Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neustadt: Winzerin Sophie Christmann will mit Spätburgunder punkten

Gemeinsam mit ihrem Vater Steffen und Mathieu Kauffmann, Winzer des Jahres 2019, arbeitet Sophie Christmann unter einem Dach in
Gemeinsam mit ihrem Vater Steffen und Mathieu Kauffmann, Winzer des Jahres 2019, arbeitet Sophie Christmann unter einem Dach in Gimmeldingen. Foto: Mehn

Sie ist 26 Jahre alt und hat bereits die Meriten der Rotweinentdeckung des Jahres im Fachmagazin „Vinum“. Im elterlichen Weingut Christmann in Gimmeldingen ist Sophie Christmann die künftige Strippenzieherin bei ihrem Steckenpferd, dem Spätburgunder.

Jüngst wurde sie vom Fachmagazin „Vinum“ bei der Verleihung des deutschen Rotweinpreises zur Entdeckung des Jahres gekürt. Irgendwann wird sie den elterlichen Betrieb in Gimmeldingen in der dann neunten Generation weiterführen. Sophie Christmann hat sich dem Spätburgunder verschrieben und will das Weingut zusammen mit ihrem Vater Steffen weiter nach vorne bringen. Auch am neuesten Projekt, der Gründung eines eigenen Sektguts mit Mathieu Kauffmann, arbeitet die 26-Jährige mit – auf zwölf Hektar Rebfläche, die das Weingut Christmann kürzlich vom benachbarten Weingut Mugler übernommen hat.

Spätburgunder-Gen liegt in der Familie

„Die Betriebsgründung läuft“, sagt Christmann über die Zusammenarbeit mit Kauffmann als dem Winzer des Jahres 2019, der zuvor bei von Buhl in Deidesheim beschäftigt war. „Das hat sich alles sehr glücklich gefügt“, meint sie über die Veränderungen, mit denen vor wenigen Monaten noch keiner der drei Beteiligten gerechnet hatte. „Im nächsten Jahr geht’s los“, sagt die 26-Jährige.

Der Weinbau in der Familie Christmann sei rückverfolgbar bis ins Jahr 1508, das Weingut bestehe seit 1798. Sophie Christmann hat in Geisenheim studiert, ein Auslandssemester in Bordeaux absolviert und Praktika unter anderem in Australien, bei den Weingütern Schäfer-Fröhlich an der Nahe, bei Dr. Bürklin-Wolf in Wachenheim und dem Weinhändler Hawesko in Hamburg gemacht. Ein weiteres Praktikum absolvierte sie bei ihrem Kommilitonen Julian Huber, dessen Betrieb in Malterdingen kürzlich mit einer Bronzetafel auf dem Neustadter Weg der Weinlegenden gewürdigt wurde.

Auch mit Pinot Noir auf die Ideallinie

Danach ging es für eineinhalb Jahre nach Berlin, um Agriculture Economics zu studieren – mit ihrer Masterarbeit hat sie bereits begonnen. Im Frühjahr 2018 ist Christmann zurück nach Gimmeldingen gezogen und hat dem 2017er Spätburgunder schon ihren Stempel aufgedrückt. Seitdem arbeiten nun zwei Generationen – unterstützt von Senior Fritz, der kürzlich seinen 90. Geburtstag feierte – Hand in Hand mit Leidenschaft zusammen. „Jeder von uns gibt 100 Prozent, und ich habe den Eindruck, dass im Ergebnis mehr als 200 Prozent dabei herauskommen“, sagt Christmann. Das Hauptaugenmerk ihres Vaters liegt künftig auf den Weißweinen: 85 Prozent der rund 21 Hektar Rebfläche sind zu mehr als zwei Dritteln mit Riesling bestockt, der Rest verteilt sich auf Weiß- und Grauburgunder sowie Muskateller.

Auf den verbleibenden 15 Prozent der Rebfläche stehen Pinot-Noir-Reben – und denen will sich die Tochter des Hauses verstärkt widmen. Dass es eine Art Spätburgunder-Gen in der Familie gebe, könne sie nicht ganz ausschließen. Sei doch ihr Großvater schon 1987 beim ersten Rotweinpreis vorne mit dabei gewesen – mit einer 1985er Gimmeldinger Kapellenberg Spätlese. „Bei den Rieslingen sind wir Jahr für Jahr ganz nah am Ideal, beim Spätburgunder unter den besten 40. Mein Ziel ist es, auf das Niveau der Weißen aufzuschließen“, sagt sie selbstbewusst. Dabei komme ihr entgegen, dass der Betrieb seit 2004 biodynamisch arbeite: „Wir haben tolle Trauben“, sagt sie über den 2017er, bei dem sie sich nur noch um die Verarbeitung kümmern musste. Für den 2018er wurde viel in Technik investiert, um es noch besser zu machen. „Mein Vater hat mich da machen lassen“, meint sie.

Neuer Barrique-Keller in früherer Gastronomie

So ist in der einstigen Christmann-Gastronomie ein neuer Barrique-Keller entstanden, wurden neue Tanks und Pressen angeschafft. Ihrem Engagement in Sachen Pinot Noir komme die lange Anbautradition im Weingut entgegen: „Vor allem in der Lage Idig in Königsbach haben wir schon ewig Spätburgunder angebaut“, berichtet Christmann: So sei 1906 Christmann-Wein zur Eröffnung des Hotels Adlon in Berlin geliefert worden.

Zudem seien die klimatischen Ausgangsbedingungen und die Christmann’schen Böden durchaus mit dem Burgund vergleichbar. Ihr Ziel sei es, daraus eine eigene deutsche Spätburgunder-Identität herauszuarbeiten, einen eigenen Stil zu finden. „Leichtigkeit und Eleganz statt Kraft und Fülle“, umschreibt sie ihre Weinstilistik. Dafür gelte es, das optimale Lesedatum auszuwählen und die Gärung intensiv zu begleiten. Das koste zwar viel Zeit, aber „bei jedem Handgriff weiß man, dass es der Qualität guttut“.

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