Neustadt Neustadt: Wachstumsplänen für den Weincampus
Beim Weincampus könnten weitere Studiengänge angesiedelt werden, über den Neubau einer Mensa wird konkret nachgedacht und in Mußbach ist ein Studentenwohnheim geplant. Die Podiumsdiskussion des SPD-Stadtverbandes und der SPD-Arbeitsgemeinschaft Bildung der Pfalz am Montagabend zeigte viele Perspektiven für den Hochschulstandort Neustadt auf.
Vier Studentinnen nutzten die Bühne, die Vor- und Nachteile ihres Studiums in Neustadt herauszustellen. Auf der Plusseite standen die gute Vernetzung von Lehre und Forschung sowie der Praxisbezug in den Betrieben bei dem dualen Studiengang Weinbau und Oenologie. Auch die familiäre Atmosphäre sei für viele Kommilitonen ausschlaggebend für die Wahl von Neustadt gewesen. Bei den Kritikpunkten wurde deutlich, dass Stadt und Hochschule noch viel Nachholbedarf haben. „Die Wohnungssituation ist sehr schwierig, es gibt keine Jobbörse für Aushilfstätigkeiten, um Geld zu verdienen, und auch die Busanbindung zum Campus ist deutlich verbesserungswürdig“, zählte Studentin Katharina Todtwalusch auf. Die eingeschränkten Öffnungszeiten von Bibliothek, Mensa (9 bis 13 Uhr) und dem gesamten Campusgelände (7 bis 20 Uhr), die schwierige Raumsituation bei der Bibliothek, keine Möglichkeit, unmittelbar nach dem Bachelor einen Masterstudiengang aufzunehmen, und das Fehlen weiterer Studienangebote monierten die Studierenden. Der Oberbürgermeister Marc Weigel bezeichnete den Weincampus als wertvolle Pflanze, die unbedingt zum Blühen gebracht werden müsste. Er werde künftig die Studienanfänger im Rathaus begrüßen und sie anschließend persönlich durch die Stadt führen. Zur Wohnsituation kündigte Weigel an, dass die Stadt die ehemalige Pension Walcher in Mußbach, die als Asylbewerberunterkunft nicht mehr gebraucht werde, an die Wohnungsbaugesellschaft verkaufen will. Die städtische Tochtergesellschaft könnte sie dann zu einem Studentenwohnheim umbauen. Neustadt sei die Weinhauptstadt Deutschlands. Das müsse sich auch in der Hochschullandschaft widerspiegeln. Der Oberbürgermeister kündigte Gespräche mit Wissenschaftsminister Konrad Wolf darüber an. Der Hausherr Günther Hoos, der Leiter des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) in Mußbach, sprach von einem Masterplan für das Gelände, der dem Mainzer Finanzministerium bereits vorliege und dort mit Wohlwollen geprüft werde. Der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung stehe unmittelbar davor, einen Planungsauftrag dafür zu vergeben. Ziel sei es, die Gebäude von DLR, Weincampus, dem Staatsweingut und der landeseigenen Agro-Science GmbH für Forschung und Lehre besser zu verbinden. Im Gespräch sei der Neubau einer Mensa. Weitere Studiengänge in den verwandten Bereichen Lebensmitteltechnologie, Biologie, Chemie und Tourismus könne er sich sehr gut vorstellen, erklärte Hoos. Der Professor Uli Schell, Vorsitzender des gemeinsamen Ausschusses der Hochschulen Ludwigshafen, Kaiserslautern und Bingen, die hinter dem Weincampus stehen, schlug eine engere Verzahnung mit dem DLR vor und kann sich neue Studienangebote im Bereich Obst- und Gartenbau vorstellen. Wichtig sei in Neustadt auch ein naturwissenschaftlicher Masterstudiengang, als Ergänzung zu dem derzeitigen betriebswirtschaftlichen Angebot. Dann nämlich könnten die Neustadter Bachelor-Absolventen leichter bis zu einer Promotion gehalten werden. Ebenso könnten Drittmittelgelder aus der Industrie besser an Land gezogen werden. Schon derzeit nehme der Weincampus durch Forschungsprojekte rund 2,5 Millionen Euro im Jahr ein. Der Minister Konrad Wolf bezeichnete die Dualen Studiengänge mit der Kombination von Studium und Berufsalltag als Erfolgsmodell von Rheinland-Pfalz, das ausgebaut werden solle. Das Land sei in diesem Zusammenhang auch offen für neue Studiengänge. Diese Initiativen müssten aber von den Hochschulen ausgehen und aus deren Kompetenzen heraus entwickelt werden: „Wir können das nicht vorgeben, sondern nur unterstützen.“ Wolf machte deutlich, dass er den Standort Neustadt sehr gut kenne, „nicht nur wegen der angenehmen Weinproben, die ich hier schon mitgemacht habe“. Er sieht Potenzial für weiteres Wachstum, verwies aber auch auf die Schuldenbremse im Landeshaushalt ab 2020 und die finanziellen Grenzen. Der Arbeitgebervertreter Für Richard Hartmann, Leiter der Ausbildung bei der BASF, sind duale Studiengänge die ideale Ausbildung, „weil die Absolventen die Praxis nicht erst kennenlernen müssen, oft motivierter sind und wir Talente so frühzeitig entdecken und binden können“. Die Verbandsvertreterin Andrea Adams, Hauptgeschäftsführerin des Bauern- und Winzerverbandes, sagte: „Die Absolventen aus Mußbach sind bei unseren Mitgliedsbetrieben gefragt und gesucht. Wir würden uns über weitere Studienangebote sehr freuen.“