Neustadt Neustadt: „Sich aktiv ins Stadtleben einbringen“

Bottrop, Fußgängerzone: Der Umbau der Althoff-Arkaden läuft noch. Die Fassade ist verhängt.
Bottrop, Fußgängerzone: Der Umbau der Althoff-Arkaden läuft noch. Die Fassade ist verhängt.

Was in Neustadt im ehemaligen Hertie-Gebäude geplant ist, gibt es seit kurzem im ehemaligen Karstadt-Gebäude in Bottrop – mit gutem Erfolg.

Die Vorgeschichte

Im Januar 2014 besichtigt der ehemalige Karstadt-Manager Horst Appelhoff erstmals das leerstehende Hertie-Gebäude in Neustadt. Doch die Investorensuche und auch die Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter dauern und dauern. Und so beschließen Appelhoff und Jens Friedländer von der Devello AG, in der Zwischenzeit gemeinsam ein anderes Projekt anzugehen – das seit Anfang 2016 leerstehende ehemalige Karstadt in der 120.000-Einwohner-Stadt Bottrop. Das Gebäude Karstadt in Bottrop ist für den Konzern ein historischer Standort, erbaut 1929 durch Karstadt-Mitgründer Theodor Althoff, 1963 von Karstadt übernommen. Die Fassade steht unter Denkmalschutz und ist deshalb mit dem Neustadter 70er-Jahre-Bau nicht zu vergleichen. Die Lage eher: 1a, mitten in der Fußgängerzone. Die Einzelhandelslandschaft ist schwierig in der zweitkleinsten kreisfreien Stadt von Nordrhein-Westfalen: Die Konkurrenten sitzen in den unmittelbaren Nachbarstädten Duisburg, Essen, Gelsenkirchen und vor allem Oberhausen, Standort des Centros, mit 125.000 Quadratmetern Verkaufsfläche größtes Einkaufscenter Deutschlands. Der Umbau Devello hat das Gebäude für 35 Millionen Euro komplett entkernt, Hauptmieter Moses in seine 7000 Quadratmeter auf vier Etagen nach eigenen Angaben weitere 7,5 Millionen Euro gesteckt. Es gibt noch zwei weitere Mieter: die Drogeriekette Rossmann und der Outlet-Möbelanbieter Home 24. Auch im Dachgeschoss wird noch gearbeitet: Dort läuft der Umbau der Etage in ein Hotel von Best-Western. Der Ankermieter Hinter der Moses-Gruppe steht der ehemalige Horten-Manager Norbert Wittenberg, der sich auf die Übernahme angeschlagener Kaufhäuser spezialisiert hat. Das Fachmagazin „Textilwirtschaft“ nennt ihn den „Kaufhaus-Retter“. Den Anfang machte 2003 das Kaufring-Haus in Bad Neuenahr-Ahrweiler, mittlerweile sind es sieben Filialen darunter Neuwied, Fürstenwalde, Strausberg (beide Brandenburg), Gotha und Saalfeld (beide Thüringen). Das Schwester-Unternehmen Sauer hat Standorte in Bad Hersfeld, Homberg, Neukirchen, Schwalmstadt und Eschwege (alle Nordhessen). Eingekauft wird über die Bielefelder Einkaufsgemeinschaft Katag, mit der übrigens auch das Neustadter Modehaus Jacob zusammenarbeitet. Das Sortiment Henry Bühler, Moses-Geschäftsleiter in Bottrop, berichtet von einer intensiven Marktanalyse im Vorfeld, die auch für Neustadt bereits vorgenommen wurde. „Wir schauen, was haben die Mitbewerber vor Ort und in den Nachbarstädten, wie sind die Kundenströme“, erklärt der Filialleiter. Deshalb gebe es in Bottrop hochwertige Anbieter wie Boss und Joop, aber auch viele Marken im mittleren Preissegment. Ausgefallene Größen seien kein Problem. „Und wenn doch, sind wir durch die vielen Standorte in der Gruppe in der Lage, ganz schnell zu reagieren und Waren kommen zu lassen.“ Sehr gut liefen die Taschenabteilung und auch das Segment Reisekoffer. Die Marktanalyse habe mit WMF und Kitchen-Aid auch zwei Haushaltswarenanbieter ergeben, die ebenfalls erfolgreich seien. Der Einkauf arbeite intensiv mit dem Verkauf zusammen: „Die Damen und Herren, die an der Front stehen, wissen doch besser als jede EDV, was gefragt ist“, so Bühler. Die Schuh-Abteilung ist untervermietet. Ziel für Bottrop sei ein Jahresumsatz zwischen 16 und 18 Millionen Euro für die 7000 Quadratmeter. Diese Dimension strebe Moses auch in Neustadt an. „Die Fläche dort wird mit 6000 Quadratmetern etwas kleiner sein, deshalb wird der Gesamtumsatz vielleicht etwas darunter liegen“, so Bühler. Das Konzept Moses setzt laut Henry Bühler auf eine „Wohlfühlatmosphäre“. Dazu gehört für ihn ein Bistro und auch eine Sportsbar, in der Fußballspiele live übertragen werden. Wichtig sei für alle Moses-Filialen die Vernetzung in der Region. „Wir bringen uns aktiv in das Stadtleben ein, beim Gewerbeverein, knüpfen Netzwerke mit der Stadt und den Vereinen“, erklärt er. Am vergangenen Samstag sei ein Kinderchor aus Bottrop in dem Modehaus aufgetreten. Es gebe regelmäßige Kundenforen und auch einen Kundenbeirat: „Ich will wissen, was die Leute denken. Da lade ich sie zum Frühstück, und wir tauschen uns aus.“ In Zeiten des Internethandels führten nur eine intensive Kundenorientierung und Service zum Erfolg. Die Mitarbeiter 130 Mitarbeiter hat Moses eingestellt und sich dabei von einem Personalexperten und der Arbeitsagentur beraten lassen. „Da sind auch Seiteneinsteiger dabei. Wichtig ist, dass die Leute ihren Job gerne machen“, so Bühler. Moses sei ein Familienunternehmen, bei dem das Arbeitsklima eine Rolle spiele. Mitarbeiterschulungen gehörten zum Alltag. Der Filialleiter müsse die Region kennen. Das werde auch in Neustadt so sein. Der Name Das neue Kaufhaus in Bottrop wird Althoff-Arkaden heißen, in Anlehnung an das ursprüngliche Kaufhaus in dem Gebäude. Bürger konnten im Internet Vorschläge einreichen und abstimmen. Eine Jury aus Vertretern der Mieter, der Kommunalpolitik und der städtischen Wirtschaftsförderung wählte aus den drei bestplatzierten Namen aus. Dieses Verfahren ist auch für Neustadt im Gespräch. Die Stadt Ulrich Schulze, Sprecher der Stadt Bottrop, bezeichnet das Engagement des Trios Devello-Appelhoff-Moses als Glücksfall. „Die Bauphase ist zwar eine kleine Belastung, aber die Innenstadt ist wieder belebt, die Zusammenarbeit sehr angenehm und konstruktiv. Wir bekommen auch von anderen Händlern nur positive Rückmeldungen.“ Einwurf

Auf vier Etagen bleiben wenig Wünsche offen.
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Im Baristo gibt es Kleinigkeiten zum Essen.
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Markenvielfalt auf 7000 Quadratmetern an historischer Einkaufsstätte mitten im Ruhrgebiet.
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Der Nachbar setzt auf den Moses-Faktor.
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Sehr erfolgreich in Bottrop: die Taschenabteilung.
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