Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neustadt: Der finnische Pianist Henri Sigfridsson ist einer der Stars beim diesjährigen Hambacher Musikfest

Der international gefragte Pianist Henri Sigfridsson verachtet auch den Pfälzer Wein nicht – vor dem Abschlusskonzert des Hambac
Der international gefragte Pianist Henri Sigfridsson verachtet auch den Pfälzer Wein nicht – vor dem Abschlusskonzert des Hambacher Musikfests ist der allerdings tabu für ihn.

„Wir fanden uns gleich sehr sympathisch“, erzählt Henri Sigfridsson über seine erste Begegnung mit dem „Mandelring Quartett“ beim Kammermusikfestival im finnischen Kuhmo, dem „Mekka“ der Kammermusiker im hohen Norden. Seitdem sind sechs Jahre vergangen, und es hat endlich geklappt: In fünf Konzerten wird der Starpianist aus Finnland beim 23. Hambacher Musikfest, das am 19. Juni startet, seine viel gerühmte Anschlagskultur demonstrieren.

Neustadt-Hambach. Henri Sigfridsson hat sich seit dem Gewinn bedeutender internationaler Klavierwettbewerbe, angefangen mit dem 1. Preis beim Franz-Liszt-Wettbewerb in Weimar 1994, als international gefragter Konzertpianist etabliert und ist an der Staatsphilharmonie auch schon im Saalbau in Neustadt als Solist aufgetreten. „Meine Erinnerungen an die Pfalz, dazu zählt auch ein kammermusikalischer Auftritt in der Villa Musica-Reihe in Edenkoben, beziehen sich allerdings vor allem auf den Wein“, gibt Sigfridsson zu – und freut sich, dass ins seinem Heimatland anders als früher inzwischen auch Wein genossen wird. Wie alle ernsthaften Klassik-Interpreten möchte er sich allerdings während des Festivals trotz zahlreicher verlockender Angebote zurückhalten, denn schließlich erfordert das zu absolvierende Repertoire vor allem in seinem speziellen Falle allerhöchste Konzentration.

Sigfridsson ist ein ausgewiesener Experte für linkshändige Klavier-Werke

„Auf dem Programm stehen unter anderem zwei Werke für die linke Hand, die beide für den berühmten Pianisten Paul Wittgenstein, der im Ersten Weltkrieg seinen rechten Arm verlor, geschrieben wurden“, erzählt Sigfridsson, der als ausgewiesener Experte in diesem Fach gilt. Sehr selten aufgeführt wird das Quintett für Klarinette, Klavier, Violine, Viola und Violoncello Nr. 2 B-Dur von Franz Schmidt, das Sigfridsson zum Festivalauftakt gemeinsam mit dem „Mandelring Quartett“ und dem Klarinettisten Fabio Di Càsalo interpretieren wird. „Das Werk ist sensationell gut, der Klavierpart absolut vollwertig“, urteilt der 45-Jährige über die 1932 geschaffene, im spätromantischen Stil gehaltene Komposition des Zeitgenossen von Arnold Schönberg. Im tonalen Rahmen bewegt sich auch die zweite kammermusikalische Sensation des 23. Hambacher Musikfestes in Gestalt der Suite op. 23 für zwei Violinen, Violoncello und Klavier (linke Hand) von Erich Wolfgang Korngold, die beim Festkonzert zu Gehör gebracht wird. Einige Kammermusiken des jüdischen Österreichers, der noch rechtzeitig den Sprung über den Atlantik geschafft hatte und in Amerika als Filmmusiker Karriere machte, hat Sigfridsson bereits auf CD aufgenommen.

„Meine Stimme war mein erstes Instrument“

Dessen Liebe zur Musik wurde frühzeitig im Elternhaus entdeckt und gefördert. Die Mutter Musik- und Klavierlehrerin, der Vater ein großer Opernliebhaber, der ältere Bruder ein musikalischer Tausendsassa, auch wenn er die Musik nicht zum Beruf gemacht hat. „Mein Bruder und ich singen von Kindheitstagen sehr gerne, und meine Stimme war mein erstes Instrument“, berichtet Sigfridsson mit Verweis auf seine vielfache Teilnahme an Kindergesangswettbewerben. Irgendwann wurde dann das Klavier zum Hauptinstrument – und ist es bis zum heutigen Tag geblieben. Als Klavierprofessor an der Folkwang-Universität der Künste in Essen gibt er sein Wissen mit großer Leidenschaft an seine Studenten weiter. „Man trägt eine große Verantwortung für die junge Generation. Das muss einem immer bewusst sein. Zur Zeit verfüge ich über eine außergewöhnlich gute Klavierklasse, da macht das Unterrichten umso mehr Spaß.“

Sigfridsson schwärmt vom reichhaltigen Musikleben in Deutschland

Dass Klavierspielen süchtig machen kann, ist allgemein bekannt und trifft wohl auch auf Sigfridsson zu. „Selbst nach einem harten Unterrichtstag genieße ich es, mich zu Hause an den Flügel zu setzen und stundenlang zu spielen“, verrät er. Dementsprechend stiefmütterlich besetzt ist im Leben des „Musikbesessenen“, wie er sich selbst bezeichnet, das Thema „Hobby“ – abgesehen von der Liebe zur Natur und zum Spazierengehen.

Enthusiastisch äußert sich Sigfridsson über das Musikleben in Deutschland. „Im Vergleich zu anderen Ländern kann man hier das Publikum gerade für Kammermusik sehr begeistern. Daher freue ich mich ganz besonders auf das Hambacher Musikfest und bin neugierig auf die Begegnung mit den Konzertbesuchern“.

Noch Fragen?

Henri Sigfridsson wirkt beim „Hambacher Musikfest“ an fünf von sieben Konzert mit: Eröffnungskonzert am Mittwoch, 19. Juni, 20 Uhr, im Hambacher Schloss; „Tschechische Meisterwerke“ am Freitag, 21. Juni, 19 Uhr, in der Jakobuskirche; Festkonzert, Samstag, 22. Juni, 20 Uhr, im Hambacher Schloss; Mozart-Matinee am Sonntag, 23. Juni, 11 Uhr, im Weingut Müller-Kern (bereits ausverkauft); Festliches Finale, Sonntag, 23. Juni, 18 Uhr, im Hambacher Schloss. Karten und weitere Infos unter 06321/92043 oder www.hambachermusikfest.de.

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