Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neustadt/Region: Unwetter löst Gesamtalarm für Feuerwehren aus

Da blieb Neustadt noch verschont: Durchzug einer ersten starken Gewitterfront in der Nacht auf Samstag, fotografiert von Jochen
Da blieb Neustadt noch verschont: Durchzug einer ersten starken Gewitterfront in der Nacht auf Samstag, fotografiert von Jochen Heim.

Auf die Feuergefahr während der Hitzewelle folgt für die Freiwilligen Feuerwehren in Stadt und Land ein Hammer-Samstag mit Starkregen und Überflutungen. Die Neustadter Einsatzkräfte müssen zudem wegen eines Gasalarms ausrücken. Zuhause bleiben kann niemand.

Der Samstag war für die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Neustadt spätestens ab 17.30 Uhr gelaufen: Etwa zu diesem Zeitpunkt löste die Wehrleitung in der Hauptfeuerwache Gesamtalarm für alle Einheiten aus. Bereits gegen 15.55 Uhr waren der Löschzug Lachen-Speyerdorf, die Löschgruppen Geinsheim und Duttweiler sowie der Gefahrstoffzug wegen einer beschädigten Gasleitung in Richtung Lilienthalstraße/Flugplatzstraße in Lachen-Speyerdorf ausgerückt. Nun folgten wegen des schweren Unwetters mit Starkregen alle anderen Einheiten. Helfen mussten sie vor allem in Diedesfeld, Hambach und in einem Großteil der Kernstadt, wie das Medienteam der Feuerwehr am Sonntag informierte.

Nicht nur, aber auch in der Kernstadt konnten die Wassermassen nicht schnell genug abfließen, drückten Gullydeckel nach oben und überschwemmten Straßen und Keller. Auf die Talstraße ergossen sie sich in Höhe der Bahnlinie aus einem Überlaufrohr unter den Gleisen. Am Hambacher Kreuz schaffte es laut Feuerwehr das Regenrückhaltebecken an der Landesstraße 516 nicht mehr. Bis der Landesbetrieb Mobilität eintraf, sicherte die Wehr die Straße ab. Gleiches galt für mehrere Straßeneinmündungen im gesamten Stadtgebiet.

Flut im Telekom-Gebäude

Für etwas Entspannung sorgen konnten die Feuerwehrleute, indem sie die Gullyeinläufe aushoben, wodurch das Wasser schneller wieder abfloss. Ausgepumpt wurden Keller, die unter anderem in der Festplatzstraße in Winzingen vollgelaufen waren, da die Straße rund zehn Zentimeter unter Wasser stand. Auch dabei kamen Tauchpumpen und Wassersauger zum Einsatz. Ein größerer Wasserschaden musste im Telekom-Gebäude in der Chemnitzer Straße behoben werden: Durch einen Defekt am Fallrohr drang Wasser in den Keller ein. Mit einem schnell gebauten Damm wurde es in die Tiefgarage geleitet.

Ähnlich das Bild in Diedesfeld und Hambach. Neben vollgelaufenen Kellern und einer überfluteten Gefahrenstelle Ecke Weinstraße/Römerweg waren einige Ortsstraßen vom Schlamm aus angrenzenden Weinbergen verschmutzt: Da die Feuerwehr nicht überall gleichzeitig sein konnte, griffen auch Anwohner zu Schaufel und Besen, hieß es. Ein besonderes Problem stellte sich in der Erkenbrechtstraße, wo Wasser in einen Heizöl-Lagerraum gedrungen war. Weil unklar war, ob sich das Öl mit dem wasser gemischt hatte, der Neustadter Gefahrstoffzug aber in Lachen-Speyerdorf gebunden war, half der Gefahrstoffzug des Landkreises Südliche Weinstraße aus. Letztlich gab es Entwarnung.

Alles in allem war die Neustadter Wehr infolge des Unwetters gut fünf Stunden mit 231 Einsatzkräften an weiter über 50 Einsatzorten.

Sondereinsatz im Hambacher Freibad

Ausnahmezustand außerdem im Freibad Hambach: Um die Auswirkungen des Unwetters zu beseitigen, hatten sich am frühen Sonntagmorgen rund 50 Ehrenamtliche zum außerplanmäßigen Einsatz eingefunden, wie Thomas Hocker vom Förderverein am Sonntag mitteilte.

Gegen 12 Uhr konnte das Bad wieder öffnen, das Schwimmerbecken allerdings wird wohl erst am heutigen Montag wieder freigegeben. Dort wurde laut Hocker besonders viel Schlamm hineingespült, der sich nur langsam setzte und erst dann abgesaugt werden konnte. Durch den wiederholten Stromausfall seien zudem die Umwälzpumpen in der Nacht auf Sonntag mehrmals ausgefallen und mussten von den Stadtwerken und Mitgliedern des Fördervereins nachts wieder in Gang gesetzt werden.

St. Martin: Friedhofstraße dicht

Dramatisch war die Situation in der Verbandsgemeinde Maikammer. „Wir haben in einer Stunde 45 Liter Niederschlag den Quadratmeter gemessen“, berichtete Feuerwehr-Einsatzleiter Peter Breitner. Das vertrage keine Kanalisation. Für die Feuerwehr bedeutete das 56 Einsätze zwischen 18.45 Uhr am Samstag und 1 Uhr am Sonntag.

Wegen eines Brands bei einem Umspannwerk in Edenkoben stand zeitweise auch kein Strom zur Verfügung. Zahlreiche Keller liefen voll. Der Kropsbach konnte die Wassermassen nicht mehr aufnehmen, was sich vor allem in Kirrweiler bemerkbar machte. Der Asphalt der K 32 zwischen Maikammer und St. Martin löste sich – die Straße musste vorübergehend gesperrt werden. In St. Martin schwammen in der Friedhofstraße die Pflastersteine davon, die Straße ist immer noch gesperrt.

Die Freiwillige Feuerwehr der Verbandsgemeinde Maikammer forderte zur Verstärkung die Kollegen aus Edenkoben an. Zur späten Abendstunde halfen die Maikammerer dann in Edenkoben aus. Die Feuerwehr von Edenkoben sprach von insgesamt 70 Einsätzen in beiden Verbandsgemeinden.

Haßloch hat mehr Glück

Haßloch hingegen ist bei dem Unwetter glimpflich davongekommen. Polizei und Feuerwehr hatten am Sonntag keine besonderen Vorkommnisse gemeldet.

Gasalarm nahe Flugplatz

In Lachen-Speyerdorf waren am Samstagnachmittag sieben Häuser nahe Lilienthal-/Flugplatzstraße geräumt worden. Betroffen waren 19 Menschen, die laut Feuerwehr privat unterkamen. Anlass war ein Gasalarm, weil bei Tiefbauarbeiten für ein Glasfaserkabel eine Gasleitung beschädigt worden war. Die Feuerwehr sperrte den Bereich weiträumig ab und verständigte die Stadtwerke.

Dann stellte sich heraus, dass weiter gegraben werden musste, um den Schaden zu beheben. Dabei wurde die Leitung nach Angaben der Wehr ein zweites Mal beschädigt. Bis beide Löcher wieder verschlossen waren, wurde es 22.30 Uhr. Danach wurde der Bereich wieder für den Verkehr freigegeben, die Anwohner konnten zurück. Außer Feuerwehr und Stadtwerke waren Sanitäter, Notarzt, Polizei und ein Bauunternehmen am Ort.

Wassermassen aus einem Überlaufrohr unter der Bahnlinie überfluteten die Talstraße. Foto: Feuerwehr
Wassermassen aus einem Überlaufrohr unter der Bahnlinie überfluteten die Talstraße.
Land unter hieß es auch in der Heerstraße in Diedesfeld. Foto: Feuerwehr
Land unter hieß es auch in der Heerstraße in Diedesfeld.
Am Sonntag ab 7.30 Uhr im Einsatz: Rund 50 Ehrenamtliche befreiten das Hambacher Freibad vom Schlamm. Foto: Hocker
Am Sonntag ab 7.30 Uhr im Einsatz: Rund 50 Ehrenamtliche befreiten das Hambacher Freibad vom Schlamm.
Das Schwimmerbecken im Hambacher Freibad musste besonders viel Schlamm „schlucken“.  Foto: Hocker
Das Schwimmerbecken im Hambacher Freibad musste besonders viel Schlamm »schlucken«.
Die Festplatzstraße in Winzingen: Auch dort liefen Keller voll. Foto: Feuerwehr
Die Festplatzstraße in Winzingen: Auch dort liefen Keller voll.
Pflaster lose, Gullydeckel hochgedrückt: Blick in die Friedhofstraße in St. Martin nach dem Starkregen.  Foto: Linzmeier-Mehn
Pflaster lose, Gullydeckel hochgedrückt: Blick in die Friedhofstraße in St. Martin nach dem Starkregen.
Parallel zu ihren zahlreichen Einsätzen wegen des Unwetters musste die Feuerwehr wegen des Gasalarms in Lachen-Speyerdorf ausrüc
Parallel zu ihren zahlreichen Einsätzen wegen des Unwetters musste die Feuerwehr wegen des Gasalarms in Lachen-Speyerdorf ausrücken.
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