Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neustadt: Ehemalige Weinkehlchen erinnern sich

Montserrat Martí, Montserrat Caballé auf der Festwiese in NW 1997 Foto:
Montserrat Martí, Montserrat Caballé auf der Festwiese in NW 1997

Im Januar wurde der Neustadter Traditionschor Pfälzer Weinkehlchen eingestellt. In diesem Jahr wäre er 70 Jahre alt geworden. Wir haben uns bei einigen ehemaligen Sängern umgehört, was ihre schönsten Erinnerungen an ihre Zeit bei den Weinkehlchen sind und was sie zu dem Ende des Chores sagen.

Als Weinkehlchen habe sie viel erlebt, berichtet Martina Ziegler aus Edenkoben. Zwölf Jahre – von 1990 bis 2002 – habe sie im Chor mitgesungen. Besonders seien ihr die Konzertreisen in Erinnerung geblieben, die sie unter anderem nach Budapest und nach Rom führten. „In Rom waren wir auch beim Papst und der hat mir den Kopf gestreichelt. Das war etwas ganz Besonderes“, erzählt die 35-Jährige. Dass manche Freundschaften auch über den Chor hinaus halten, zeigt das Beispiel ihres Bruders. Der sei ebenfalls ein Weinkehlchen gewesen – genau wie seine jetzige Frau, die er dort kennengelernt habe.

Sarah Göring aus Kandel hat rund zwölf Jahre bei den Weinkehlchen mitgesungen. Sie erinnere sich noch gut an das Open-Air-Konzert auf der Neustadter Festwiese 1997 mit der Opernsängerin Montserrat Caballé. „Das war beeindruckend mit so einem Weltstar gemeinsam auf der Bühne zu stehen und zu singen“, sagt die 33-Jährige. Besonders gut hätten ihr die Konzert- und Auslandsreisen gefallen. Mit dem Ende des Chors sei Neustadt um einen Gesangverein ärmer. „Das ist unheimlich schade, denn im Verein ging es um mehr als nur um den Gesang. Es gab ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Wir hatten viel Spaß, es war aber auch Disziplin gefragt.“

„Es war eine tolle Zeit“, fasst Katharina Humm die zehn Jahre zusammen, in denen sie bei den Weinkehlchen mitgesungen hat. Mit sechs Jahren trat die Edenkobenerin 1996 in den Chor ein. „Ich bin damals direkt mit ins Ferienlager an den Starnberger See gefahren. Drei Wochen ohne Eltern – das war schon ein Erlebnis“, erzählt die 29-Jährige. Die Ferienlager, die jedes Jahr in den Sommerferien stattfanden, zählen mit zu ihren schönsten Erinnerungen. „Wir haben auf Luftmatratzen in Schulen übernachtet. Tagsüber haben wir alte und neue Lieder geprobt.“ Aber auch die Freizeit sei nicht zu kurz gekommen. „Wir waren im Legoland, im Phantasialand oder haben Kuscheltiere genäht.“ Dass der Chor aufgelöst wurde, finde sie schade. „Aber mit so wenigen Kindern hatte das einfach keine Zukunft.“

In ihrer Zeit bei den Weinkehlchen habe sie viele Freundschaften geknüpft, sagt Stefanie Gottwald. „Wir hatten einmal die Woche Probe, manchmal jedes Wochenende einen Auftritt und natürlich die Ferienlager. Da hat man viel Zeit miteinander verbracht.“ Einige Freundschaften hielten bis heute. „Ich finde es natürlich schade, dass es den Chor nicht mehr gibt.“ Die 42-Jährige vermutet, dass das Singen und vor allem die traditionelle Tracht der Weinkehlchen mit Häubchen und Schürze für Kinder nicht mehr so attraktiv seien. „Meine Tochter hat ein Dirndl, das sie wirklich gerne trägt. Die könnte sich vielleicht noch dafür erwärmen, mein Sohn aber definitiv nicht.“

„Ich glaube, die Zeiten von Kinderchören sind einfach vorbei. Für Kinder ist Singen nicht mehr cool“, sagt Christine Kampmann. Für sie selbst sei es fast klar gewesen, dass sie ein Pfälzer Weinkehlchen werden würde. „Meine Mama hat da früher mitgesungen und da wollte ich natürlich auch unbedingt hin.“ Mit neun Jahren trat sie 1989 in den Chor ein. Als sie älter wurde, habe sie jüngere Kinder als „Weinkehlchen-Mama“ unter ihre Fittiche genommen. „Da war man besonders in den Ferienlagern Ansprechpartner für kleine Wehwehchen oder Heimweh. Die Großen haben den Kleinen geholfen. Das war schon etwas Tolles.“

Neun Jahre hat Daniela Weisenburger bei den Weinkehlchen gesungen. Mittlerweile arbeitet die 34-Jährige sogar hauptberuflich als Sängerin, mit der Band The Bombshells wird sie den Rheinland-Pfalz-Tag in Annweiler eröffnen. „Bei den Weinkehlchen ging es auch um Stimmbildung und Gesangstechniken. Ich habe das alles von Kindesbeinen mitgemacht.“ Besonders seien ihr die Betthupferl von Maria Hoffmann in Erinnerung geblieben, die die mittlerweile verstorbene Frau von Dirigent Hansjürgen Hoffmann im Ferienlager vor dem Schlafengehen an die Kinder verteilte. „Als wir im Ferienlager am Starnberger See waren, sind wir einmal nachts sogar ausgebüxt. Der Zaun am See war nicht so hoch, das war abenteuerlich“, berichtet sie und lacht.

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