Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neustadt: Mobilitätstraining für Senioren

Schulungsleiter Jürgen Heil gibt den Senioren Tipps fürs gefahrlose Ein- und Aussteigen.  Foto: tkl
Schulungsleiter Jürgen Heil gibt den Senioren Tipps fürs gefahrlose Ein- und Aussteigen.

Lachen-Speyerdorf, Haltestelle Kirrweilerer Straße. Der Bus hält nah am Bordstein, durch seine „Kneeling“-Einrichtung neigt er sich zur Seite, die Türen gehen auf. Eine Dame mit Rollator geht auf die Tür zu und will aussteigen – kritisch beäugt von Jürgen Heil, dem Fahrdienstleiter der Firma Palatina-Bus in Edenkoben. „Jetzt machen Sie einen Fehler!“, sagt er freundlich. „Sie müssen rückwärts aussteigen.“

Heil ist in diesem Tag Leiter eines Mobilitätstrainings für Senioren. Seit drei Jahren bietet er Veranstaltungen an für Senioren und Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. An diesem Tag sind es acht Gäste, die etwas für die Verbesserung ihrer eigenen Sicherheit tun wollen. Bevor es in den Bus geht, gibt es einen kleinen Theorie-Teil und ein bisschen Geplaudere. Zum Beispiel über den Umbau des Bahnhofsvorplatzes. Der stelle in seiner derzeitigen Form eine echte Gefahr für Menschen mit Rollstuhl oder Rollator dar, erklärt ein Teilnehmer. Auch über Zugverbindungen wird diskutiert, und eine Teilnehmerin warnt Heil mit einem Lächeln: „Sie haben hier heute kritische Leute sitzen.“

„Da blickt keiner mehr durch.“

Dann beginnt Heil mit seinem Vortrag. Da geht es auch um die Frage, wie die Fahrgäste das richtige Ticket finden. Heil räumt ein: „Mittlerweile gibt es so viele Fahrkarten, da blickt kaum einer mehr durch.“ Heil natürlich schon. So kann er denn auch ein wenig Licht in den Kartendschungel bringen und den Teilnehmern Antwort auf ihre Fragen geben.

Schließlich wird es ernst, es geht zum Bus, der eigens für die Schulung im Einsatz ist und die Gruppe nach Lachen-Speyerdorf bringt, in die Kirrweilerer Straße. Die dortige Haltestelle ist, wie Heil erklärt, „eine der neuen“ und damit barrierefrei ausgebaut. Bis 2022 sollen alle Haltestellen so sein. Und hier zeigt sich: Ein- und Aussteigen will gelernt sein. So geht der Ausstieg mit dem Rollator besser rückwärts. Für den Rollstuhl wird eine Rampe ausgefahren. Nicht überall klappt das so einwandfrei wie hier in der Kirrweilerer Straße. Eine Teilnehmerin berichtet, dass häufig eine große Lücke zwischen Bus und Bordstein sei – zu groß, um sicher den Rollator aus dem Bus zu fahren.

Zum Abschluss in die Bürgerecke

Dann geht es weiter, zur Haltestelle am Lachen-Speyerdorfer Flugplatz, wo die Teilnehmer in einen ganz normalen Linienbus umsteigen, der zum Neustadter Hauptbahnhof fährt. Hier ist Zeit für Gespräche: „Man kann ja immer noch dazu lernen“, sagt eine Dame, die schon letztes Jahr versucht hatte, an der Schulung teilzunehmen, damals aber nicht mitmachen konnte, weil alle Plätze schon belegt waren.

Für die letzte Fahrt steht wieder der Schulungsbus zur Verfügung. Es geht zur Bürgerecke, wo die Veranstaltung bei Kaffee und Kuchen abgeschlossen wird. Eine Teilnehmerin mit Rollator möchte schon vorher an der Ampel herausgelassen werden. Der Busfahrer hält und öffnet die Türen. „Und jetzt muss ich also rückwärts?“, fragt die Frau. Heil lächelt und nickt. Dieses Mal kann die Dame natürlich auch noch auf die Hilfestellung des Schulungsleiters bauen.

Info:

Das nächste Mobilitätstraining ist für 12. September, 13 bis 17 Uhr, geplant.

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