Neustadt
Neustadt: Stadt bietet derzeit keine Gewerbeflächen an
Wer sich mit einem Gewerbebetrieb in Neustadt ansiedeln möchte, hat schlechte Karten. Die Stadt verfügt zwar noch über einige Restflächen, bietet diese derzeit aber nicht an. Das soll sich ändern, damit sich der Standort entwickeln kann – mit einem Fünf-Jahres-Plan.
Es ist ein Dauerthema und wegen der Abwanderungspläne der Firma Asiral gerade wieder aufgepoppt: Die Stadt Neustadt braucht zusätzliche Gewerbeflächen, um Neuansiedlungsanfragen sowie Erweiterungswünsche bereits hier ansässiger Unternehmen erfüllen zu können. Aktuell ist der Spielraum nämlich sehr begrenzt: „Das kann man an einer Hand abzählen“, sagt Baudezernent Bernhard Adams auf Anfrage der RHEINPFALZ. Das soll aber nicht so bleiben: Die Stadt hat sozusagen einen Fünf-Jahres-Plan, um weitere Gebiete zu erschließen.
Zur Erinnerung: Das Chemieunternehmen Asiral, das Reinigungsmittel für die Lebensmittelbranche produziert, wird aus der Nachtweide nach Edenkoben umziehen. Weil es für eine geplante Erweiterung in Neustadt nicht die erforderliche Fläche von 20.000 Quadratmetern gefunden hat. Auch davon abgesehen, ist die Nachfrage von Firmen nach Flächen in Neustadt durchaus vorhanden – aber es existiert kein Angebot. „Wir haben zurzeit keine Gewerbeflächen auf dem Markt“, sagt Adams. Zwar gibt es noch einige wenige Restflächen – die werden aktuell allerdings nicht vermarktet.
Restflächen werden freigehalten
Laut Adams steht im Bereich Grubenhof/Erfurter Straße (Weinstraßenzentrum) noch ein Hektar zur Verfügung. Es handelt sich um ein Mischgebiet. Diese 10.000 Quadratmeter würden zurzeit nicht auf dem Markt angeboten, da dort der Bau einer Kindertagesstätte geplant sei. Eine ebenfalls ein Hektar große Freifläche gibt es am südlichen Ende der Louis-Escande-Straße (Quartier Hornbach). Diese wird aber freigehalten für Firmen, die im Falle einer Landesgartenschau umsiedeln müssten. Und schließlich verfügt die Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft noch über ein etwa 3000 Quadratmeter großes Grundstück im Gewerbegebiet Lilienthal in Lachen-Speyerdorf. Dazu kämen einige wenige kleinere Areale aus privater Hand (Streuflächen), so der Neustadter Baudezernent.
Das alles reicht für eine Weiterentwicklung des Standorts Neustadt bei weitem nicht: „Das ist für eine Stadt unserer Größenordnung natürlich sehr wenig“, weiß Adams. Um kurzfristig wenigstens etwas Abhilfe zu schaffen, habe man systematisch erfasst, in welchen Baugebieten noch private Brachflächen vorhanden seien. Die Eigentümer würden regelmäßig angeschrieben, etwa ein- bis zweimal im Jahr.
OB bittet Privateigentümer um Verkauf
In den Schreiben bitte der Oberbürgermeister die Eigentümer darum, an die Entwicklung der Stadt zu denken und sich deshalb über einen Verkauf des Areals Gedanken zu machen. „Aber die Resonanz ist gering. Und wir können ja niemanden dazu zwingen“, so Adams. Immerhin seien im Bereich der Europastraße (Gewerbegebiet Naulott-Guckinsland) zuletzt mehrere Projekte auf privaten Gewerbeflächen realisiert worden. Zum Beispiel der Neubau der Firma 8com, die Boulderhalle oder auch das neue Ärztehaus.
Damit ist es aber nicht getan: „Wir haben uns vorgenommen, in den nächsten fünf Jahren 20 Hektar an den Markt zu bringen“, sagt Adams. Das Entwicklungspotenzial dafür sieht die Stadt an verschiedenen Stellen – alle im Geviert zwischen Weinstraßenzentrum, B39, Speyerdorfer Straße und Autobahn. „Das ist ein Riesenareal, das man nicht im Ganzen erschließen kann, aber es ist die Stoßrichtung, die uns das Land vorgibt“, erläutert Adams.
Bedarf muss belegt werden
Denn die Stadt könne nicht willenlos Gewerbegebiete auf Vorrat erschließen, sondern müsse erstens den Bedarf nachweisen und sich zweitens an Vorgaben zum Natur- und Landschaftsschutz halten. Und zu guter Letzt brauche jedes Gebiet auch eine politische Mehrheit. Beispiele für mögliche Gewerbeflächen sind südlich dem Decathlon-Markt, gegenüber dem Umspannwerk an der Ecke Louis-Escande-Straße/Speyerdorfer Straße, aber auch gegenüber dem VW-Audi-Autohaus an der B38. Anfragen erhält die Stadt laut Adams regelmäßig. Meist gehe es um Flächen zwischen 2000 und 3000 Quadratmetern. Aber es gebe auch Wünsche nach größeren Arealen bis 10.000 Quadratmeter.
Strenger Regeln für Industriegebiete
Um noch mal zum Fall Asiral zurückzukommen, bei dem es um 20.000 Quadratmeter ging: Dabei hätte es sich um ein Industriegebiet und nicht um ein Gewerbegebiet handeln müssen. Die Vorgaben für ein solches Gebiet sind nämlich strenger, zum Beispiel mit Blick auf den Lärm, der bei in der Nachbarschaft liegenden Wohngebieten ankommt. Es gebe zwar ab und zu auch Anfragen nach Industrieflächen, hauptsächlich seien aber Gewerbeflächen gewünscht, häufig verbunden mit der Möglichkeit einer Betriebsleiterwohnung am Standort.
Hin und wieder gebe es Anfragen von Logistikunternehmen, berichtet Adams. Diese bräuchten aber wegen des meist 24 Stunden und sieben Tage die Woche dauernden Betriebs Industrieflächen. Das seien dann meist große Hallen mit wenigen Arbeitsplätzen: „Das ist in Neustadt nicht so sehr gewünscht.“