträge zu persönlichen Themen wie beispielsweise Hochzeiten, Geburtstagen oder Kinderportraits an Orten nach Kundenwunsch bearbeite er als Dienstleister. Für jeden Auftrag nehme er sich viel Zeit, Hektik sei da fehl am Platz. Die Rechte an den Bildern erhalte der Kunde. Eigene Workshops zu gutem Fotografieren oder zu „ästhetischer Aktfotografie“ mit vertraglich verpflichteten Hobbymodels biete er auch mit seinem Kollegen und Freund Wolfgang Ritter an. Seine Aktfotografie unterscheide sich von reinen Erotikfotos, die auf möglichst viel Nacktheit abzielten, durch beispielsweise hintergründige, stimmungsvoll reizende Licht- und Schattenspiele um die jeweilige Ausstrahlung der Person. Nachdem er früher nur analog fotografiert und selbst Fotos entwickelt habe, schätze er mittlerweile den digitalen Komfort, lacht Murr, der auch eine Bildbearbeitung per Computer nicht ablehnt. Er verwende sie aber nicht, um fiktive Situationen zu erschaffen, sondern nur, um den empfundenen Moment bestmöglich oder variantenreich herauszuarbeiten, „ihn zu optimieren“. Ob ein bizarres Felsstück mit Telebrennweite oder mit Weitwinkel aufgenommen werde, lasse jeweils andere Eindrücke zu, verändere aber nicht den grundsätzlichen Bildinhalt „Felsstück“. „Mit meinen Teilnehmern in den Volkshochschulen arbeite ich gerne in den Verhältnissen, die wir vorfinden“, schildert er die Vorgehensweise, das Kameraauge für Machbares zu schulen. „Ich fotografiere mittlerweile so lange, dass ich meinen Kamerablick eigentlich gar nicht mehr abstellen kann“, lacht Murr. Denn in Sekundenschnelle erkenne er, welche Szene als Aufnahme spannend wäre, was im Bild stören würde und welche Position er einnehmen müsse. Zahlreiche Schnappschüsse sind so für seine eigene Verwendung oder als Bildmaterial zur Diskussion in den sozialen Medien auf Urlaubsreisen in den USA, auf Island, in Schottland oder auch reichlich in Deutschland entstanden. Dazu sei er im letzten Jahr rund 300 Kilometer in der Südwestpfalz gewandert, „Leidenschaft immer und die Kamera meist dabei“, erzählt Murr. „Ein zukünftiges Wunsch-Reiseziele wären für mich die Fjorde in Norwegen“, überlegt der Fotograf. Und vielleicht schaffe er es im nächsten Jahr, eine Fotoausstellung in Neustadt zu organisieren, über die er schon länger nachdenke. Erfahrung hierzu habe er bereits einmal erfolgreich vor einigen Jahren im Theaterhaus Speyer gesammelt, als er zum Thema „Venedig“ ausgestellt habe. Info Beginn der nächsten Fotokurse mit Alexander Murr an der Volkshochschule Neustadt am 12. August als Workshop zu Landschaftsfotografie und Langzeitbelichtung für magische Effekte, www.am-fotoart.de, Telefon 0172/3651494.

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