Neustadt
Neustadter SPD: Pascal Bender gibt Vorsitz ab
„Ich bin vermutlich kein lupenreiner Sozialdemokrat, aber ich habe meine Grundüberzeugungen.“ Und mit diesen sieht sich Pascal Bender in der SPD am besten aufgehoben. Seit 1991 gehört der Hambacher der Partei an. Den ersten Kick hatten ihm die Großeltern gegeben, „überzeugte Sozialdemokraten im Sinn von sozialliberal“. Den zweiten lieferte die Landtagswahl 1991, als die SPD das Ruder in Rheinland-Pfalz übernahm und Rudolf Scharping Ministerpräsident wurde.
Seitdem sind über 30 Jahre ins Land gegangen. Zunächst einmal ein paar, in denen der heute 53-jährige Bender zu den vielen „passiven“ Parteimitgliedern gehörte. Dann aber wurde er von der Hambacher SPD, „genau gesagt von Hans Koch“, aktiviert. Am Ende war er Stadtverbandsvorsitzender, trat als Kandidat bei der Oberbürgermeisterwahl 2017 an, 2021 fusionierte er die Ortsvereine und bildet seither eine Doppelspitze mit Viola Küßner. Am 24. April will er nun seinen Führungspart in der Neustadter SPD an einen jüngeren übergeben, sofern die Mitgliederversammlung dem Vorschlag des Vorstands folgt.
Weiter wechselnde Mehrheiten?
Chancengleichheit, Solidargemeinschaft, den Schwachen helfen, sagt Bender, nach seinen Grundüberzeugungen befragt. Aber er fügt an, gegen eine „Vollkasko-Mentalität“ zu sein. Der Staat könne einiges leisten, aber nicht alles, auch jeder einzelne sei gefragt. Dass auch andere gute Ideen haben können, würde er nie von der Hand weisen. Mit den aktuell wechselnden Mehrheiten im Stadtrat, die Marc Weigel als OB wollte, komm er zurecht. „Die inhaltliche Auseinandersetzung ist da“, denkt Bender. Was ihm fehle, sei die politische. Die spannende Frage sei, ob es auch nach der Kommunalwahl 2024 keine Regierungskoalition gebe oder ob man zum alten System zurückkehre.
Seit über 20 Jahren ist Bender, hauptberuflich Geschäftsführer des Martens & Prahl Versicherungskontors Neustadt, nun also aktiver Sozialdemokrat. Als er die Parteiführung in der Kernstadt 2010 übernommen hatte, sei sein erstes Ziel gewesen, wieder Ruhe in die Partei zu bringen und Themen anzugehen. Die Fußgängersteg-Verlängerung über den Hauptbahnhof, die Idee Landesgartenschau, Flächenmanagement seien nur einige von vielen Themen, die die SPD angestoßen habe. Im Team sei vieles gelungen, auch wenn sich das bei Kommunalwahlen selten in richtig guten Ergebnissen niedergeschlagen habe. Zu oft habe die Bundespolitik hineingewirkt, ist Bender überzeugt.
Marc-Finn Klein vorgeschlagen
Aktuell sieht er die Neustadter Sozialdemokraten gut aufgestellt und damit den richtigen Zeitpunkt gekommen, die Führung abzugeben: „Es wäre ein Fehler, auf dieser Position alt zu werden, weil es dann entweder ein Vakuum gibt oder man gegangen wird.“ Mit Marc-Finn Klein aus Haardt gebe es einen guten Nachfolger, jemanden, der Verantwortung übernehmen wolle.
Ganz hört Bender aber nicht auf. Er bleibt Fraktionsvorsitzender im Stadtrat und will bei der Kommunalwahl antreten. Ob die SPD bei der OB-Direktwahl 2025 einen Kandidaten oder eine Kandidatin stellt? Das sei noch alles offen, sagt er, mit einer Ausnahme: „Ich werde es nicht sein.“
Viele neue Kontakte
Dabei hat Bender als Mitbewerber von Marc Weigel (FWG) und Ingo Röthlingshöfer (CDU) 2017 eine gute Figur gemacht, am Ende fast mit dem CDU-Mann gleichgezogen, was für Neustadt eine Leistung ist. Nicht die seine, sondern die eines engagierten Wahlkampfteams, blickt er zurück. Noch heute sei er dankbar für jene anstrengenden Monate: „Ich habe viel gelernt, viele neue Kontakte geknüpft.“ Gesehen habe er außerdem, „dass diese Stadt viel besser ist, als jene meinen, die sie gern totreden“.
Das Thema Wohnraum bleibt ein Herzensanliegen Benders. Und auch an einer Idee, die er bei der Kommunalwahl 2019 ausformuliert hat, hält er fest: ein Gesundheitscampus in Verbindung mit dem Krankenhaus-Neubau. Das wäre auch etwas, mit dem für Neustadt ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen werden könnte, glaubt er. In Kombination mit Forschung und Ausbildung könnten damit junge Leute gehalten oder nach Neustadt gelockt werden