Sportstypen
Neustadter Rettungsschwimmer: Athleten und Badeaufsicht
Laien mögen beim Wort Puppenstaffel schmunzeln. Doch verbirgt sich dahinter anstrengender Sport. Und im Ernstfall können die Athleten damit Leben retten. Fünf Rettungsschwimmer der DLRG Neustadt sind nicht nur in der Puppenstaffel, sondern auch in der Rettungsstaffel deutscher Vizemeister auf den deutschen Mehrkampfmeisterschaften der DLRG geworden. Einer von ihnen ist bei den Rettungsschwimmern gelandet, weil er zuvor körperliche Probleme hatte.
Vierte unter 24 Teams
Von einem „wahnsinnig guten Ergebnis, auf welches die Jungs stolz sein können“, spricht die DLRG Neustadt. Linas Orth, Noel Tarin, Fabian Rudorf, Levi Michel und Marlon Gries hatten sich auf den Landesmeisterschaften für die deutschen Mehrkampfmeisterschaften der Rettungsschwimmer in der Altersklasse 17/18 qualifiziert. Auf den nationalen Titelkämpfen haben sie zwei Silbermedaillen in zwei Disziplinen gewonnen. Die Mannschaft belegt Platz vier unter 24 Teams. Linas Orth, im Gesamtklassement Achter unter 30 Sportlern, ist zudem Schnellster über 50 Meter Retten in ganz Deutschland in der AK 17/18, verfehlt knapp den deutschen Rekord. Für 25 Meter Kraulen und 25 Meter Kraulen mit der Rettungspuppe brauchte er 32,12 Sekunden.
Die orangerote Puppe dümpelt einfach auf der Bahn herum, wenn die Rettungsschwimmer sie gerade nicht im Training nutzen. Wird sie aber als Unfallopfer gebraucht, ist sie meist unter Wasser. „Mit Wasser gefüllt, ist sie bis zu 75 Kilo schwer“, erzählt Marlon Gries. Er greift der Puppe mit seiner linken Hand in den Nacken und krault mit dem rechten Arm durchs Wasser. „Nee, das ist nicht wirklich angenehm für die Puppe“, stellt Fabian Rudorf lachend fest. Doch auf diese Weise sind die Rettungsschwimmer schnell unterwegs. Im Ernstfall, wenn ein Mensch vor dem Ertrinken gerettet werden müsse, wendeten sie den Achselschleppgriff an, versichern die Neustadter. „Wenn beim Opfer Panik aufkommt den Fesselschleppgriff.“ Der Retter, seitlich zum Opfer, hält quasi beide Arme des Opfers hinter dessen Rücken. In beiden Fällen liegt der zu Rettende auf dem Rücken im Wasser.
Mit und ohne Flossen
Im Wettkampf hatte niemand Panik, die Puppe blieb immer geduldig: In der Rettungsstaffel schwimmt der erste Starter 50 Meter Freistil. Der zweite Starter absolviert ebenfalls 50 Meter Freistil – aber mit Flossen. Und am Ende seiner 50 Meter holt er eine Puppe vom Beckenboden hoch und übergibt sie Starter Nummer drei, der im Wasser wartet, bis der Puppenkopf über der Wasseroberfläche ist. Dann schleppt er sie 50 Meter weit. Der Schlussschwimmer, der ebenfalls Flossen trägt, übernimmt im Wasser das Unfallopfer und absolviert mit ihm ebenfalls 50 Meter bis ins Ziel.
Dass sie im Training und Wettkampf Flossen tragen, ergibt Sinn. „Es gibt schon Gebiete, wo Flossen nützlich sind“, sagt Marlon Gries und verweist auf Seen und offenes Meer. „Man ist schneller. Und es ist einfacher, jemanden abzuschleppen“, ergänzt Metin Tas, Technischer Leiter und Trainer. Es gibt sogar Wettkämpfe, in denen Rettungsschwimmer ihre Flossen unter Zeitdruck anziehen. „Beim Super Lifesaver“, erzählt Bries.
Duschgel in den Flossen
Dabei müssen die Sportler 200 Meter im Wasser zurücklegen: Nach 75 Meter Freistil „nimmt man in der Mitte vom Becken die Puppe auf, zieht sie 25 Meter“, erzählen die jungen Neustadter. Dann ziehen sie sich blitzschnell ihre Flossen an, schwimmen 50 Meter Kraul ohne Puppe, spannen dann das Unfallopfer in den Gurtretter ein und absolvieren noch einmal 50 Meter. Übrigens: Damit die Sportler ruck, zuck in die Flossen schlüpfen können, schmieren sie sie vorher innen mit Duschgel ein.
Eine weitere Disziplin für Rettungsschwimmer ist das 200-Meter-Hindernisschwimmen: Auf einer 50-Meter-Bahn müssen sie schwimmen und unter zwei Hindernissen drunterhertauchen. „Man schwimmt alle Disziplinen, und die besten drei werden gewertet“, erklären die Neustadter das Mannschaftsergebnis.
Prävention am Beckenrand
Die fünf jungen Männer betreiben ihren Sport aber nicht nur, um sich zu bewegen. Im Sommer sind sie in Freibädern als Aufsicht im Einsatz. Sie machten dies komplett freiwillig und ehrenamtlich, betont Tas.
„Ich habe mal ein Kind aus dem Wasser gezogen, das vom Drei-Meter-Brett gesprungen war, Nasenbluten und um Hilfe gerufen hatte“, erzählt Levi Michel. Fünf Minuten später habe er jenes Kind noch einmal nach einem Sprung aus dem Becken ziehen müssen. Linas Orth verweist darauf, dass sie auch zur Prävention am Beckenrand seien. Er erzählt von der Aufsicht im Maikammerer Bad, wo es eine sechs Meter hohe Kletterwand gibt, von der man ins Wasser springen kann: „Wenn jemand herunterspringen will, und unten sind noch Kinder im Wasser, sagt man manchmal 100-mal am Tag“, dass ein Sprung jetzt nicht möglich sei.
Gut für den Lebenslauf
Auch seitliches Reinspringen sei nicht erlaubt, ergänzt Marlon Gries. „Man kann den Sprungturm oder den Beckenrand treffen.“ Die meisten Menschen reagierten verständnisvoll. „Auch wenn die Helfer erst 13, 14 Jahre alt sind“, betont Tas. Die Rettungsschwimmer hätten immer das Schwimmmeisterteam hinter sich.
Dass sie für ihre Aufsichten nicht bezahlt werden, stört die DLRG-Jungen nicht. „Es ist gut in jedem Lebenslauf, wenn da steht, dass man sich ehrenamtlich engagiert“, betont ihr Trainer Metin Tas.
Was die jungen Neustadter immer wieder bei ihren Diensten in Freibädern feststellen: „Eltern überschätzen ihre Kinder.“ Väter und Mütter ließen die Kleinen schon kurz nach der Seepferdchen-Prüfung ins tiefe Wasser. „Das Seepferdchen ist aber nur ein Motivationsnachweis“, betonen sie. Ein Nachweis zur Schwimmfähigkeit sei erst das Deutsche Schwimmabzeichen in Bronze, das auch als Freischwimmer bekannt sei.
Rat vom Arzt
„Rettungsschwimmen ist deutlich abwechslungsreicher als reines Schwimmen“, erzählt Levi Michel begeistert von seinem Sport. Im Einzel gebe es sechs Disziplinen, für die Mannschaft vier. Während einige von ihnen „seit dem Seepferdchen dabei sind“, so Gries, ist Michel erst 2019 hinzugekommen „wegen körperlicher Probleme“. Er sei vorher „eine faule Sau“ gewesen, habe keinen Sport getrieben, gesteht er. Ein Arzt habe ihm Schwimmsport empfohlen. „Ich bin geblieben, weil es Spaß macht“, betont er. „Der freundschaftliche Aspekt spielt da eine Rolle.“ Und seine körperlichen Probleme seien längst Vergangenheit. Fabian Rudorf fügt hinzu, dass „man auch im Alter noch Rettungsschwimmen machen kann“. Und es werde nie langweilig.
Information
- Schwimmabzeichen in Bronze: theoretische Prüfung: Kenntnis der Baderegeln; praktische Prüfung: Sprung kopfwärts vom Beckenrand; 15 Minuten Schwimmen, in denen die Kinder mindestens 200 Meter schaffen müssen, davon 150 Meter in Bauch- oder Rückenlage in einer erkennbaren Schwimmart und 50 Meter in der anderen Körperlageeinmal etwa zwei Meter tief tauchen ab der Wasseroberfläche und einen Gegenstand, zum Beispiel einen kleinen Tauchring, vom Beckenboden heraufholen; ein Paketsprung vom Startblock oder vom Ein-Meter-Brett
- Frühschwimmer, Seepferdchen: theoretische Prüfung: Kenntnis der Baderegeln; praktische Prüfung: Sprung vom Beckenrand, anschließend 25 Meter schwimmen in einer Schwimmart in Bauch- oder Rückenlage (während des Schwimmens in Bauchlage muss das Kind erkennbar ins Wasser ausatmen)Heraufholen eines Gegenstandes mit den Händen aus schultertiefem Wasser – Schultertiefe bezieht sich auf die Körpergröße des Prüflings.
Quelle: www.dlrg.de